Ich hab ihre Sandburg zerstört, ohne es zu wollen. Einfach so, mit meinem Fuß, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, aufs Meer zu starren und nicht auf den Sand unter mir. Die Burg war ziemlich beeindruckend gewesen, mit Türmen und allem — bis ich drübergelatscht bin.
„Hey!“ Ihre Stimme war hell, aber nicht wütend. Eher amüsiert.
Ich wirbelte herum. Sie kniete im Sand, die Hände noch voller feuchter Körner, und lachte. Nicht das höfliche Lachen, das man Fremden schenkt. Ein echtes Lachen, das ihren ganzen Körper erfasste.
„Scheiße, tut mir leid.“ Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht stieg — und das lag nicht an der griechischen Sonne.
„Schon okay.“ Sie stand auf, klopfte sich den Sand von den Knien. Ihr Bikini war türkis, ihre Haut gebräunt, ihre Haare zu einem unordentlichen Knoten gebunden. Einzelne Strähnen klebten an ihrer Schläfe. „War eh nur zum Zeitvertreib. Hab hier drei Tage allein verbracht und allmählich werd ich ein bisschen verrückt.“

„Allein?“ Ich hörte die Überraschung in meiner eigenen Stimme.
„Meine Freundin hat mich sitzen lassen. Zehn Tage vor dem Urlaub.“ Sie zuckte die Schultern, aber in ihren Augen lag etwas anderes. „Sie hat sich in jemand anderen verliebt. Passiert halt.“
„Das ist… beschissen.“
„Ja.“ Sie sah mich an, wirklich an, und ein Lächeln spielte um ihre Lippen. „Aber vielleicht ist beschissen ja genau das, was ich gebraucht hab. Ich heiße übrigens Mareen.“
„Jette.“ Ich streckte ihr die Hand hin, fühlte mich sofort albern, aber sie ergriff sie trotzdem. Ihre Finger waren warm und sandig.
„Willst du was trinken, Jette? Als Wiedergutmachung für meine zerstörte Architektur?“
Ich sollte Nein sagen. Ich war hier, um meinen Kopf freizubekommen, um über Dinge nachzudenken, die ich zuhause nicht durchdacht hatte. Aber stattdessen nickte ich.
Ihre Ferienwohnung war klein, weiß getüncht, mit blauen Fensterrahmen und einem Balkon, von dem aus man das Meer sehen konnte. Sie mixte uns irgendwas mit Ouzo und Zitrone, das zu süß und zu stark war, aber nach dem dritten Schluck schmeckte es perfekt.
„Warum bist du hier?“ fragte sie, während wir auf dem Balkon saßen, die Füße auf dem Geländer.
„Auch wegen einer Frau.“ Die Worte kamen raus, bevor ich darüber nachdenken konnte. „Sie wollte… mehr. Ich wollte nichts. Oder ich wusste nicht, was ich wollte. Jedenfalls hab ich’s vermasselt.“
„Klingt kompliziert.“
„Ist es auch.“ Ich nippte an meinem Drink. „Ich bin nicht gut darin, Dinge zu fühlen. Oder sie zuzugeben.“
Mareen lehnte sich zurück, ihr Blick wanderte über den Horizont. „Weißt du, was ich gelernt hab in den letzten drei Tagen? Dass es manchmal einfacher ist, mit Fremden ehrlich zu sein. Weil sie dich nachher nicht mehr sehen müssen.“
„Das ist ziemlich zynisch.“
„Oder realistisch.“ Sie drehte sich zu mir, ihr Gesicht jetzt näher als vorhin. „Was wärst du denn lieber? Ehrlich oder höflich?“
Ich schluckte. „Kommt drauf an.“
„Worauf?“
„Auf die Frage.“
Sie lachte wieder, dieses Lachen, das mich schon am Strand erwischt hatte. „Okay, dann frag ich dich was Einfaches: Findest du mich attraktiv?“

