Der Pilzkorb lag schon in meinem Kofferraum, als Riona ihre Nachricht schickte: „Ich will dich. Jetzt. Heute. Wald.“
Keine Emojis, keine Herzchen, nur diese drei Wörter. Typisch Riona. Meine Freundin sprach nicht viel, aber wenn sie etwas sagte, dann meinte sie es ernst. Wir hatten seit Wochen geplant, Pilze zu sammeln – der Herbst hatte früh begonnen, und die Wälder südlich der Stadt waren perfekt für Steinpilze. Aber ihre Nachricht klang nicht nach entspanntem Waldspaziergang.
Ich holte sie eine Stunde später ab. Sie wartete vor ihrer Haustür, trug eine weite Cargohose und einen dunklen Pullover, ihre roten Haare zusammengebunden. Als sie einstieg, roch ich ihr Parfum – herb, ein bisschen holzig. Passend.
„Warst du beim Sport?“, fragte ich.
„Nein.“ Sie schnallte sich an, schaute mich an. Ihre Augen waren grün, fast durchdringend. „Ich hab nur nachgedacht.“

„Worüber?“
„Über uns. Darüber, dass wir zu brav geworden sind.“
Ich musste lachen. „Brav? Wir hatten letzte Woche Sex in deiner Küche, während deine Mitbewohnerin drei Meter weiter auf der Couch saß.“
„Genau. Immer nur drinnen. Immer nur sicher.“ Sie lehnte sich zurück. „Ich will was anderes.“
Ich fuhr los, Richtung Landstraße. Der Himmel war grau, aber es regnete nicht. Perfektes Pilzwetter. „Was denn?“
„Du wirst schon sehen.“
Die Fahrt dauerte zwanzig Minuten. Riona sprach kaum, starrte nur aus dem Fenster. Ihre Hand lag auf meinem Oberschenkel, ganz leicht, aber ich spürte die Wärme durch den Stoff meiner Jeans. Als wir den Parkplatz erreichten, war er fast leer – nur ein älteres Paar packte gerade seine Wanderstöcke zusammen.
Wir stiegen aus, nahmen den Korb und gingen los. Der Wald roch nach feuchter Erde und Moos, die Blätter verfärbten sich schon, golden und rot. Es war still, nur das Rascheln unserer Schritte durchbrach die Ruhe.
„Dahinten“, sagte Riona nach ein paar Minuten und zeigte auf einen schmalen Pfad, der vom Hauptweg abzweigte.
„Da sind keine Pilze.“
„Weiß ich.“ Sie lächelte, zum ersten Mal seit wir losgefahren waren. „Komm einfach mit.“
Ich folgte ihr. Der Pfad führte tiefer ins Unterholz, wurde schmaler, die Bäume dichter. Nach einigen Minuten blieb sie stehen. Wir waren von Büschen umgeben, hohes Farnkraut, kein Weg mehr zu sehen. Sie stellte den Korb ab und drehte sich zu mir um.

„Hier ist es gut“, sagte sie.
„Für was?“
Sie trat näher, ihre Hände glitten unter meinen Pullover. Ihre Finger waren kühl, aber ihr Blick war Feuer. „Für das, was ich will.“
Ich spürte, wie mein Puls schneller wurde. „Hier? Mitten im Wald?“
„Genau hier.“ Sie küsste mich, fordernd, ihre Zunge drängte sich in meinen Mund. Ich schmeckte Minze, vielleicht von einem Kaugummi. Ihre Hände wanderten tiefer, öffneten meinen Gürtel. „Ich hab den ganzen Morgen daran gedacht. Wie du mich anfasst. Wie du mich nimmst. Nicht in einem Bett. Nicht in einer Wohnung. Hier draußen.“
Meine Hose rutschte nach unten. Riona drückte mich gegen einen Baum, die Rinde rau an meinem Rücken. Ihre Hand schloss sich um mich, fest, zielstrebig. Ich stöhnte, konnte nicht anders.
„Bist du schon hart?“ Sie grinste. „Gut. Dann dauert es nicht lange.“
Sie ließ mich los, zog ihre eigene Hose aus. Darunter trug sie nichts. Ich schluckte. Riona war schlank, aber ihre Hüften waren breit genug, dass ich sie immer festhalten wollte. Sie bückte sich, nahm eine Decke aus dem Korb – sie hatte also geplant.
„Du hast mich reingelegt“, sagte ich.
„Jep.“ Sie breitete die Decke auf dem Waldboden aus, kniete sich darauf. „Und jetzt kommst du her.“
Ich gehorchte. Meine Knie versanken im Laub neben der Decke, die Erde nachgiebig und feucht. Riona drehte sich um, ging auf alle Viere, schaute über ihre Schulter zurück.

