Ich stehe auf dem Balkon meines Hotelzimmers im siebten Stock und atme die warme Nachtluft ein. Barcelona riecht nach Salz, Freiheit und Möglichkeiten. Unter mir pulsiert die Stadt, aber hier oben ist es still genug, um meine eigenen Gedanken zu hören. Das Weinregal im Minibar war großzügig, und ich habe zwei Flaschen davon geleert. Nicht betrunken, nur enthemmt genug, um ehrlich zu sein. Mit mir selbst. Mit dem Leben.
„Schöner Ausblick.“
Die Stimme kommt vom Nebenbalkon. Ich zucke zusammen, halte mich am Geländer fest. Ein Mann lehnt dort drüben, keine zwei Meter entfernt. Wie zur Hölle habe ich den übersehen?
„Ich dachte, ich wäre allein“, sage ich und merke, wie mein Herz schneller schlägt.
„Bist du nicht.“ Seine Silhouette schält sich aus der Dunkelheit. Dunkle Haare, markantes Gesicht, Anfang vierzig vielleicht. Er trägt nur eine offene Leinenhose, der Oberkörper nackt. „Thjodor. Aber Theo reicht.“
„Mira.“
„Mira.“ Er wiederholt meinen Namen, als würde er ihn auf der Zunge probieren. „Deutscher Akzent?“
„Berliner Akzent“, korrigiere ich und weiß nicht, warum ich das tue. „Du auch?“
„Hamburg. Geschäftsreise. Wobei das Business heute ziemlich beschissen war. Und du?“
„Flucht.“ Das Wort ist raus, bevor ich nachdenken kann. Der Wein. Verdammt.
Er lacht leise. „Ehrlich. Das gefällt mir.“
Stille. Ich sollte reingehen. Sollte die Balkontür schließen, die Vorhänge zuziehen, mich ins Bett legen. Stattdessen bleibe ich stehen, die Hände um das Metallgeländer gekrallt, und spüre seinen Blick auf mir. Ich trage nur einen dünnen Seidenkimono, darunter nichts. Das weiß er nicht. Oder doch?

„Du hast schöne Hände“, sagt er plötzlich.
Ich schaue runter. Meine Finger umklammern das Geländer, die Knöchel weiß. „Danke?“
„Ich frage mich, was sie noch festhalten können.“ Seine Stimme wird tiefer, rauer. Nicht bedrohlich. Nur… intensiv.
Mein Atem stockt. Das hier. Was auch immer das hier ist. Das darf nicht passieren. Ich bin verheiratet. Seit acht Jahren. Wobei, verheiratet ist vielleicht zu viel gesagt. Zusammen wohnend trifft es besser. Nebeneinander her lebend. Aber das geht ihn nichts an.
„Du denkst zu viel“, sagt Theo, als könnte er meine Gedanken lesen.
„Woher willst du das wissen?“
„Deine Schultern. Die sind komplett verspannt.“ Er deutet mit dem Kinn auf mich. „Und du hältst die Luft an.“
Ich atme aus. Schnell. Zu schnell.
„Komm näher ans Geländer“, sagt er. Keine Frage. Ein Befehl.
„Warum sollte ich?“
„Weil du willst.“ Eine Pause. „Weil du schon die ganze Zeit darüber nachdenkst, was passiert, wenn du es tust.“
Er hat recht. Verdammt, er hat so recht, dass es wehtut. Seine Befehle erinnern mich an etwas, das ich lange verdrängt habe – das Bedürfnis, einfach nur zu folgen, ohne nachzudenken.
Ich trete einen Schritt vor. Das Geländer ist kalt unter meinen Handflächen, trotz der warmen Nacht. Jetzt bin ich direkt am Rand, nur noch anderthalb Meter von ihm entfernt. Ich könnte ihn berühren, wenn ich wollte. Wenn ich den Arm ausstrecken würde.
„Gut“, murmelt er. „Jetzt dreh dich um. Mit dem Rücken zu mir.“
„Das ist—“
„Mach es.“
Ich gehorche. Mein Körper bewegt sich, bevor mein Verstand protestieren kann. Ich drehe mich um, stehe jetzt mit dem Rücken zu ihm, die Hände immer noch am Geländer. Die Stadt breitet sich unter mir aus, tausend Lichter, tausend Leben. Niemand schaut hier hoch. Niemand sieht uns.
„Schließ die Augen.“
Ich tue es. Sofort wird alles intensiver. Das Rauschen der Straße. Der Wind auf meiner Haut. Sein Atem – kann ich den wirklich hören, oder bilde ich mir das ein?

