Der letzte Karton landete mit einem dumpfen Schlag auf der Ladefläche. Schweiß klebte mir das Shirt am Rücken fest, und ich wischte mir mit dem Unterarm über die Stirn. Vierter Stock, kein Aufzug, Hochsommer. Valerie stand neben mir, eine Hand lässig in die Hüfte gestemmt, und musterte mich mit diesem Blick, den ich schon den ganzen Vormittag gespürt hatte.
„Fertig“, sagte ich und lehnte mich gegen den Transporter. „Alles drin.“
„Du bist nass.“ Ihre Stimme hatte diesen Unterton, den ich nicht einordnen konnte. Nicht besorgt. Eher … interessiert.
„Vierter Stock. Ohne Aufzug.“
Sie lächelte. Langsam. „Dafür schulde ich dir mehr als nur ein Bier.“
Valerie war vor drei Wochen eingezogen. Zwei Türen weiter, Altbau mit hohen Decken und dieser Nachbarschaft, in der man sich grüßte, aber nie wirklich kennenlernte. Bis sie an meiner Tür geklingelt und gefragt hatte, ob ich ihr beim Umzug helfen könnte. Ihr Freund sei krank, ihre Freunde alle verhindert. Und ich? Ich hatte Samstag und nichts vor.
Jetzt stand sie da in ihren engen Jeans und dem Top, das mehr zeigte als verbarg, und schaute mich so an, als wäre ich nicht nur irgendein Nachbar, der geholfen hatte.

„Steig ein“, sagte sie plötzlich.
„Was?“
„Ich muss den Transporter zurückbringen. Fahr mit. Dann lade ich dich wirklich zu dem Bier ein.“
Ich zögerte. Nicht lange. „Klar.“
Wir fuhren durch die Stadt, die Fenster unten, warmer Wind strömte herein. Valerie fuhr schnell, selbstbewusst, eine Hand am Lenkrad, die andere lag auf ihrem Oberschenkel. Ich versuchte, nicht hinzuschauen. Versuchte es wirklich.
„Du bist in Form“, sagte sie irgendwann.
„Wie?“
„Die Kartons. Hat ausgesehen, als würdest du das jeden Tag machen.“
„Ich geh halt ins Fitnessstudio.“
„Sieht man.“ Ihre Augen blieben auf der Straße, aber ihr Lächeln wurde breiter. „Dein Freundin muss zufrieden sein.“
„Hab keine.“
Eine Sekunde Stille. Dann: „Gut.“
Mein Herz schlug schneller. Das hier – was immer das war – fühlte sich plötzlich nicht mehr nach Nachbarschaftshilfe an.
Die Autovermietung lag am Stadtrand. Valerie gab den Schlüssel ab, unterschrieb irgendwas, und dann standen wir auf dem Parkplatz. Mein Auto war zu Hause. Ihres auch.
„Taxi?“, fragte ich.
Sie schüttelte den Kopf. „Warte.“
Sie verschwand kurz im Büro, kam dann zurück und winkte mich zu einem anderen Wagen. Ein älterer Kombi, die Fenster leicht getönt.
„Was ist das?“
„Leihwagen. Für heute Abend. Ich brauch noch einen für Besorgungen.“ Sie öffnete die Beifahrertür. „Steig ein.“
Ich stieg ein.
Wir fuhren nicht nach Hause. Stattdessen bog sie auf eine Landstraße ab, die aus der Stadt hinausführte. Felder, vereinzelte Bäume, kaum Verkehr.
„Wo fahren wir hin?“
„Nirgendwohin.“ Sie warf mir einen Seitenblick zu. „Ich wollte nur … raus. Mit dir.“