„Du weißt, was ich will.“
Ich wusste es. Meine Hände glitten über ihre Hüften, ihre Haut kühl von der Herbstluft. Ich beugte mich vor, küsste ihren Rücken, ihre Wirbelsäule entlang nach unten. Sie zitterte leicht, aber nicht vor Kälte.
„Nicht rumtrödeln“, flüsterte sie. „Ich brauche dich. Jetzt.“
Ich positionierte mich hinter ihr, spürte ihre Wärme. Als ich in sie eindrang, keuchte sie auf, die Finger in die Decke gekrallt. Es war ein intensives Gefühl, hier draußen, umgeben von Stille und der Weite des Waldes. Anders als in einem Bett, anders als zwischen Regalen oder in der Enge einer Wohnung. Hier war alles größer, roher.
„Fester“, sagte Riona. Ihre Stimme war ein Flüstern, aber es klang wie ein Befehl.
Ich zog sie näher zu mir, meine Hände fest um ihre Hüften. Jeder Stoß ein bisschen tiefer, ein bisschen intensiver. Sie stöhnte leise, presste ihr Gesicht in die Decke. Ich spürte, wie sich ihr Körper anspannte, wie sie sich mir entgegendrängte.
„Ja, genau so…“
Meine Finger wanderten nach vorne, fanden die Stelle, die sie am liebsten hatte. Sie zuckte zusammen, keuchte.
„Nicht aufhören“, flüsterte sie. „Verdammt, hör nicht auf.“
Ich hörte nicht auf. Meine Bewegungen wurden schneller, ihr Atem lauter. Der Wald um uns herum verschwamm, es gab nur noch sie, ihre Wärme, ihre Forderungen. Irgendwo in der Ferne hörte ich Vögel, aber es war egal. Nichts war wichtig außer diesem Moment.
Riona kam zuerst, ihr ganzer Körper bebte, ihre Stimme brach. Sie versuchte, leise zu bleiben, aber es gelang ihr nicht ganz. Ich folgte kurz darauf, eine Welle, die mich überrollte. Meine Hände hielten sie fest, als würde ich sonst den Halt verlieren.
Wir blieben eine Weile so, atmeten schwer. Dann ließ ich mich neben sie sinken, auf die Decke, die mittlerweile voller Laubblätter war. Riona drehte sich zu mir, ihr Gesicht gerötet, ihre Augen glänzend.
„Das war…“, begann ich.
„Besser als die Küche“, sagte sie und grinste.

„Definitiv.“
Sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter. „Ich will mehr davon. Nicht immer, aber… öfter. Andere Orte. Überraschungen.“
„Ich bin dabei.“ Ich strich ihr durchs Haar. „Solange wir nicht erwischt werden.“
„Wo bleibt da der Spaß?“ Sie lachte leise. „Außerdem würde das gut zu unseren anderen Abenteuern passen.“
Wir zogen uns wieder an, packten die Decke zusammen. Der Korb stand immer noch leer da, keine Pilze gesammelt. Riona hob ihn auf, schaute hinein.
„Na ja, für Steinpilze ist es sowieso zu spät in der Saison.“
„Das hättest du mir auch vorher sagen können.“
„Dann wärst du nicht mitgekommen.“
Sie hatte recht. Wir gingen zurück zum Hauptweg, langsam, ohne Eile. Die Luft war kühler geworden, der Himmel dunkler. Es würde bald regnen.
Als wir fast beim Parkplatz waren, blieb Riona stehen. „Da drüben“, sagte sie und zeigte auf eine Gruppe von Bäumen. „Das nächste Mal nehmen wir die Stelle.“
„Das nächste Mal?“
„Klar. Vielleicht im Winter. Mit Schnee.“ Ihre Augen funkelten. „Stell dir das vor.“
Ich stellte es mir vor. Und ich musste zugeben – die Vorstellung gefiel mir. Wir erreichten das Auto, stiegen ein. Der leere Korb lag zwischen uns auf der Rückbank. Riona nahm meine Hand, hielt sie fest.
„Danke“, sagte sie leise.
„Wofür?“
„Dass du mitgemacht hast. Dass du nicht denkst, ich wäre verrückt.“
„Du bist verrückt“, sagte ich. „Aber genau deswegen mag ich dich.“
Sie lächelte, drückte meine Hand. Wir fuhren zurück in die Stadt, durch den beginnenden Regen. Ich dachte an ihre Worte, an die Idee mit dem Schnee. Vielleicht waren wir wirklich zu brav geworden. Vielleicht brauchten wir genau solche Momente – spontan, intensiv, ein bisschen riskant.
Zu Hause angekommen, duschten wir zusammen. Das Wasser war heiß, der Dampf hüllte uns ein. Riona lehnte sich gegen die Fliesen, ihre Augen geschlossen. Ich wusch ihr den Rücken, die Schultern, den Nacken. Sie seufzte zufrieden.
„Ich liebe Duschen nach solchen Tagen„, murmelte sie. „Alles ist warm und sauber, aber man spürt es noch.“
„Was spürst du?“
„Dich. Den Wald. Die Erde.“ Sie öffnete die Augen, schaute mich an. „Als wäre ein Teil davon noch da.“

