Das Handschuhfach klickte leise, als Frau Thalberg es öffnete. Ich saß neben ihr auf dem Beifahrersitz ihres schwarzen Audi, und der Regen trommelte so heftig auf das Dach, dass ich ihre Worte zuerst kaum verstand.
„Nimm den Umschlag“, sagte sie, ohne mich anzusehen.
Ich zögerte. Wir hatten gerade einen Kundentermin beendet – zumindest dachte ich das. Doch statt mich zum Büro zurückzufahren, hatte sie an einer verlassenen Stelle am Waldrand angehalten. Die Scheiben beschlugen bereits von innen.
„Marian“, wiederholte sie, diesmal mit mehr Nachdruck. „Den Umschlag.“
Meine Hand bewegte sich wie von selbst. Der braune Umschlag fühlte sich schwer an. Mein Name stand darauf – in ihrer elegant geschwungenen Handschrift.
„Mach ihn auf.“
Meine Finger zitterten leicht, als ich das Papier aufriss. Drinnen fand ich ein einzelnes gefaltetes Blatt. Ich klappte es auseinander.
Es war eine Liste. Zehn nummerierte Anweisungen.
„Lies sie laut vor“, befahl Frau Thalberg. Ihre Stimme war ruhig, fast sanft – aber darin lag etwas, das keinen Widerspruch duldete.
Ich räusperte mich. „Eins: Du wirst tun, was ich dir sage, ohne zu zögern.“
Mein Blick huschte zu ihr. Sie lehnte entspannt im Fahrersitz, eine Hand locker am Lenkrad, die andere auf ihrem Oberschenkel. Ihr dunkler Hosenanzug saß perfekt, wie immer. Sie war Anfang vierzig, eine dieser Frauen, die ihre Autorität nicht demonstrieren mussten – sie strahlten sie einfach aus.
„Weiter“, forderte sie.
„Zwei: Du wirst keine Fragen stellen.“
Mein Mund wurde trocken.
„Drei: Du wirst mir in die Augen sehen, wenn ich mit dir spreche.“
Ich hob den Kopf. Ihre grauen Augen fixierten mich mit einer Intensität, die mir die Luft nahm.

„Vier: Du wirst meinen Namen nur benutzen, wenn ich es erlaube.“
Meine Stimme brach leicht. „Fünf: Du wirst deine Hände nur dort hinlegen, wo ich es dir sage.“
Der Regen wurde stärker. Die Welt außerhalb des Autos verschwamm zu einem grauen Nichts.
„Sechs: Du wirst still sein, außer wenn ich dich zum Sprechen auffordere.“
Ich schluckte schwer.
„Sieben: Du wirst mir danken, nachdem ich dir eine Anweisung gegeben habe.“
„Acht: Du wirst dich nicht berühren, es sei denn, ich erlaube es.“
Meine Hände krampften sich um das Papier.
„Neun: Du wirst mir zeigen, wie sehr du das willst.“
Ich stockte bei der letzten Zeile.
„Und zehn?“, fragte Frau Thalberg leise.
„Zehn: Du wirst dich daran erinnern, dass dies erst der Anfang ist.“
Die Stille zwischen uns wurde dichter. Schwerer. Mein Herz hämmerte so laut, dass ich sicher war, sie konnte es hören.
„Leg das Papier zurück ins Handschuhfach“, sagte sie.
Ich tat es. Meine Bewegungen wirkten mechanisch, aber in mir brodelte alles.
„Gut. Jetzt schau mich an.“
Ich drehte mich zu ihr. Ihre Lippen teilten sich zu einem kaum merklichen Lächeln.
„Seit drei Monaten arbeitest du für mich, Marian. Glaubst du, ich hätte nicht bemerkt, wie du mich ansiehst?“
Ich öffnete den Mund, wollte etwas sagen – aber sie hob eine Hand.
„Regel sechs“, erinnerte sie mich.
Ich schloss den Mund wieder.
„Du bist jung. Sechsundzwanzig, richtig? Ehrgeizig. Intelligent. Und so offensichtlich hungrig nach… mehr.“ Sie lehnte sich zu mir herüber. Ihr Parfüm – herb, mit einer Spur von Sandelholz – vernebelte meine Sinnen. „Ich habe auf den richtigen Moment gewartet. Und heute, in diesem Regen, schien er mir gekommen.“
Ihre Hand strich über meine Wange. Langsam. Bedächtig. Ich fror ein.
„Regel drei“, flüsterte sie.
