Das Weinglas in meiner Hand war schon das dritte. Oder vierte? Ich hatte aufgehört zu zählen, als Mira mir das letzte Mal nachgeschenkt hatte. Wir saßen in ihrer Küche — nein, nicht ihrer, sondern in der von Elian. Mein Nachbar. Mein Kollege. Der Mann, der seit Wochen in meinen Gedanken herumspukte, obwohl ich genau wusste, dass das keine gute Idee war.
„Du bist still geworden“, sagte Mira und lehnte sich gegen die Arbeitsplatte. Sie war Elians Schwester und hatte mich spontan eingeladen, als wir uns zufällig im Treppenhaus begegnet waren. Elian sollte eigentlich auch da sein, aber er hatte sich verspätet. Irgendetwas mit einem Meeting, das länger dauerte.
„Nur müde“, log ich und nippte an meinem Wein. Die Wahrheit war komplizierter. Die Wahrheit war, dass ich seit dem letzten Projekt im Büro nicht mehr aufhören konnte, an Elians Hände zu denken. An seine Art, wie er sprach. Wie er lachte. Wie er mich manchmal ansah, wenn er dachte, ich würde es nicht bemerken.
Mira lächelte wissend. „Er kommt gleich. Musst nicht mehr lange warten.“
Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht stieg. „Was soll das heißen?“
„Komm schon, Ronja. Ich hab Augen im Kopf. Und Elian ist genauso transparent wie du.“

Bevor ich antworten konnte, hörte ich den Schlüssel in der Tür. Mein Herz machte einen seltsamen Satz. Sekunden später stand er in der Küche, noch im Hemd, die Krawatte gelockert. Seine dunklen Haare waren etwas zerzaust, und er sah müde aus — aber auf diese Art, die ihn nur noch attraktiver machte.
„Hey“, sagte er und sein Blick fand sofort meinen. „Du bist noch da.“
„Noch“, antwortete ich und versuchte, normal zu klingen.
Mira stellte ihr Glas ab. „So, Leute. Ich muss los. Morgen früh raus und so.“ Sie zwinkerte mir zu, bevor sie zur Tür ging. „Viel Spaß noch.“
Und dann waren wir allein.
Elian holte sich ebenfalls ein Glas und schenkte sich Wein ein. Er kam näher, lehnte sich neben mich an die Küchentheke. Ich roch sein Aftershave — holzig, warm, ein bisschen herb. Wir standen so nah, dass ich die Wärme seines Körpers spüren konnte.
„Danke, dass du geblieben bist“, sagte er leise. „War ein beschissener Tag.“
„Will ich wissen, warum?“
„Langweilige Meetings. Langweilige Menschen.“ Er drehte sich zu mir. „Aber jetzt ist es besser.“
Mein Atem stockte. Die Art, wie er mich ansah, war anders als sonst. Intensiver. Direkter. Als hätte er eine Entscheidung getroffen.

„Elian…“
„Ronja.“ Er stellte sein Glas ab und kam noch einen Schritt näher. „Ich denk die ganze Zeit an dich. Das ist verrückt, oder?“
„Ziemlich“, flüsterte ich.
„Wir arbeiten zusammen. Wir sind Nachbarn. Das ist kompliziert.“
„Sehr kompliziert.“
„Trotzdem kann ich nicht aufhören, an dich zu denken.“ Seine Stimme war rau geworden. Er hob die Hand und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Die Berührung war wie ein elektrischer Schlag.
„Ich auch nicht“, gab ich zu. „Seit Wochen.“
Seine Augen wurden dunkler. „Was machen wir jetzt?“
Ich wusste keine Antwort. Also tat ich das, was sich richtig anfühlte: Ich beugte mich vor und küsste ihn.
