Ich wusste schon beim Aufwachen, dass heute einer dieser Tage werden würde. Einer, an dem alles anders läuft, als man es plant. Veit hatte morgens beim Kaffee diese Idee gehabt – spontan raus in die Natur, ein Lagerfeuer, Sterne gucken. „Wie früher“, hatte er gesagt, und ich hatte sofort zugesagt, weil ich genau wusste, dass „wie früher“ bei uns nie bedeutet hat, dass wir nur brav am Feuer sitzen und Würstchen grillen.
Wir waren seit drei Jahren zusammen, und es gab diese unausgesprochene Dynamik zwischen uns. Diese Energie, die sich manchmal tagelang aufstaute und dann in Momenten entlud, in denen man sie am wenigsten erwartete. Oder vielleicht doch genau dann, wenn man sie herbeisehnte.
Gegen siebzehn Uhr waren wir am See. Ein kleiner, fast verlassener Platz, den wir im letzten Sommer entdeckt hatten. Niemand außer uns wusste davon – oder zumindest kam hier nie jemand vorbei. Das Wasser lag glatt und dunkel vor uns, die Bäume rundherum schluckten jeden Laut. Perfekt.

Veit baute das Feuer auf, während ich die Decken ausbreitete und die Kühlbox auspackte. Bier, Käse, Brot. Einfach, aber genau richtig. Er trug nur Jeans und ein altes Shirt, die Ärmel hochgekrempelt, und ich musste ihm länger zusehen, als nötig gewesen wäre. Seine Hände, wie sie das Holz sortierten. Seine Konzentration. Die Art, wie sein Rücken sich bewegte.
„Du starrst“, sagte er, ohne sich umzudrehen.
„Kann sein.“
„Gefällt dir, was du siehst?“
„Immer noch.“
Er lachte leise, und als das Feuer dann brannte, kam er zu mir rüber, setzte sich neben mich und zog mich an sich. Wir tranken Bier, redeten über nichts und alles, und langsam wurde es dunkel. Der Himmel färbte sich erst orange, dann violett, schließlich tiefschwarz mit mehr Sternen, als ich je in der Stadt gesehen hatte.
„Ich hab eine Idee“, sagte Veit irgendwann.
„Oh Gott.“
„Warte ab. Kennst du das Spiel ‚Wahrheit oder Pflicht‘?“
„Sind wir fünfzehn?“
„Nein, aber wir können es interessanter machen.“ Er grinste, und ich wusste sofort, worauf das hinauslief. „Jede Runde setzen wir was ein. Verlierst du, ziehst du was aus. Gewinne ich, darf ich bestimmen, was passiert.“
„Und umgekehrt?“
„Natürlich umgekehrt.“
Ich musterte ihn. Das Feuer warf Schatten auf sein Gesicht, und in seinen Augen lag diese Mischung aus Herausforderung und purem Verlangen, die mich jedes Mal schwach werden ließ. „Du willst also eine Wette?“

„Genau. Bist du dabei?“
Ich trank einen langen Schluck Bier, lehnte mich zurück und sah ihn an. „Okay. Aber du weißt schon, dass ich verdammt gut darin bin, dich zu durchschauen.“
„Das werden wir sehen.“
Die erste Runde gewann ich. Veit musste seine Schuhe ausziehen, was absolut unspektakulär war, aber er tat so, als wäre es die größte Niederlage seines Lebens. Die zweite Runde gewann er, und ich musste meine Jacke ablegen. Dann meine Schuhe. Dann sein Shirt.
Es war ein Spiel, klar, aber mit jeder Runde stieg die Spannung. Das Knistern zwischen uns war fast greifbar. Seine Blicke wurden länger, hungriger. Meine Haut kribbelte unter seiner Aufmerksamkeit.
„Nächste Runde“, sagte er, und seine Stimme war rauer geworden. „Verlierst du, ziehst du dein Shirt aus.“
„Und wenn du verlierst?“
„Die Hose.“
Ich verlor. Natürlich. Ich glaube, er hat geschummelt, aber ich war zu abgelenkt, um es zu beweisen. Langsam zog ich mein Shirt über den Kopf, und seine Augen folgten jeder Bewegung. Der BH, den ich trug, war nichts Besonderes – schwarz, schlicht – aber die Art, wie er mich ansah, ließ mich das vergessen.
„Schön“, murmelte er.
„Konzentrier dich aufs Spiel.“
„Ich bin konzentriert.“