Ich zwang mich, ihr in die Augen zu sehen.

„Besser. Jetzt leg deine Hände auf deine Oberschenkel. Handflächen nach oben.“
Ich gehorchte. Die Verletzlichkeit dieser Geste war erschütternd.
„Danke“, presste ich hervor.
Ihr Lächeln vertiefte sich. „Lernfähig. Das gefällt mir.“
Sie öffnete ihren Sicherheitsgurt, drehte sich vollständig zu mir. Ihre Finger wanderten über meinen Hals, fuhren die Linie meines Kragens nach, spielten mit dem obersten Knopf meines Hemds.
„Ich werde dich nicht anfassen, wo du es dir wünschst. Noch nicht. Heute geht es darum, dass du verstehst – ich bestimme den Rhythmus.“ Sie öffnete den Knopf. Dann den nächsten. „Du hast keine Kontrolle mehr, Marian. Nicht hier in diesem Auto. Nicht, solange wir zusammen sind.“
Meine Atmung wurde flacher. Jeder Zentimeter entblößter Haut schien zu brennen unter ihrem Blick.
„Atme“, befahl sie.
Ich sog zitternd Luft ein.
Ihre Hand glitt tiefer, über meine Brust, verweilte kurz über meinem rasenden Herzschlag, wanderte dann zu meinem Hosenbund. Sie stoppte dort, spielte mit dem Gürtel, öffnete ihn aber nicht.
„Bitte“, flüsterte ich, bevor ich mich bremsen konnte.
Sofort zog sie ihre Hand zurück.
„Regel sechs“, sagte sie kühl. „Und Regel zwei. Keine Fragen. Keine Bitten. Nur Gehorsam.“
Ich biss mir auf die Lippe. Die Frustration war körperlich spürbar.
„Aber ich bin nicht grausam“, fuhr sie fort, ihre Stimme wieder weicher. „Ich weiß, was du brauchst. Ich werde es dir geben – aber zu meinen Bedingungen.“
Sie beugte sich vor, ihre Lippen streiften mein Ohr. „Öffne deine Hose.“
Meine Hände zitterten, als ich den Reißverschluss herunterzog.
„Danke“, stammelte ich.
„Gut.“ Ihre Finger schoben den Stoff beiseite, fuhren über den dünnen Stoff meiner Unterwäsche. Die Berührung war so leicht, so flüchtig, dass ich aufstöhnen wollte. „Schau mich an. Vergiss das nicht.“
Unsere Blicke trafen sich. In ihren Augen lag etwas Raubtierhaftes, Kontrolliertes. Sie genoss das – nicht nur meine Reaktion, sondern die Macht, die sie über mich hatte.
„Du bist so bereit für mich“, murmelte sie. Ihre Hand bewegte sich jetzt gezielter, streichelte, drückte sanft. „Ich könnte dich jetzt schon über den Rand stoßen, nicht wahr?“
Ich nickte, unfähig zu sprechen.
„Aber ich werde es nicht tun.“ Sie zog ihre Hand weg. „Noch nicht.“
Ein verzweifelter Laut entwich mir.
„Geduld“, sagte sie, und es klang fast zärtlich. „Das hier – das, was wir hier machen – hat nichts mit Geschwindigkeit zu tun. Es geht um Hingabe. Darum, dass du lernst zu warten. Zu vertrauen.“
Sie strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Die Geste war so intim, so unerwartet, dass mir die Tränen in die Augen stiegen.
„Du bist wunderschön, wenn du so hilflos bist“, flüsterte sie. „Ich habe monatelang davon geträumt, dich so zu sehen.“
„Ich auch“, platzte es aus mir heraus. Dann erstarrte ich, erwartete eine Strafe für das Brechen der Regel.
Aber sie lächelte nur. „Danke für deine Ehrlichkeit.“
Ihre Lippen berührten meine – weich, fordernd, absolut. Der Kuss raubte mir den letzten Rest an Widerstand. Ich schmolz, öffnete mich, ließ sie hinein.
Als sie sich zurückzog, war ich atemlos.
„Berühre dich selbst“, sagte sie. „Langsam. Ich will zusehen.“
Meine Hand glitt zögernd nach unten.
„Langsamer.“
Ich verlangsamte die Bewegung, jede Faser meines Körpers vibrierte vor Anspannung.
„So ist es besser. Jetzt erzähl mir – was denkst du, wenn du nachts allein bist und an mich denkst?“
Die Frage traf mich unvermittelt. Ich starrte sie an, unfähig zu antworten.