„Jetzt stell dir vor, ich stehe direkt hinter dir.“ Seine Stimme ist näher. Hat er sich bewegt? „Meine Hände liegen auf deinen Hüften. Spürst du das?“
Nein. Natürlich nicht. Aber mein Körper reagiert trotzdem. Ein Kribbeln genau dort, wo seine Hände liegen würden.
„Ich ziehe dich ein Stück zurück“, fährt er fort. „Nicht viel. Nur so weit, dass du dich gegen mich lehnst.“
Meine Knie werden weich. Ich presse die Oberschenkel zusammen, merke, wie feucht ich schon bin. Von Worten. Von seiner verdammten Stimme.
„Dein Kimono“, sagt er, „der ist ziemlich dünn, oder?“
„Ja.“
„Würde nicht viel aushalten. Wenn jemand daran zieht.“
Ich schlucke. „Nein.“
„Mach ihn auf.“
Mein Puls hämmert. „Hier? Draußen?“
„Niemand sieht dich. Außer mir. Und ich befehle es dir.“
Meine Finger lösen sich vom Geländer. Zittern. Ich greife nach dem Gürtel des Kimonos, ziehe an der Schleife. Der Stoff fällt auf. Die Nachtluft streicht über meine nackte Haut, über meine Brüste, meinen Bauch, zwischen meine Beine. Ich bin komplett entblößt. Auf einem Hotelbalkon in Barcelona. Vor einem Fremden.
„Lass ihn fallen.“
Der Kimono gleitet von meinen Schultern, landet als seidener Haufen zu meinen Füßen. Jetzt bin ich nackt, nur noch das Geländer vor mir, Theo hinter mir – auf seinem eigenen Balkon, aber trotzdem so verdammt präsent, als würde er mich berühren.
„Wunderschön“, haucht er. „Leg dich vornüber. Über das Geländer.“
Das ist Wahnsinn. Kompletter Wahnsinn. Aber ich tue es. Ich beuge mich vor, lege meinen Oberkörper über das kalte Metall, und mein Hintern streckt sich ihm entgegen. Der Abgrund unter mir. Die Stadt. Die Gefahr, dass jemand hochschaut.
„Spreiz die Beine.“
Ich tue es. Langsam. Meine Schenkel zittern.
„Weiter.“
Ich gehorche. Jetzt bin ich komplett offen. Exponiert. Für ihn.
„Berühr dich“, sagt er, und seine Stimme klingt heiser. „Fass zwischen deine Beine. Ich will hören, wie nass du bist.“
Meine rechte Hand löst sich vom Geländer, wandert nach unten. Ich streiche über mein Schamhaar, dann tiefer, und erschrecke mich selbst. Ich bin durchnässt. Triefend. Ein leises Schmatzen, als meine Finger durch die Nässe gleiten.
„Fuck“, kommt es von ihm. „Das habe ich gehört. Mach weiter.“
Ich kreise über meiner Klitoris, und ein Stöhnen entweicht mir. Zu laut. Viel zu laut. Aber ich kann nicht aufhören. Meine Finger arbeiten schneller, fester.

„Hör auf.“
Ich erstarre. „Was?“
„Hör auf. Ich hab nicht gesagt, dass du kommen darfst.“
Ein frustriertes Wimmern. „Bitte.“
„Nein. Steh auf. Dreh dich zu mir.“
Ich richte mich auf, wacklig auf den Beinen, und drehe mich um. Jetzt stehe ich ihm direkt gegenüber. Nackt. Erregt. Verzweifelt. Er lehnt immer noch an seinem Geländer, aber seine Hose ist aufgeknöpft, und ich sehe die Wölbung darunter. Hart. Groß.
„Steig über das Geländer“, sagt er.
„Das ist—“
„Mach es. Oder ich höre auf.“
Die Drohung wirkt. Ich klettere auf das Geländer, halte mich an der Wand fest. Mein Herz rast. Ein falscher Schritt, und ich stürze. Aber genau das macht es so erregend. Die Gefahr. Die Kontrolle, die ich ihm gebe. Das Tabu, das ich breche.
„Jetzt rüber zu mir.“
Es ist nur ein kleiner Spalt zwischen den Balkonen. Vielleicht dreißig Zentimeter. Aber in sieben Stockwerken Höhe fühlt es sich an wie ein Abgrund. Ich setze einen Fuß auf sein Geländer, ziehe mich rüber. Fast verliere ich das Gleichgewicht, aber dann bin ich drüben, auf seinem Balkon, und er fängt mich auf.
Seine Hände. Endlich. Endlich berührt er mich wirklich. Fest. Besitzergreifend. Er dreht mich herum, drückt mich mit dem Rücken gegen die Wand.
„Du bist gehorsam“, stellt er fest. „Das hätte ich nicht erwartet.“
„Ich auch nicht“, gestehe ich atemlos.
Er lächelt. Dann küsst er mich. Hart. Seine Zunge dringt in meinen Mund, fordert, nimmt. Seine Hand schließt sich um meine Kehle – nicht fest genug, um wehzutun, aber fest genug, um mir zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Meine Knie geben nach, aber er hält mich, drückt mich fester gegen die Wand.