Meine Handflächen wurden feucht. „Valerie—“
„Du findest mich attraktiv.“
Keine Frage. Eine Feststellung.
„Ich—“
„Sag nichts.“ Sie lächelte. „Ich hab’s gemerkt. Den ganzen Vormittag. Wie du mich angeschaut hast. Wie du versucht hast, es nicht zu tun.“
Mein Mund war trocken. „Du hast einen Freund.“
„Der krank ist. Seit Wochen.“ Sie bog auf einen Feldweg ab, holprig, mit Gras in der Mitte. „Der mich kaum noch anfasst.“
Der Wagen hielt. Um uns herum nichts als Felder, die Sonne hing tief am Horizont. Valerie stellte den Motor ab, drehte sich zu mir.
„Ich will dich“, sagte sie. Einfach so. Direkt. Ohne Umschweife.
Mein Atem stockte. „Hier?“
„Rückbank.“
Sie stieg aus, öffnete die hintere Tür, schaute mich über die Schulter an. „Kommst du?“
Ich stieg aus. Mein Herz hämmerte so laut, dass ich dachte, sie müsste es hören. Die Luft war warm, irgendwo zwitscherten Vögel. Die Absurdität der Situation – mitten am Tag, auf einem Feldweg, mit einer Frau, die ich kaum kannte – ließ mich zögern. Aber nur kurz.
Ich folgte ihr auf die Rückbank.
Sie zog die Tür hinter mir zu. Der Innenraum war eng, nach Kunstleder und Sommer. Valerie saß da, die Beine angezogen, und schaute mich an wie eine Raubkatze, die genau wusste, was sie wollte.

„Du bist nervös“, stellte sie fest.
„Ein bisschen.“
„Gut.“ Sie kam näher, ihre Knie berührten meine. „Ich mag das.“
Sie küsste mich. Hart. Fordernd. Keine Vorsicht, kein Tasten. Ihre Zunge drängte sich in meinen Mund, ihre Finger gruben sich in meine Haare. Ich schmeckte Minze und etwas Süßes, spürte, wie sie sich auf meinen Schoß schob, ihr Gewicht auf mir.
„Fuck“, murmelte sie gegen meine Lippen. „Du fühlst dich gut an.“
Meine Hände fanden ihre Hüften, fuhren unter ihr Top. Ihre Haut war warm, glatt, und sie stöhnte leise, als ich höher glitt. Kein BH. Meine Daumen strichen über ihre Brustwarzen, und sie bog sich in meine Berührung, rieb sich gegen mich.
„Zieh es aus“, flüsterte sie.
Ich zog ihr das Top über den Kopf. Ihre Brüste waren klein, fest, die Brustwarzen hart. Ich beugte mich vor, nahm eine in den Mund. Sie keuchte auf, ihre Finger krallten sich in meine Schultern.

