Der Schlüssel lag schwer in meiner Handtasche, während ich vor Henriks Tür stand. Ich hätte ihn nie annehmen sollen – nicht von ihm, nicht als Kollegin, nicht mit dieser stillen Abmachung zwischen uns, die wir beide nie laut ausgesprochen hatten.
„Falls du mal deine Unterlagen vergisst“, hatte er vor zwei Wochen gesagt und mir den Schlüssel über den Schreibtisch geschoben. „Ich bin ja meistens bis neun im Büro.“
Aber heute war er nicht im Büro. Heute hatte er mir eine Nachricht geschickt: „Bin krank zuhause. Brauchst du die Akten?“ Und ich hatte geantwortet: „Ja, dringend. Stört es dich, wenn ich vorbeikomme?“
Seine Antwort kam schnell: „Schlüssel hast du ja.“
Jetzt stand ich hier, in diesem stillen Treppenhaus mit seinen cremefarbenen Wänden, und spürte, wie mein Herz schneller schlug. Es war Donnerstagabend, kurz nach acht. Draußen war es schon dunkel.

Ich steckte den Schlüssel ins Schloss.
Die Wohnung roch nach ihm – nach diesem herben Aftershave, das ich jeden Morgen im Büro wahrnahm, wenn er an meinem Schreibtisch vorbeiging. Gedämpftes Licht kam aus dem Wohnzimmer. Ich zog meine Pumps aus, stellte sie ordentlich neben die Tür.
„Henrik?“, rief ich leise.
„Hier drin.“
Seine Stimme klang rau, müde. Ich folgte ihr durch den schmalen Flur. Das Wohnzimmer war größer, als ich erwartet hatte – hohe Decken, dunkelgrüne Wände, ein Ledersofa, auf dem er lag. Er trug nur eine graue Jogginghose. Sein Oberkörper war nackt, und ich konnte sehen, wie sich seine Brust hob und senkte.
„Tut mir leid“, sagte er und richtete sich ein wenig auf. „Ich wollte nicht, dass du mich so siehst.“
„Schon okay.“ Meine Stimme klang merkwürdig dünn. „Wo sind die Unterlagen?“
Er deutete auf den Couchtisch. „Da drüben. Die blaue Mappe.“
Ich ging hinüber, nahm die Mappe – aber ich öffnete sie nicht. Stattdessen blieb ich stehen, den Blick auf ihn gerichtet. Er sah nicht krank aus. Er sah… verwundbar aus. Anders. Henrik aus dem Büro war immer kontrolliert, immer korrekt, immer einen Schritt zu weit weg.
„Geht’s dir wirklich schlecht?“, fragte ich.
Er lächelte schwach. „Kopfschmerzen. Und ich konnte heute einfach nicht mehr.“
Ich setzte mich auf die Kante des Sofas, direkt neben seine Füße. „Brauchst du was? Wasser? Tabletten?“
„Nein.“ Seine Augen ruhten auf mir, dunkel und intensiv. „Aber dass du hier bist… das hilft.“
Mein Atem stockte. Das war keine harmlose Bemerkung mehr. Das war eine Einladung.
„Henrik…“
„Ich weiß.“ Er setzte sich auf, rutschte näher. „Wir sind Kollegen. Es wäre kompliziert. Aber Liv, ich denke schon seit Monaten an nichts anderes mehr als an dich.“
Mein Name aus seinem Mund klang anders als im Büro. Weicher. Begehrlicher.
„Ich auch“, flüsterte ich.
Dann waren seine Lippen auf meinen – vorsichtig zuerst, fragend, als warte er darauf, dass ich zurückweiche. Aber ich tat es nicht. Ich öffnete meinen Mund, ließ seine Zunge hinein, schmeckte ihn. Seine Hand glitt in meinen Nacken, zog mich näher, und ich spürte die Wärme seines Körpers durch meine dünne Bluse.

Wir küssten uns, wie man sich nach langer Sehnsucht küsst – hungrig, fast verzweifelt. Seine andere Hand fand meine Hüfte, zog mich auf seinen Schoß, und ich ließ es geschehen. Ich spürte seine Härte durch die Jogginghose, spürte, wie mein Körper darauf reagierte mit einem tiefen, pulsierenden Verlangen.