Die nächsten zwei Runden verlor er, und bald saß er nur noch in Boxershorts vor mir. Ich konnte sehen, wie erregt er war, wie sehr ihn das alles anmachte. Und ehrlich gesagt ging es mir genauso. Mein Herz hämmerte, meine Atmung war schneller geworden.
„Noch eine Runde“, sagte er. „Diesmal ohne Ausziehen. Gewinner darf eine Sache verlangen. Alles.“
„Alles?“
„Alles.“
Ich nickte, obwohl mir klar war, dass ich mich damit in seine Hände begab. Aber genau das wollte ich. Diese Spannung, diese Unsicherheit, dieses Gefühl, am Rand von etwas zu stehen, das uns beide verschlingen würde.
Er gewann. Natürlich.
„Komm her“, sagte er leise, und ich gehorchte. Kniete mich vor ihn, zwischen seine Beine, und er legte seine Hand in meinen Nacken, zog mich näher. Küsste mich. Hart, fordernd, als hätte er seit Stunden darauf gewartet. Ich schmeckte Bier und Rauch und ihn, und alles in mir zog sich zusammen.
Seine Hände wanderten über meinen Rücken, öffneten meinen BH, warfen ihn zur Seite. Ich spürte die Wärme des Feuers auf meiner Haut, seine Finger, die über meine Brüste strichen, meine Brustwarzen berührten. Ich keuchte in seinen Mund, und er lächelte gegen meine Lippen.
„Du bist so verdammt schön“, flüsterte er.
„Halt die Klappe und küss mich weiter.“
Er lachte, aber dann wurde es ernst. Seine Hände schoben sich an meine Hüften, zogen mich auf seinen Schoß, und ich spürte ihn durch den Stoff seiner Boxershorts. Hart, heiß, verlangend. Ich rieb mich gegen ihn, und er stöhnte leise, vergrub sein Gesicht an meinem Hals.
„Ich will dich“, murmelte er gegen meine Haut.
„Dann nimm mich.“
Er hob mich hoch, als wäre ich federleicht, legte mich auf die Decke neben dem Feuer. Seine Hände öffneten meine Jeans, zogen sie herunter, zusammen mit meinem Slip. Ich lag nackt vor ihm, und der Blick, mit dem er mich ansah – so voller Begehren, so voller Zärtlichkeit – ließ mich vergessen, wo wir waren. Dass wir draußen waren, unter freiem Himmel, wo theoretisch jemand vorbeikommen könnte. Es war mir egal. Outdoor hatten wir schon einmal gemacht, aber nie so intensiv wie heute.
Er streifte seine Boxershorts ab, und dann war er über mir, zwischen meinen Beinen, seine Hände an meinen Hüften. Er küsste mich wieder, langsamer diesmal, tiefer, und ich spürte, wie er sich an mir rieb, wie sehr er mich wollte.
„Bitte“, flüsterte ich.
„Was bitte?“
„Veit, verdammt.“
Er grinste, aber dann schob er sich in mich, langsam, zentimeterweise, bis er ganz in mir war. Ich keuchte, krallte meine Finger in seine Schultern, und er verharrte einen Moment, gab mir Zeit, mich an ihn zu gewöhnen. Dann begann er sich zu bewegen. Langsam zuerst, fast zärtlich, aber mit jedem Stoß wurde es intensiver, drängender.

Ich schlang meine Beine um seine Hüften, zog ihn tiefer in mich, und er stöhnte meinen Namen. Das Feuer knisterte neben uns, die Sterne leuchteten über uns, und alles, was zählte, war dieses Gefühl, diese Verbindung zwischen uns.
„Ich liebe dich“, murmelte er, und seine Stimme brach fast.
„Ich dich auch.“
Seine Bewegungen wurden schneller, härter, und ich spürte, wie sich alles in mir zusammenzog, wie die Spannung immer höher stieg. Ich kam zuerst, unerwartet und überwältigend, und er folgte mir kurz darauf, vergrub sein Gesicht an meiner Schulter und stöhnte leise.
Wir blieben so liegen, ineinander verschlungen, während unsere Atmung sich beruhigte. Irgendwann rollte er sich neben mich, zog mich an sich, deckte uns mit einer zweiten Decke zu. Das Feuer brannte noch, warf tanzende Schatten auf unsere Haut.
„Das war“, begann ich.
„Ich weiß.“
„Wir sollten öfter Wetten machen.“
Er lachte leise. „Immer wenn du willst.“
Wir lagen da, unter den Sternen, und ich dachte daran, wie sehr ich diese Momente liebte. Diese Augenblicke, in denen es nur uns gab, nichts und niemanden sonst. Keine Regeln, keine Verpflichtungen, nur das, was wir füreinander empfanden.
Später zogen wir uns wieder an, fütterten das Feuer mit neuem Holz und tranken noch ein Bier. Die Nacht war kühl geworden, aber wir lagen eng aneinander, und mir war warm. Veit erzählte irgendeine Geschichte über einen Freund, und ich hörte zu, aber gleichzeitig war ich noch ganz woanders. In diesem Gefühl gefangen, das nur er in mir auslösen konnte.
„Danke“, sagte ich irgendwann.
„Wofür?“
„Für heute. Für alles.“
Er küsste meine Stirn. „Immer.“
Und als ich später in seinen Armen einschlief, das Feuer vor uns, die Sterne über uns, wusste ich, dass ich genau da war, wo ich hingehörte. Bei ihm, in diesem Moment, der sich anfühlte wie eine Ewigkeit. Es war wie eine Szene aus einem Film – romantisch, leidenschaftlich, unvergesslich. Romantische Momente wie diese machten unsere Beziehung aus.

Am nächsten Morgen wachten wir auf, als die Sonne gerade über den Bäumen aufging. Das Feuer war erloschen, aber zwischen uns glühte noch immer etwas, das nie ausgehen würde.
„Noch eine Wette?“, fragte er grinsend.
Ich schlug ihm spielerisch auf die Brust. „Du bist unmöglich.“
„Aber du liebst mich trotzdem.“
„Leider ja.“
Wir packten unsere Sachen zusammen, löschten die letzten Glutresten und machten uns auf den Weg zurück. Aber ich wusste, dass wir wiederkommen würden. An diesen Ort, zu diesem Gefühl. Immer wieder. Denn manche Dinge vergisst man nicht – besonders nicht, wenn sie unter Sternen passieren.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.