Mein Herz machte einen Satz. „Ja.“
„Gut.“ Sie stellte ihr Glas ab. „Dann komm mit.“
Wir gingen zurück zum Strand, aber diesmal nicht zu dem überfüllten Teil mit den Liegestühlen und Familien. Sie führte mich zu einem Abschnitt, wo nur ein paar vereinzelte Paare lagen und die Sonne langsam unterging. Am Ende des Strandes stand eine Dusche — eine von diesen einfachen Strandbrausen, die aussahen wie ein Metallrohr mit einem Hebel.
„Ich dusch hier jeden Tag,“ sagte Mareen. „Nach dem Schwimmen. Den Sand abwaschen und so.“
„Okay?“
„Heute duschst du mit mir.“
Es war keine Frage. Mein Puls beschleunigte sich.
Sie betätigte den Hebel, und Wasser schoss heraus, kalt und schockierend. Mareen stellte sich darunter, warf den Kopf zurück, schloss die Augen. Das Wasser lief über ihren Körper, machte ihre Haut glänzend. Ich stand da wie festgefroren.
„Komm schon,“ sagte sie, ohne die Augen zu öffnen. „Hab keine Angst.“
Ich trat unter die Dusche. Das kalte Wasser traf mich wie ein Schlag, ließ mich nach Luft schnappen. Mareen lachte, und dann waren ihre Hände auf meinen Schultern, drehten mich herum, sodass der Wasserstrahl meinen Rücken traf.
„Besser?“ Ihre Stimme war leise, nah an meinem Ohr.
Ich nickte, nicht fähig zu sprechen.
Ihre Finger glitten über meine Arme, strichen den Sand weg, aber sie blieben länger, als nötig gewesen wäre. Ich spürte ihre Berührung durch das Wasser hindurch, jede Bewegung präzise und absichtlich.
„Du zitterst,“ flüsterte sie.
„Das Wasser ist kalt.“
„Lügner.“
Sie drehte mich wieder um, sodass wir uns gegenüberstanden, das Wasser jetzt zwischen uns. Ihre Augen waren dunkel, ihre Lippen leicht geöffnet. Ich konnte ihren Atem spüren, warm im Kontrast zur Dusche.
„Ich küsse dich jetzt,“ sagte sie. „Außer du sagst Nein.“

Ich sagte nichts.
Ihr Mund war weich und fordernd zugleich, ihre Lippen schmeckten nach Salz und Ouzo. Das Wasser prasselte auf uns herab, aber ich merkte es kaum noch. Ihre Hände wanderten in meinen Nacken, zogen mich näher, und ich öffnete meine Lippen, ließ ihre Zunge hinein.
Alles an ihr war intensiv — die Art, wie sie mich hielt, wie sie küsste, als wäre es das Wichtigste auf der Welt. Meine eigenen Hände fanden ihren Rücken, spürten die Muskeln unter ihrer nassen Haut, die Kurve ihrer Hüfte.
„Wir sollten…“ Ich versuchte zu denken, aber ihre Lippen wanderten zu meinem Hals, und jeder klare Gedanke löste sich auf.
„Sollten was?“ Sie biss leicht in meine Schulter, und ich stöhnte, lauter als beabsichtigt.
„Nicht hier.“
„Warum nicht?“ Ihre Hand glitt zwischen uns, strich über meinen Bauch, spielte mit dem Bund meines Bikinihöschens. „Es ist fast dunkel. Niemand sieht uns.“
Sie hatte Recht. Der Strand war fast leer, nur ein paar Schatten in der Ferne, und die Dunkelheit kroch über den Sand. Das Wasser der Dusche umhüllte uns wie ein Vorhang.
„Okay,“ flüsterte ich.
Ihr Lächeln war triumphierend. Sie schob mich zurück gegen die kalte Metallstange der Dusche, ihr Körper presste sich gegen meinen. Ihre Lippen fanden wieder meinen Hals, meine Schulter, wanderten tiefer. Ihre Finger öffneten mein Bikinitop mit einer Geschicklichkeit, die mich überraschte.

