„Du bist dir sicher?“ Marisas Stimme klang leise, fast zögerlich, aber ihre Augen funkelten aufgeregt im gedämpften Licht der Hotelbar.
Ich nickte und legte meine Hand auf ihre. „Wir haben darüber gesprochen. Seit Monaten. Jetzt sind wir hier.“ Mein Herz hämmerte wie verrückt. Die ganze Fahrt hierher hatte ich mir eingeredet, dass ich bereit war. Dass wir beide bereit waren. Aber jetzt, wo wir tatsächlich an diesem Punkt standen, fühlte sich alles unwirklich an.
Der Mann an der Bar – Damien hatte er sich vorgestellt – beobachtete uns mit einem wissenden Lächeln. Er war vielleicht Anfang vierzig, gepflegt, selbstsicher auf diese Art, die bei manchen Männern arrogant wirkt, bei ihm aber irgendwie passte. Marisas Blick wanderte wieder zu ihm, und ich sah, wie sie die Unterlippe zwischen die Zähne nahm. Diese kleine Geste kannte ich. Sie war nervös. Und wahnsinnig erregt.
„Noch einen Champagner?“ Damien war plötzlich bei uns, stellte die Flasche auf den Tisch. Ohne auf eine Antwort zu warten, schenkte er nach. „Ihr seid zum ersten Mal hier, stimmt’s?“
„So offensichtlich?“ Marisa lachte – dieses nervöse Kichern, das sie hatte, wenn sie nicht wusste, wohin mit ihrer Energie.
„Charmant offensichtlich.“ Damien setzte sich ungefragt neben sie. Seine Hand lag plötzlich auf ihrer Schulter, ganz leicht, fast beiläufig. Ich spürte einen Stich in der Magengrube. Eifersucht? Erregung? Beides vermischte sich zu etwas, das ich nicht benennen konnte.

„Julian hat zugeschaut, wie ich mir Männer ausgesucht habe“, sagte Marisa unvermittelt. Ihre Wangen röteten sich. „Online. In Foren. Wir haben uns gemeinsam die Profile angesehen.“
„Und dabei miteinander geschlafen?“ Damiens Stimme war tief, fast hypnotisch.
„Ja.“ Marisas Antwort war kaum mehr als ein Flüstern.
„Dann wird es Zeit für die Realität, würde ich sagen.“ Er stand auf und streckte Marisa die Hand entgegen. „Zimmer 407. Kommt, wenn ihr soweit seid. Oder geht nach Hause. Eure Entscheidung.“
Als er weg war, starrten Marisa und ich uns an. Die Bar um uns herum verschwamm. Es gab nur noch uns zwei und diese eine Frage, die unausgesprochen zwischen uns schwebte.
„Ich will das“, sagte sie schließlich. „Ich will es wirklich. Aber nur, wenn du—“
„Ich will es auch.“ Die Worte kamen automatisch. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, ob das stimmte. Aber ich wusste, dass ich sie nicht enttäuschen wollte. Dass ich sehen wollte, wie sie sich hingab. Dass mich der Gedanke daran wahnsinnig machte, seit wir zum ersten Mal darüber gesprochen hatten. Es erinnerte mich an jene Abende, an denen Marisa mir von ihren Fantasien erzählt hatte, und ich jedes Wort aufgesogen hatte.
Wir zahlten. Nahmen den Aufzug. Meine Hand zitterte, als ich auf den Knopf für den vierten Stock drückte.
Die Tür zu 407 stand einen Spalt offen. Marisa sah mich an, ein letztes Mal fragend, und als ich nickte, drückte sie die Tür auf.

Damien stand am Fenster, das Hemd schon halb geöffnet. Das Zimmer war größer als unseres – eine Suite mit Blick über die beleuchtete Innenstadt. Aber ich sah kaum etwas davon. Meine Augen fixierten sich auf Marisa, die langsam näher trat.
„Julian, setz dich.“ Damien deutete auf den Sessel in der Ecke. Es war kein Vorschlag, sondern eine Anweisung. Zu meiner eigenen Überraschung gehorchte ich.
Damien zog Marisa zu sich. Seine Hände lagen auf ihrer Hüfte, und ich sah, wie sie sich an ihn lehnte. Kein Zögern mehr. Als er sie küsste, schloss sie die Augen. Ihre Hände griffen in sein Haar, und ein leises Stöhnen entwich ihrem Mund.
Mein Puls raste. Ich saß auf diesem verdammten Sessel und konnte nicht wegschauen. Wollte nicht wegschauen. Jede Berührung, jede Bewegung fühlte sich an, als würde sie direkt durch mich hindurchfließen.
Damien schob Marisas Kleid über ihre Schultern. Es rutschte zu Boden, und sie stand nur noch in Unterwäsche vor ihm. Schwarze Spitze – die hatte sie extra gekauft. Für heute. Für ihn.