Es war, als würde etwas in mir explodieren. Elian erwiderte den Kuss sofort, seine Hand legte sich in meinen Nacken, die andere auf meine Hüfte. Er zog mich näher, bis kein Platz mehr zwischen uns war. Der Kuss war hungrig, verzweifelt — als hätten wir beide zu lange gewartet.
„Gott“, murmelte er gegen meine Lippen. „Du schmeckst nach Wein.“
„Du auch.“
Er lachte leise, dann küsste er mich wieder. Diesmal langsamer, tiefer. Seine Zunge fand meine, und ich spürte, wie meine Knie weich wurden. Ich klammerte mich an seinem Hemd fest, während er mich rückwärts gegen die Küchentheke schob.

„Wir sollten aufhören“, flüsterte ich, aber meine Hände öffneten bereits die Knöpfe seines Hemds.
„Sollten wir“, stimmte er zu und küsste meinen Hals. „Tun wir aber nicht.“
Nein. Das taten wir nicht. Stattdessen riss er mir das Top über den Kopf, und ich ließ sein Hemd zu Boden fallen. Seine Haut war warm unter meinen Fingern, seine Muskeln angespannt. Ich küsste seine Brust, seine Schulter, seinen Hals, und er stöhnte leise.
„Ronja…“
„Ja?“
„Wenn wir das tun, gibt es kein Zurück mehr.“
Ich sah ihn an. „Will ich auch nicht.“
Das schien ihm zu reichen. Er hob mich hoch, setzte mich auf die Küchentheke, und ich schlang meine Beine um seine Hüften. Wir küssten uns wieder, und diesmal war es noch intensiver. Seine Hände waren überall — in meinen Haaren, auf meinem Rücken, an meinen Oberschenkeln. Ich zitterte unter seiner Berührung.
Er öffnete meinen BH mit einer Leichtigkeit, die mich kurz innehalten ließ. Dann aber spürte ich seine Lippen auf meiner Brust, und alle Gedanken verschwanden. Seine Zunge umkreiste meine Brustwarze, und ich bog mich ihm entgegen, keuchend. Es fühlte sich unglaublich an — besser als alles, was ich mir vorgestellt hatte.
„Du bist so schön“, murmelte er zwischen den Küssen. „So verdammt schön.“
Ich zog ihn wieder zu mir hoch, küsste ihn hart, und meine Hände wanderten zu seinem Gürtel. Er half mir, ihn zu öffnen, dann schob er meine Jeans hinunter. Wir bewegten uns schneller jetzt, getrieben von einer Dringlichkeit, die keinen Aufschub duldete.
Als er seine Finger zwischen meine Beine schob, stöhnte ich laut. Er lächelte gegen meinen Hals. „So feucht für mich“, flüsterte er. „Gefällt dir das?“
„Ja“, keuchte ich. „Gott, ja.“
Er bewegte seine Finger langsam, kreisend, und ich dachte, ich würde verrückt werden. Es war zu viel und gleichzeitig nicht genug. Ich wollte ihn — ganz, sofort. Meine Hände krallten sich in seine Schultern.
„Elian, bitte…“
„Was willst du?“
„Dich. Ich will dich.“
Er zögerte nicht. Sekunden später war er in mir, und ich schrie leise auf vor Lust. Er füllte mich vollkommen aus, und für einen Moment hielten wir beide inne, atmeten schwer, sahen uns in die Augen. Dann begann er sich zu bewegen, langsam zuerst, dann schneller.
Die Arbeitsplatte war hart gegen meinen Rücken, aber das war mir egal. Ich spürte nur ihn — seinen Körper, seine Hände, seinen Atem an meinem Ohr. Jeder Stoß brachte mich näher an den Rand, und ich klammerte mich an ihn, als wäre er das Einzige, was mich hielt.
„Ronja“, keuchte er. „Du fühlst dich so gut an.“
Ich konnte nicht antworten. Ich konnte nur noch spüren. Die Hitze in meinem Bauch wurde unerträglich, baute sich auf wie eine Welle. Seine Hand glitt zwischen uns, fand die richtige Stelle, und das war es. Ich kam mit einem lauten Schrei, mein Körper zuckte, und ich hörte, wie er meinen Namen stöhnte, bevor auch er sich in mir ergoss.