„Ja. Genau so.“
Ihre Hüften bewegten sich rhythmisch, rieben sich gegen meine Erektion. Ich war steinhart, das merkte sie, und ihr Lächeln wurde breiter. Sie griff zwischen uns, öffnete meine Hose.
„Valerie—“
„Still.“ Sie zog meinen Schwanz heraus, umfasste ihn fest. „Ich will dich spüren. Jetzt.“
Sie stand auf, so gut es auf der Rückbank ging, zog ihre Jeans runter. Darunter ein schwarzer String, schon feucht. Sie schob ihn zur Seite, positionierte sich über mir.
„Bist du—“
„Pille.“ Sie senkte sich auf mich. Langsam. So verdammt langsam. Ihre Augen hielten meinen Blick fest, während sie mich in sich aufnahm. Zentimeter für Zentimeter.
Ich keuchte. Sie war eng. Nass. Heiß.
„Fuck“, entfuhr es mir.
Sie lachte leise. „Ja. Das ist die Idee.“
Dann begann sie sich zu bewegen. Auf und ab, ihre Hände auf meinen Schultern abgestützt. Die Rückbank quietschte, der Wagen schaukelte leicht. Ich griff nach ihren Hüften, half ihr, stieß nach oben.
„Härter“, keuchte sie. „Komm schon. Härter.“
Ich packte fester zu, stieß nach oben. Sie schrie auf, warf den Kopf zurück. Ihr Haar klebte an ihrer Stirn, ihre Brüste wippten mit jeder Bewegung. Es war roh, ungezügelt, und ich konnte nicht glauben, dass das wirklich passierte.
„Du füllst mich so gut aus“, stöhnte sie. „Genau so. Fick mich. Fick mich hart.“
Ich drehte uns um, drückte sie auf den Rücksitz. Ihre Beine schlangen sich um meine Hüften, zogen mich tiefer. Ich stieß in sie, wieder und wieder, verlor mich in dem Gefühl. Sie kratzte über meinen Rücken, biss mir in die Schulter.
„Ja. Ja. Genau da. Fick—“
Ihre Muskeln spannten sich an. Sie kam. Laut. Ihre Fingernägel bohrten sich in meine Haut, ihr ganzer Körper bebte. Das trieb mich über die Kante. Ich kam hart, pumpte in sie, während sie mich festhielt, als würde sie nie loslassen wollen.
Wir blieben so liegen. Keuchend. Verschwitzt. Der Innenraum war heiß, beschlagen. Irgendwo draußen hörte ich ein Auto vorbeifahren, weit weg.
„Das war …“, begann ich.
„Nötig“, vollendete sie. Sie lächelte, strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Das war so nötig.“
„Was jetzt?“
„Jetzt?“ Sie setzte sich auf, griff nach ihren Klamotten. „Jetzt fahren wir zurück. Und dann sehen wir weiter.“
„Und dein Freund?“
Ihr Lächeln verblasste nicht. „Der wird’s nie erfahren. Und selbst wenn – mir ist es gerade ziemlich egal.“
Wir zogen uns an, stiegen wieder nach vorne. Die Rückfahrt war still, aber nicht unangenehm. Ihre Hand lag auf meinem Oberschenkel, spielte mit dem Stoff meiner Hose. Jede Berührung ließ mich an das denken, was gerade passiert war.
Als wir vor unserem Haus hielten, beugte sie sich zu mir rüber, küsste mich noch einmal. Sanfter diesmal.
„Danke“, flüsterte sie. „Für den Umzug. Und den Rest.“
„Jederzeit.“
Sie lachte. „Vorsicht. Das könnte ich ausnutzen.“
„Tu das.“
Wir stiegen aus. Sie ging zu ihrer Wohnung, ich zu meiner. An meiner Tür drehte ich mich noch einmal um. Sie stand an ihrer, den Schlüssel in der Hand, und schaute zurück. Dann zwinkerte sie mir zu und verschwand nach drinnen.

Ich lehnte mich gegen meine Tür, das Herz noch immer rasend. Was zur Hölle war gerade passiert? Und warum wollte ich, dass es wieder passierte?
Mein Handy vibrierte. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.
„Morgen. Gleiche Zeit. Gleicher Ort. Wenn du dich traust.“
Ich starrte auf den Bildschirm. Das war falsch. So verdammt falsch. Sie hatte einen Freund. Ich war ihr Nachbar. Das hier würde nur in Drama enden.
Aber selbst während ich das dachte, tippte ich schon eine Antwort.
„Ich bin dabei.“
Ich drückte auf Senden, bevor ich es mir anders überlegen konnte. Dann ging ich in meine Wohnung, duschte, aber das Bild von Valerie auf der Rückbank, ihr Stöhnen, ihr Griff – das blieb. Unauslöschlich.
Am nächsten Tag war ich pünktlich da. Und sie auch. Diesmal dauerte es noch weniger lang, bis wir auf der Rückbank landeten. Diesmal war es noch intensiver, noch gieriger. Und diesmal blieb danach ein Geschmack von etwas, das sich nach mehr anfühlte als nur Sex. Nach etwas Gefährlichem. Nach etwas, das süchtig machte.
Ich wusste, dass das nicht gut enden würde. Aber in dem Moment? In dem Moment war mir das scheißegal. Diese Affäre war wie ein Rausch, den ich nicht loslassen konnte. Es erinnerte mich an Momente, die ich in anderen Geschichten gelesen hatte – wie die über Sicherheitsgurte und Lachen in abgedunkelten Wagen oder die intensive Begegnung mit Weinglas und Flüstern in einer fremden Küche. Nur dass es jetzt meine Realität war.
Valerie hatte recht gehabt. Ich würde süchtig werden. Nach ihr. Nach diesem Gefühl. Nach der Rückbank und ihrer Gier.
Und irgendwie machte mich das nicht mehr nervös. Irgendwie machte mich das nur noch hungriger nach mehr.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.