Das Wasser lief schon, als ich die Tür zu meiner Wohnung hinter uns schloss. Karina stand mitten im Flur, ihre Jacke tropfte auf die Dielen, und ihre Haare klebten ihr am Gesicht. Der Wolkenbruch hatte uns erwischt, auf dem letzten Stück vom Auto bis zur Haustür.
„Scheißregen“, sagte sie und lachte dabei. Dieses Lachen. Ich hatte es sechs Jahre nicht gehört, aber es saß sofort wieder da, irgendwo zwischen Rippen und Bauch.
„Komm, du kannst bei mir duschen“, sagte ich und griff nach ihrem Mantel. Sie ließ ihn fallen, zog ihre durchnässten Schuhe aus. Ihre Zehen waren eiskalt, als sie über die Fliesen stapfte.
Wir waren damals ein Ding gewesen. Irgendwas zwischen Freundschaft und mehr, nie richtig entschieden, nie ausgesprochen. Dann war sie nach Hamburg gezogen, und irgendwann hatten wir aufgehört zu schreiben. Heute Nachmittag stand sie plötzlich in dem Café, in dem ich saß. „Zufall“, hatte sie gesagt. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Jetzt stand sie in meinem Bad, und das Wasser rauschte hinter der Milchglastür der Dusche. Sie drehte sich zu mir um, zog ihr nasses Shirt über den Kopf. Kein BH. Ihre Haut war blass und voller Gänsehaut.

„Kommst du mit?“, fragte sie, und es klang nicht wie eine Frage.
Ich nickte. Mein Mund war trocken.
Sie öffnete die Dusche, ließ die Hose fallen, stieg hinein. Ich folgte ihr. Das Wasser war heiß, fast zu heiß, und es dampfte sofort. Sie stand direkt unter dem Strahl, ließ den Kopf in den Nacken fallen, und ihr Haar wurde schwer und dunkel.
„Gib mir das Shampoo“, sagte sie.
Ich reichte ihr die Flasche, aber sie schüttelte den Kopf. „Mach du.“
Meine Hände zitterten, als ich den Schaum in ihrem Haar verteilte. Sie schloss die Augen. Ihre Schultern entspannten sich, und ich spürte, wie mein Puls schneller wurde. Meine Finger glitten durch die Strähnen, über ihre Kopfhaut, in ihren Nacken. Sie stöhnte leise auf.

„Weiter“, flüsterte sie.
Ich ließ meine Hände über ihre Schultern wandern, über ihren Rücken. Das Wasser spülte den Schaum weg, und meine Handflächen glitten über ihre nasse Haut. Sie lehnte sich gegen mich, ihr Rücken an meiner Brust, ihr Hintern an meinem Bauch. Mein Schwanz wurde hart, und sie spürte es. Sie rieb sich gegen mich, langsam, provozierend.
„Ist das okay?“, fragte ich, und meine Stimme brach fast.
Sie drehte sich um. Ihre Augen waren dunkel, ihre Lippen halb geöffnet. „Was glaubst du denn?“
Dann küsste sie mich. Hart, fordernd, ihre Zunge in meinem Mund, ihre Nägel in meinem Nacken. Ich drückte sie gegen die Fliesen, und sie keuchte auf. Ihre Beine umschlangen meine Hüfte, und ich hielt sie fest, eine Hand unter ihrem Hintern, die andere in ihrem Haar. Das Wasser prasselte auf uns herab, und alles war heiß und glitschig und unfassbar real.
„Wasch mich“, sagte sie, und es klang wie ein Befehl.
Ich griff nach dem Duschgel, verteilte es auf meinen Händen. Dann berührte ich sie. Ihre Brüste zuerst, meine Daumen über ihre Brustwarzen, die sofort hart wurden. Sie warf den Kopf zurück, atmete schwer. Ich küsste ihren Hals, leckte das Wasser von ihrer Haut, wanderte tiefer. Meine Hände glitten über ihren Bauch, ihre Hüften, zwischen ihre Schenkel.
Sie zuckte zusammen, als meine Finger sie berührten. „Ja“, stöhnte sie. „Genau da.“
Ich rieb langsam über ihre Schamlippen, spürte, wie nass sie war. Nicht nur vom Wasser. Sie öffnete die Beine weiter, und ich schob einen Finger in sie hinein. Sie war eng und heiß, und ihr ganzer Körper spannte sich an.
„Mehr“, keuchte sie.
Ich fügte einen zweiten Finger hinzu, bewegte sie rhythmisch. Sie stöhnte lauter, ihre Hände krallten sich in meine Schultern. Ich küsste sie wieder, schluckte ihre Geräusche, während ich sie weiter fingerte. Mein Daumen fand ihre Klitoris, und ich rieb sanfte Kreise darüber.
„Fick mich“, sagte sie plötzlich. Keine Bitte. Eine Feststellung.
Ich hob sie höher, positionierte mich, und dann schob ich mich in sie hinein. Langsam zuerst, dann tiefer, bis ich ganz in ihr war. Sie schrie auf, und das Echo hallte von den Fliesen wider. Ich hielt inne, spürte, wie sie um mich herum pulsierte.
„Beweg dich“, befahl sie.
Also bewegte ich mich. Langsam zuerst, dann schneller. Sie klammerte sich an mich, ihre Fingernägel zogen Spuren über meinen Rücken. Das Wasser machte alles rutschig, erschwerte den Halt, aber genau das machte es noch intensiver. Ich musste mich konzentrieren, sie festhalten, während ich in sie stieß.