„Seit der Geschäftsreise im Frühjahr“, murmelte er zwischen den Küssen, „als du in diesem schwarzen Kleid vor mir standest…“
„Ich weiß“, hauchte ich. „Ich hab’s gemerkt.“
Seine Finger öffneten die Knöpfe meiner Bluse, einen nach dem anderen, bedächtig, als wolle er jeden Moment auskosten. Als der Stoff von meinen Schultern glitt, sah er mich an – wirklich an, nicht wie im Büro, wo wir beide so taten, als gäbe es diese Spannung nicht.
„Du bist so verdammt schön“, sagte er leise.
Ich half ihm, meine Bluse ganz auszuziehen, dann den BH. Seine Hände umfassten meine Brüste, sanft, fast ehrfürchtig. Seine Daumen strichen über meine Brustwarzen, und ich stöhnte auf, überrascht von der Intensität des Gefühls.
„Hier?“, fragte ich atemlos.
„Oder im Schlafzimmer“, antwortete er. „Was willst du?“
„Hier. Jetzt.“
Er lächelte – dieses seltene, echte Lächeln, das ich so selten sah – und küsste meinen Hals, meine Schlüsselbeine, den Weg hinunter zu meinen Brüsten. Seine Zunge umkreiste meine Brustwarze, saugte sanft, und ich krallte meine Finger in seine Schultern.
Meine Hüften bewegten sich gegen ihn, rieben gegen seine Härte, und ich hörte, wie sein Atem schneller wurde. Seine Hände glitten unter meinen Rock, schoben den Stoff nach oben, bis er um meine Taille lag. Er strich über meine Schenkel, über die Spitze meiner Strümpfe, dann höher.
„Du trägst Strapse?“, fragte er ungläubig.
„Manchmal“, flüsterte ich.
„Fuck, Liv.“
Seine Finger fanden den Saum meines Slips, schoben ihn zur Seite. Als er mich berührte – dort, wo ich am feuchtesten war – keuchte ich auf. Er streichelte mich langsam, erkundete mich, fand meinen Kitzler und rieb sanfte Kreise.
„So nass“, murmelte er an meinem Ohr. „Bist du das für mich?“
„Ja“, stöhnte ich. „Nur für dich.“
Er schob einen Finger in mich hinein, dann einen zweiten, und ich bewegte mich gegen seine Hand, suchte mehr Reibung, mehr von diesem süßen Druck. Seine Lippen waren wieder auf meinen, schluckten meine kleinen Laute.
„Ich will dich spüren“, flüsterte ich. „Richtig.“
Er zog seine Hand zurück, und ich vermisste sie sofort. Aber dann hob er mich hoch, legte mich auf das Sofa, zog mir den Rock aus, dann den Slip. Die Strapse und Strümpfe ließ er an. Er stand auf, schob seine Jogginghose herunter, und ich sah ihn – hart, bereit, wunderschön.
Er kniete sich zwischen meine Schenkel, küsste meinen Bauch, meine Hüften. Dann beugte er sich tiefer, und ich spürte seinen Atem an meiner Mitte, kurz bevor seine Zunge mich berührte.
Ich wölbte mich ihm entgegen, meine Finger vergruben sich in seinem Haar. Er leckte mich langsam, genüsslich, als hätte er alle Zeit der Welt. Seine Zunge umkreiste meinen Kitzler, saugte sanft, dann wieder fester. Ich spürte, wie sich die Lust in mir aufbaute, Welle um Welle, und ich wusste, dass ich nicht mehr lange durchhalten konnte.
„Henrik… ich komme gleich…“
„Dann komm“, murmelte er gegen mich.
Und ich tat es – mit einem tiefen, bebenden Stöhnen, das ich nicht unterdrücken konnte. Mein ganzer Körper spannte sich an, dann löste sich alles in pulsierenden Wellen der Lust. Er hielt nicht inne, leckte mich weiter, sanfter jetzt, bis ich mich von dem Höhepunkt erholt hatte.