„Schön,“ murmelte sie, und dann waren ihre Lippen auf meiner Brust, ihre Zunge umkreiste meine Brustwarze, während ihre Hände meine Hüften hielten.
Ich klammerte mich an die Duschstange, mein Kopf fiel zurück. Jede Berührung fühlte sich elektrisch an, verstärkt durch das kalte Wasser und die warme Luft um uns herum. Das war nichts wie die zaghaften, überlegten Momente mit Frauen, die ich zuhause erlebt hatte. Das hier war roh und ehrlich.
Mareen kniete sich vor mir in den nassen Sand, ihre Finger hakten sich in mein Bikinihöschen. Sie sah zu mir hoch, eine stille Frage in ihren Augen.
„Ja,“ sagte ich, atemlos.
Sie zog den Stoff herunter, ließ ihn im Sand fallen. Das Wasser lief jetzt über meinen nackten Körper, und ich fühlte mich völlig bloßgestellt und gleichzeitig freier als jemals zuvor.
Ihre Zunge fand mich, sanft erst, dann fordernder. Ich keuchte, meine Finger verkrampften sich um die Metallstange. Die Kombination aus der kühlen Dusche und der Hitze ihres Mundes war überwältigend. Sie wusste genau, was sie tat — jede Bewegung war präzise, jede Berührung brachte mich näher an den Rand.
„Mareen…“ Ihr Name kam als Stöhnen über meine Lippen.
Sie schaute nicht hoch, ließ nicht nach. Ihre Hände griffen um meine Oberschenkel, hielten mich fest, während ihre Zunge unerbittlich weiterarbeitete. Ich spürte, wie sich alles in mir zusammenzog, wie die Welt um mich herum verschwamm.
Und dann brach ich. Der Orgasmus rollte durch mich hindurch, ließ meine Knie nachgeben. Nur Mareens fester Griff und die Duschstange hielten mich aufrecht. Ich kam laut, vergaß völlig, wo wir waren.
Als ich wieder atmen konnte, stand Mareen auf, küsste mich erneut. Ich schmeckte mich selbst auf ihren Lippen.
„Du bist laut,“ flüsterte sie amüsiert.
„Du bist gut,“ keuchte ich zurück.
„Ich weiß.“
Wir duschten noch eine Weile, wuschen uns gegenseitig den Sand ab, diesmal langsamer, zärtlicher. Meine Hände erkundeten ihren Körper unter dem Wasser, und ich spürte, wie sie unter meinen Berührungen zitterte.
„Kommst du mit zu mir?“ fragte ich schließlich.
„Dachtest du, ich lass dich jetzt einfach gehen?“
Wir stolperten zurück zu meinem Hotel, halb nass, halb lachend, unsere Körper noch elektrisiert. In meinem Zimmer dauerte es keine Minute, bis wir wieder übereinander waren. Diesmal war ich diejenige, die die Kontrolle übernahm, die sie aufs Bett drückte, die ihre Schenkel spreizte und sie schmeckte.
Sie kam mit meinem Namen auf den Lippen, ihre Finger in meinen Haaren vergraben. Und danach lagen wir nebeneinander, verschwitzt und atemlos, das Fenster offen, sodass die Meeresluft hereinkam.

„Das war…“ Ich suchte nach Worten.
„Ehrlich,“ sagte Mareen.
„Ja. Ehrlich.“
Sie drehte sich zu mir, strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Weißt du, was noch ehrlich wäre?“
„Was?“
„Wenn du die nächsten Tage hier bei mir bleiben würdest. Bei mir. Keine Erwartungen, keine Versprechen. Nur… das hier.“
Ich hätte Nein sagen sollen. Vernünftig sein, mir überlegen, was ich wollte, was das bedeutete. Aber als ich in ihre Augen sah, noch dunkel vor Verlangen, und an ihr Lachen unter der Dusche dachte, an die Art, wie sie mich geküsst hatte, als wäre nichts anderes wichtig — da wusste ich, dass die Antwort nur eine sein konnte.
„Okay,“ flüsterte ich. „Okay.“
Sie lächelte, zog mich in einen weiteren Kuss, der langsam und tief und voller Versprechen war, die zwischen uns noch nicht ausgesprochen werden mussten. Draußen rauschte das Meer, und irgendwo am Strand stand noch die Dusche, unter der alles begonnen hatte.
Und ich dachte, während Mareens Hand wieder über meinen Körper wanderte, dass manche Dinge man nicht planen konnte. Manche Dinge passierten einfach — wild und unerwartet und genau richtig. Wie eine zerstörte Sandburg. Wie ein Lachen. Wie der Geschmack von Salzwasser und Begehren.
In dieser Nacht schliefen wir kaum. Wir erkundeten einander immer wieder, als hätten wir Angst, dass der Morgen alles verschwinden lassen würde. Aber als die Sonne aufging und durch die Vorhänge schien, lag Mareen immer noch neben mir, ihr Gesicht entspannt im Schlaf, eine Hand auf meinem Bauch.
Ich wusste nicht, was die nächsten Tage bringen würden. Ob das hier nur ein Urlaubsabenteuer zwischen den Dünen war oder der Anfang von etwas, das weitergehen könnte. Aber zum ersten Mal seit langem machte mir das nichts aus.
Zum ersten Mal war ich einfach ehrlich. Mit mir. Mit ihr. Und das fühlte sich wie Freiheit an.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.