Wir blieben so sitzen, verschwitzt und zitternd. Mein Kopf ruhte an seiner Schulter, sein Gesicht war in meinen Haaren vergraben. Ich spürte sein Herz rasen gegen meine Brust.
„Das war…“ begann er.
„Ja“, flüsterte ich.
Er lachte leise und küsste meine Stirn. „Was machen wir jetzt?“
„Keine Ahnung.“ Ich hob den Kopf und sah ihn an. „Aber ich will es nochmal.“
Seine Augen blitzten. „Jetzt?“
„Jetzt.“
Diesmal nahm er mich mit ins Schlafzimmer. Und die Nacht war noch lang.
Am nächsten Morgen wachte ich in seinen Armen auf. Das Licht fiel durch die Vorhänge, und ich konnte hören, wie die Stadt draußen zum Leben erwachte. Elian schlief noch, sein Atem gleichmäßig und ruhig. Ich betrachtete sein Gesicht — entspannt, friedlich — und fragte mich, ob das, was wir getan hatten, ein Fehler war.
Aber als er die Augen öffnete und mich anlächelte, wusste ich: Es war keiner. Es war kompliziert, ja. Wir waren Kollegen. Wir waren Nachbarn. Aber manchmal waren die besten Dinge kompliziert.
„Guten Morgen“, murmelte er und zog mich näher.

„Morgen.“
„Bereust du es?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Du?“
„Auf keinen Fall.“ Er küsste mich sanft. „Aber wir sollten vorsichtig sein. Im Büro meine ich.“
„Einverstanden.“
Wir lagen noch eine Weile so da, genossen die Nähe, die Stille. Dann klingelte mein Handy. Ich griff danach und sah eine Nachricht von Mira: Und? Wie war’s? 😉
Ich lachte und zeigte Elian die Nachricht. Er verdrehte die Augen. „Sie ist unmöglich.“
„Sie hatte recht.“
„Womit?“
„Dass wir beide transparent sind.“
Er lächelte und küsste mich wieder. „Gut so.“
Später, als ich in meiner eigenen Wohnung war, dachte ich über die Nacht nach. Es fühlte sich nicht falsch an — im Gegenteil. Es fühlte sich an wie der Anfang von etwas. Vielleicht würde es halten, vielleicht nicht. Aber für den Moment war ich bereit, es herauszufinden.
Am Montagmorgen im Büro war alles wie immer. Elian und ich tauschten nur kurze Blicke, kleine Lächeln, wenn niemand hinsah. Aber als wir uns in der Kaffeeküche begegneten und er mir zuflüsterte: „Heute Abend wieder bei mir?“, wusste ich: Das hier war noch lange nicht vorbei.
Ich nickte. „Gerne.“
Und während ich zurück an meinen Schreibtisch ging, spürte ich, wie sich ein Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitete. Es war riskant, es war versaut, es war alles, was ich mir nie vorgestellt hatte.
Aber es war auch aufregend. Es war echt. Und genau das wollte ich.
Die Tage danach glichen einem gefährlichen Tanz. Wir waren Nachbarn, die sich plötzlich jeden Abend sahen. Im Treppenhaus lächelten wir uns professionell zu, als hätten wir keine Ahnung, wie der andere nackt aussah. Aber kaum fiel eine Tür ins Schloss, waren wir nicht mehr zu halten.
Seine Küche wurde zu unserem geheimen Ort. Jedes Mal, wenn ich dort war, erinnerte mich das Weinglas auf der Arbeitsplatte an jene erste Nacht. An seine Hände auf meiner Haut. An sein Flüstern in meinem Ohr.
Und jedes Mal wollte ich mehr.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.