Es erinnerte mich an jene Nacht auf der Couch, als wir uns das erste Mal nahegekommen waren, damals vor Jahren. Aber das hier war anders. Roher. Ehrlicher.
„Härter“, keuchte sie.
Ich stieß tiefer, schneller, und ihre Schreie wurden lauter. Sie kam, plötzlich und heftig, ihr ganzer Körper verkrampfte sich, und sie biss mir in die Schulter. Der Schmerz trieb mich über die Kante. Ich kam in ihr, ein langer, heftiger Orgasmus, der sich anfühlte, als würde er nie aufhören.
Wir sanken zusammen auf den Duschboden, das Wasser prasselte weiter auf uns herab. Sie lag halb auf mir, ihr Gesicht an meinem Hals, ihr Atem heiß und unregelmäßig.
„Das war überfällig“, murmelte sie.
Ich lachte leise. „Sechs Jahre überfällig.“
Sie richtete sich auf, sah mich an. In ihren Augen lag etwas, das ich nicht deuten konnte. Bedauern? Verlangen? Beides?
„Ich hätte nie wegziehen sollen“, sagte sie.
„Aber du bist jetzt hier.“
Sie nickte. „Nur für heute.“
Etwas in meiner Brust zog sich zusammen. „Nur heute?“
„Ich fahre morgen zurück nach Hamburg.“
Das Wasser wurde langsam kalt. Ich drehte es ab, stand auf, reichte ihr ein Handtuch. Sie wickelte sich hinein, sah plötzlich verletzlich aus.
„Wir könnten in Kontakt bleiben“, sagte ich.
Sie lächelte traurig. „Könnten wir. Aber wir werden es nicht.“
Sie hatte recht. Das wussten wir beide. Es war wie damals. Diese Sache zwischen uns, sie funktionierte nur in Momenten wie diesem. In Zufällen und Wolkenbrüchen und heißen Duschen. Nicht in der Realität von Alltag und Entfernung.
Wir trockneten uns ab, schweigend. Sie zog sich meine Sachen an, viel zu groß für sie. Der Pulli rutschte ihr von der Schulter, und ich musste mich zwingen, nicht wieder anzufangen.

„Ich sollte los“, sagte sie schließlich.
„Der Regen hat aufgehört.“
„Praktisch.“
Sie nahm ihre Tasche, ging zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal um. „Es war schön, dich wiederzusehen.“
„Dich auch.“
Sie küsste mich, kurz und zärtlich. Dann war sie weg.
Ich stand noch lange in meiner leeren Wohnung und roch das Shampoo an meinen Händen. Es roch nach ihr. Nach uns. Nach etwas, das hätte sein können, es aber nie war.
Am nächsten Morgen fand ich eine Nachricht auf meinem Handy. „Danke für gestern. Karina.“
Ich schrieb zurück: „Komm wieder, wenn du in der Stadt bist.“
Sie antwortete nicht. Aber drei Monate später stand sie wieder vor meiner Tür. Nass vom Regen, mit diesem Lächeln.
„Zufall?“, fragte ich.
Sie schüttelte den Kopf. „Nicht dieses Mal.“
Und dann waren wir wieder unter der Dusche, Shampoo in ihren Haaren, meine Hände auf ihrer Haut. Nur dass es dieses Mal nicht das Ende war. Es war der Anfang von etwas Neuem, etwas, das wir beide sechs Jahre lang ignoriert hatten.
„Bleibst du heute?“, fragte ich zwischen den Küssen.
Sie nickte. „Ich bleibe.“
Das Wasser lief, und dieses Mal fühlte es sich an wie ein Versprechen. Nicht nur für eine Nacht. Für mehr. Für uns.
Später lagen wir in meinem Bett, ihre nassen Haare auf meiner Brust, und ich dachte daran, wie oft ich mir genau diesen Moment gewünscht hatte. Wie oft ich gedacht hatte, es wäre zu spät. Aber vielleicht ist es nie zu spät. Vielleicht brauchen manche Dinge einfach ihre Zeit. Ihre Zufälle. Ihren Regen.
„Was denkst du?“, fragte sie leise.
„Dass ich dich nicht wieder gehen lassen will.“
Sie küsste meinen Hals. „Dann tu es nicht.“
Und ich tat es nicht. Nicht mehr. Nicht wieder. Diesmal nicht.
Die Geschichte von Karina und mir ist kompliziert. Sie lässt sich nicht in eine Schublade stecken, nicht in eine Kategorie wie Affären oder versaute Begegnungen. Sie ist einfach unsere Geschichte. Eine Geschichte von zwei Menschen, die sich immer wieder finden, egal wie viel Zeit vergeht.
Und es begann alles mit Shampoo und ihren Händen unter meiner nassen Haut.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.