„Schön“, murmelte Damien. Seine Hände glitten über ihren Rücken, öffneten den BH mit einer geübten Bewegung. Marisa atmete schwer. Ich kannte diesen Blick. Sie war längst nicht mehr hier im Kopf, sondern nur noch in ihrem Körper.
Er führte sie zum Bett, und sie ließ sich rückwärts fallen. Damien kniete sich zwischen ihre Beine, küsste ihren Bauch, ihre Brüste. Marisa wölbte sich ihm entgegen, ihre Finger krallten sich in die Bettdecke.
„Julian.“ Ihre Stimme riss mich aus meiner Trance. „Bleib bei mir. Schau mir zu.“
Ich nickte stumm. Meine Kehle war wie zugeschnürt.
Damien zog ihr den Slip aus, langsam, fast theatralisch. Dann spreizte er ihre Schenkel und senkte den Kopf. Marisas Rücken bog sich durch, ein lautes Stöhnen füllte den Raum. Ich konnte sehen, wie seine Zunge arbeitete, wie Marisa sich wand, wie ihre Hand nach hinten griff und sich in seinem Haar verfing.
„Oh Gott, ja…“ Ihre Stimme war heiser, verzweifelt. Ich kannte diese Töne, hatte sie tausendmal gehört. Aber jetzt, aus dieser Distanz, klangen sie fremd. Intensiver. Roher.
Damien richtete sich auf, öffnete seine Hose. Marisa beobachtete ihn mit halb geschlossenen Augen, ihre Brust hob und senkte sich hastig. Als er in sie eindrang, schrie sie auf. Nicht vor Schmerz – vor Lust. Die Art, wie sie die Beine um ihn schlang, wie sie sich ihm entgegenwarf, ließ mich gleichzeitig frieren und glühen.
„Ist das okay?“ Damien sah zu mir herüber, ohne den Rhythmus zu unterbrechen.
„Ja.“ Mehr brachte ich nicht heraus.
Marisa drehte den Kopf zu mir. Unsere Blicke trafen sich, und für einen Moment war es, als wären wir allein im Raum. Als würde nur sie und ich existieren. „Ich liebe dich“, formte sie lautlos mit den Lippen.
Etwas in mir zerbrach und heilte gleichzeitig. Ich stand auf, ging zum Bett. Meine Hand fand ihre, und sie hielt sie fest, während Damien sie weiter nahm. Schneller jetzt, härter.
„Ich will… ich komme gleich…“ Marisa keuchte, ihre Finger gruben sich in meine Hand. Ich beugte mich zu ihr hinunter, küsste sie, und sie explodierte förmlich. Ihr ganzer Körper bebte, sie schrie in meinen Mund hinein, und Damien hielt erst inne, als sie erschöpft zusammensank.
„Deine Frau ist unglaublich“, sagte er zu mir, während er sich zurücklehnte. Es klang respektvoll, nicht überheblich. Irgendwie machte mich das alles nur noch surrealer.
Marisa zog mich aufs Bett, küsste mich stürmisch. „Du“, flüsterte sie. „Jetzt du.“ Ihre Hände waren schon an meinem Gürtel, und ich ließ es geschehen. Damien beobachtete uns amüsiert, dann erhob er sich.
„Ich lass euch allein. War schön, euch kennenzulernen.“ Er zog sich an, so selbstverständlich, als wäre das alles völlig normal. Vielleicht war es das auch. Für manche Menschen war so ein Erlebnis vermutlich Alltag.
Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, lagen Marisa und ich eng umschlungen da. Sie war schweißnass, ihr Haar klebte an den Schläfen. Sie sah mich an mit einer Mischung aus Scham und Triumph.
„Bereust du es?“ fragte sie leise.
„Nein.“ Ich küsste ihre Stirn. „Nein, verdammt. Ich will dich.“
Sie lächelte, dieses wissende Lächeln, das ich so liebte. Dann zog sie mich über sich, und diesmal waren wir ganz für uns. Ihre Haut noch warm vom fremden Mann, ihr Körper weich und bereit. Als ich in sie eindrang, fühlte es sich anders an. Intimer. Als hätte diese Nacht uns eine neue Tür geöffnet, durch die wir gemeinsam gegangen waren.
Später, im Dunkeln, lagen wir stumm nebeneinander. Die Stadt glitzerte durch das Fenster, und irgendwo in der Ferne heulte eine Sirene.
„Julian?“
„Hm?“
„Das war erst der Anfang, oder?“ Ihre Stimme klang verschlafen, aber auch neugierig.
Ich dachte an Damiens Hände auf ihrer Haut, an ihr Stöhnen, an den Blick, den sie mir zugeworfen hatte. An das Gefühl, Zeuge von etwas zu sein, das mir gleichzeitig das Herz zerriss und wahnsinnig erregte. Die ganze Situation hatte etwas von jenen Momenten, in denen man die Kontrolle abgibt und genau dadurch alles gewinnt.
„Ja“, sagte ich schließlich. „Ich glaube schon.“
Marisa kuschelte sich an mich, und ich spürte ihr Lächeln an meiner Brust. Draußen ging die Nacht weiter, aber für uns hatte gerade etwas Neues begonnen. Etwas Fremdes. Etwas Gefährliches.

Etwas, von dem ich nicht wusste, ob es uns näher zusammenbringen oder auseinanderreißen würde.
Aber in diesem Moment, mit Marisas warmem Körper an meinem, mit dem Geruch von Sex und Champagner in der Luft, war mir das egal. Wir hatten die Grenze überschritten. Und es gab kein Zurück mehr.
Am nächsten Morgen fanden wir eine Nachricht unter der Tür. Eine Handynummer und ein Name: Elena. Darunter nur ein Satz: „Wenn ihr mehr wollt – wir sind heute Abend in der Lounge im Untergeschoss.“
Marisa hielt den Zettel in der Hand und sah mich fragend an. Ich küsste sie, langsam und intensiv. Meine Antwort.
Manchmal braucht man keine Worte. Manchmal reicht ein Blick, ein Kuss, ein stummes Versprechen für den kommenden Abend.
Und manchmal weiß man, dass eine einzige Nacht alles verändert hat. Für immer.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.