„Sag mir, was du willst“, murmelt er gegen meine Lippen.
„Dich. Fick mich.“
„Höflicher.“
„Bitte. Bitte fick mich.“
Er dreht mich herum, drückt mich vornüber über sein Balkongeländer. Genau die gleiche Position wie eben, nur dass er jetzt wirklich hinter mir steht. Ich höre das Rascheln von Stoff, dann spüre ich ihn. Die Spitze seines Schwanzes an meinem Eingang. Hart. Heiß.
„Du bist so nass“, sagt er anerkennend. „Das wird leicht gehen.“
Er stößt zu. Ein einziger, harter Stoß, und er ist komplett in mir. Ich schreie auf – eine Mischung aus Schmerz und Erleichterung. Er füllt mich komplett aus, dehnt mich. Seine Hände greifen nach meinen Hüften, halten mich fest, und dann beginnt er sich zu bewegen.
Langsam zuerst. Tiefe, kontrollierte Stöße. Jedes Mal zieht er sich fast komplett zurück, nur um dann wieder vorzustoßen. Ich stöhne bei jedem Stoß, klammere mich ans Geländer. Unter mir die Stadt. Menschen, die ihr Leben leben, während ich hier oben von einem Fremden gevögelt werde.
„Schneller“, bettele ich.
„Nein.“ Er lacht leise. „Du bekommst, was ich dir gebe.“
Aber dann beschleunigt er doch. Seine Stöße werden härter, schneller. Seine Finger graben sich in meine Haut, hinterlassen Abdrücke. Das Klatschen unserer Körper hallt durch die Nacht. Jemand muss das hören. Jemand muss wissen, was hier passiert. Aber es ist mir egal.
„Berühr dich“, befiehlt er. „Ich will, dass du kommst, während ich in dir bin.“
Meine Hand wandert nach unten, findet meine Klitoris. Ich reibe in schnellen Kreisen, und sofort baut sich die Spannung auf. Schneller als erwartet. Ich bin so nah.
„Ich komme“, warne ich ihn.
„Dann komm. Komm auf meinen Schwanz.“
Der Orgasmus trifft mich wie eine Welle. Ich schreie, kann mich nicht zurückhalten, und mein ganzer Körper verkrampft sich. Meine Muschi zieht sich um ihn zusammen, pulsiert, und ich höre ihn fluchen.
„Fuck, Mira—“
Er stößt noch zweimal zu, dann kommt auch er. Tief in mir. Ich spüre, wie er zuckt, wie er sich entleert. Seine Finger graben sich so fest in meine Hüften, dass es schmerzt, aber der Schmerz ist gut. Er ist real.
Wir bleiben so stehen. Keuchend. Verschwitzt. Sein Schwanz wird langsam weicher in mir, und ich spüre, wie seine Nässe an meinen Schenkeln herunterläuft. Er zieht sich zurück, und ich fühle mich plötzlich leer.
„Dreh dich um.“
Ich gehorche. Meine Beine zittern so sehr, dass ich mich ans Geländer stützen muss. Er sieht mich an, und in seinen Augen liegt etwas, das ich nicht deuten kann. Zufriedenheit? Oder mehr?
„Du bist eine Entdeckung“, sagt er leise.
Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll. Stattdessen küsse ich ihn. Sanfter diesmal. Und er erwidert den Kuss. Seine Hände liegen auf meinen Wangen, zärtlich jetzt, nicht mehr kontrollierend.

„Bleib“, flüstert er.
„Ich hab ein eigenes Zimmer.“
„Ich weiß. Bleib trotzdem.“
Und ich bleibe. Klettere nicht zurück über das Geländer. Folge ihm stattdessen ins Zimmer, in sein Bett. Wir schlafen nicht. Nicht sofort. Die Nacht ist lang, und er hat noch so viele Befehle für mich. Und ich befolge jeden einzelnen.
Am nächsten Morgen wache ich in seinen Armen auf. Die Sonne scheint durchs Fenster. Barcelona ist wach. Laut. Lebendig. Und ich fühle mich zum ersten Mal seit Jahren auch so. Lebendig.
„Guten Morgen“, murmelt Theo und küsst meine Stirn.
„Morgen.“
„Wann fliegst du zurück?“
„Übermorgen.“
„Dann haben wir noch Zeit.“
Ich lächle. „Für was?“
„Für alles.“ Er grinst, und seine Hand wandert über meinen Bauch nach unten. „Ich hab da noch ein paar Ideen.“
Mein Handy vibriert auf dem Nachttisch. Eine Nachricht von meinem Mann. Ich ignoriere sie. Drehe mich zu Theo und küsse ihn.
„Dann zeig mir deine Ideen“, sage ich.
Und er tut es.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.