Dann richtete er sich auf, positionierte sich zwischen meinen Schenkeln. „Bist du sicher?“, fragte er.
„Ja“, flüsterte ich. „Bitte.“
Er drang langsam in mich ein, Zentimeter um Zentimeter, bis er ganz in mir war. Wir beide stöhnten auf bei dem Gefühl – so vertraut und doch so neu. Er bewegte sich langsam, fast zärtlich, seine Augen auf meine gerichtet.
„Du fühlst dich so gut an“, murmelte er.
Ich schlang meine Beine um seine Hüften, zog ihn tiefer in mich hinein. „Schneller“, bat ich.
Er gehorchte, sein Rhythmus wurde intensiver, aber nie hart. Das hier war keine wilde, ungezügelte Leidenschaft – es war etwas anderes. Etwas Tieferes. Etwas, das wir beide schon viel zu lange zurückgehalten hatten.
Seine Lippen fanden wieder meine, und wir küssten uns, während unsere Körper sich bewegten. Ich spürte, wie sich eine zweite Welle in mir aufbaute, stärker diesmal, alles verzehrend.
„Ich bin nah dran“, keuchte er.
„Ich auch.“
Seine Hand glitt zwischen unsere Körper, fand meinen Kitzler, rieb ihn in schnellen Kreisen. Das reichte. Ich kam erneut, noch intensiver als zuvor, und diesmal riss ich ihn mit. Ich spürte, wie er in mir pulsierte, hörte seinen tiefen, kehligen Laut an meinem Ohr.
Wir blieben so liegen, verschwitzt und atemlos, seine Stirn an meine gelehnt. Nach einer Weile zog er sich zurück, legte sich neben mich auf das Sofa, zog mich an seine Brust.
„Was machen wir jetzt?“, fragte ich leise.
Seine Finger strichen durch mein Haar. „Ich weiß es nicht. Aber Liv… das hier war nicht nur Sex für mich.“
Ich sah zu ihm hoch. „Für mich auch nicht.“
„Dann finden wir einen Weg.“ Er küsste meine Stirn. „Auch wenn es kompliziert wird.“
Ich schmiegte mich enger an ihn. Die Unterlagen lagen vergessen auf dem Couchtisch. Morgen, dachte ich. Morgen würden wir uns damit beschäftigen, was das alles bedeutete – für uns, für die Arbeit, für alles andere. Aber jetzt, in diesem Moment, wollte ich einfach nur hier sein, in seinen Armen, und dieses neue, zerbrechliche Etwas zwischen uns spüren.
Draußen begann es zu regnen, ein leises Trommeln gegen die Fenster. Henrik zog eine Decke über uns beide. Seine Hand ruhte auf meiner Hüfte, besitzergreifend und zärtlich zugleich.

„Bleibst du?“, fragte er.
Ich hätte gehen sollen. Ich hätte die Unterlagen nehmen und verschwinden sollen, bevor das hier noch komplizierter wurde. Aber als ich in seine Augen sah, wusste ich, dass ich das nicht konnte.
„Ja“, flüsterte ich. „Ich bleibe.“
Und während der Regen stärker wurde und die Nacht uns umhüllte, wusste ich, dass dieser eine verbotene Schritt alles verändert hatte. Der Schlüssel in meiner Tasche war nicht mehr nur ein praktisches Werkzeug – er war das Symbol für eine Tür, die wir beide durchschritten hatten und die sich nicht mehr schließen ließ.
Am nächsten Morgen, als ich seine Wohnung verließ, die Unterlagen endlich in der Hand, sah ich ihn noch einmal an. Er stand in der Tür, immer noch nur in seiner Jogginghose, das Haar zerzaust vom Schlaf und von meinen Händen.
„Bis später“, sagte er.
„Bis später“, antwortete ich.
Und wir beide wussten, dass „später“ jetzt eine ganz neue Bedeutung hatte – eine, die weit über Aktenordner und Büroflure hinausging. Eine, die gefährlich und aufregend und völlig unvorhersehbar war. Genau wie diese Nacht, die mit einem simplen Schlüssel begonnen und mit einem Versprechen geendet hatte, das keiner von uns laut auszusprechen wagte.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.