Ich verstand, was sie meinte. Es war nicht nur körperlich. Es war etwas Tieferes, etwas, das nachhallte. Wir trockneten uns ab, zogen uns bequeme Sachen an. Riona machte Tee, ich bestellte Essen. Wir aßen auf der Couch, schauten irgendeinen Film, aber ich bekam kaum mit, worum es ging. Meine Gedanken waren noch im Wald, bei Riona, bei dem Gefühl von Freiheit.
Später, als wir im Bett lagen, flüsterte sie: „Hast du Angst gehabt? Dass jemand kommt?“
„Ein bisschen“, gab ich zu. „Aber es hat auch den Reiz ausgemacht.“
„Genau.“ Sie kuschelte sich näher. „Nächstes Mal vielleicht woanders. Irgendwo, wo es noch aufregender ist.“
„Hast du schon Ideen?“
„Vielleicht.“ Ihre Stimme klang verschlafen. „Ich sag es dir, wenn es so weit ist.“
Ich lächelte in der Dunkelheit. Riona und ihre Überraschungen. Ich wusste nie, was als Nächstes kam, und genau das mochte ich an ihr. Sie machte das Leben unberechenbar, intensiv, lebendig.
Am nächsten Morgen wachte ich früh auf. Riona lag noch neben mir, ihr Atem ruhig und gleichmäßig. Ich stand leise auf, ging in die Küche, machte Kaffee. Durch das Fenster sah ich, dass es noch regnete, ein gleichmäßiges Trommeln gegen die Scheiben. Der Wald würde jetzt voller Pfützen sein, die Wege matschig. Aber das machte nichts. Wir würden wiederkommen, irgendwann, wenn Riona es wollte.
Sie kam kurz darauf in die Küche, barfuß, in einem meiner T-Shirts. Ihre Haare waren zerzaust, aber sie sah zufrieden aus.
„Morgen“, murmelte sie.
„Morgen.“ Ich reichte ihr eine Tasse Kaffee. „Gut geschlafen?“
„Sehr gut.“ Sie nippte an der Tasse, schaute mich über den Rand hinweg an. „Weißt du, was mir gerade durch den Kopf geht?“
„Was denn?“
„Dass ich dich mag. Wirklich mag.“ Sie stellte die Tasse ab, kam näher. „Nicht nur für das gestern. Sondern weil du mitgemacht hast. Ohne zu urteilen.“
Ich zog sie an mich. „Das ist doch selbstverständlich.“
„Nein, ist es nicht.“ Ihre Stimme war ernst. „Viele Typen würden denken, ich wäre seltsam. Oder zu fordernd. Aber du… du bist anders.“
Ich küsste sie, sanft diesmal. Kein Druck, keine Eile. Nur wir zwei, in meiner kleinen Küche, während draußen der Regen fiel. Sie erwiderte den Kuss, ihre Arme um meinen Nacken geschlungen. Es war ein ruhiger Moment, aber genauso intensiv wie der im Wald. Nur auf eine andere Art.
Als wir uns lösten, lächelte sie. „Nächstes Wochenende. Ich hab eine Idee.“
„Schon wieder?“
„Immer.“ Sie grinste. „Halt dich bereit.“
Ich hielt mich bereit. Für Riona, für ihre Ideen, für alles, was noch kommen würde. Denn mit ihr wurde es nie langweilig. Nie zu brav. Und genau das war es, was ich brauchte.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.