„Ich habe dir erlaubt zu sprechen“, erinnerte sie mich.
„Ich… ich stelle mir vor, wie Sie mich berühren“, flüsterte ich. „Wie Sie mir sagen, was ich tun soll. Wie ich Ihnen gehöre.“
„Und gefällt dir das?“
„Ja.“ Das Wort kam als Atemhauch. „Ja, es gefällt mir.“
Sie beugte sich wieder vor, ihre Hand legte sich über meine, führte sie, bestimmte das Tempo. „Dann zeig es mir. Zeig mir, wie sehr.“

Die Kombination aus ihrer Stimme, ihrer Nähe, ihrer Hand auf meiner – es war überwältigend. Ich spürte, wie sich alles in mir zusammenzog, wie die Welle näher kam.
„Nicht ohne meine Erlaubnis“, warnte sie.
Ich keuchte. „Bitte. Bitte, darf ich—“
„Noch nicht.“
Es war Folter. Süße, unerträgliche Folter. Mein ganzer Körper bebte.
„Schau mich an.“
Ich zwang meine Augen auf, hielt ihren Blick fest.
„Jetzt“, sagte sie leise.
Die Erlösung traf mich wie ein Blitz. Ich krampfte mich zusammen, mein Mund öffnete sich zu einem lautlosen Schrei, und sie hielt mich fest, hielt mich durch alles hindurch, ihre Augen nie von meinem Gesicht abgewandt.
Als die Wellen abebbten, sank ich zurück in den Sitz, erschöpft, zitternd.
Sie küsste meine Stirn. „Sehr schön.“
Lange blieben wir so sitzen. Der Regen hatte nachgelassen. Ein schwaches Licht brach durch die Wolken.
„Das war erst der Anfang“, sagte Frau Thalberg schließlich, ihre Stimme wieder geschäftsmäßig. Sie reichte mir ein Taschentuch aus ihrer Handtasche. „Morgen früh, neun Uhr in meinem Büro. Und Marian?“
„Ja?“
„Vergiss die Regeln nicht, die wir heute besprochen haben. Sie gelten von jetzt an immer, wenn wir allein sind.“
Ich nickte, noch benommen.
Sie startete den Motor. „Und zieh dich bitte wieder an. Wir müssen zurück ins Büro.“
Als hätte nichts stattgefunden. Als wäre dies ein ganz gewöhnlicher Nachmittag gewesen. Aber meine zitternden Hände, als ich meine Kleidung richtete, verrieten die Wahrheit.
Während sie fuhr, ihr Blick konzentriert auf die regennasse Straße, fragte ich mich, was morgen geschehen würde. Was sie geplant hatte. Und ich merkte mit einem erschrockenen Ziehen im Magen, dass ich es kaum erwarten konnte, es herauszufinden.
Das Handschuhfach vor mir wirkte jetzt wie eine Pandorabüchse – geöffnet, nie wieder zu verschließen. Und ich wollte es auch gar nicht. Nicht nach allem, was ich gerade erlebt hatte. Diese Grenzverwischung zwischen Arbeit und Verlangen erregte mich auf eine Art, die ich nie für möglich gehalten hätte.
Als wir auf den Firmenparkplatz einbogen, legte sie kurz ihre Hand auf meine. „Du hast das sehr gut gemacht heute.“
Die simple Anerkennung ließ mein Herz flattern.
„Danke“, flüsterte ich.
Sie lächelte, löste ihren Griff und stieg aus. Ich blieb noch einen Moment sitzen, versuchte meine Atmung zu beruhigen, mein Aussehen im Rückspiegel zu überprüfen. Meine Wangen waren gerötet, meine Augen glänzten unnatürlich hell.
Als ich endlich ausstieg, war sie schon fast an der Eingangstür. Ihre Haltung war makellos, professionell, als wäre nichts geschehen. Aber als sie sich umdrehte und mir einen letzten Blick zuwarf, sah ich das Versprechen darin.

Morgen würde alles anders sein. Und ich war bereit dafür.
Der Regen hatte aufgehört, aber meine Welt hatte sich unumkehrbar verändert. Jede Begegnung mit ihr würde von nun an diese elektrisierende Spannung tragen. Jedes Wort, jeder Blick, jede Berührung – alles würde eine neue Bedeutung haben.
Ich folgte ihr ins Gebäude, mit zitternden Knien und einem Gefühl absoluter Vorfreude auf das, was noch kommen würde. Die Liste in jenem Umschlag hatte mein Leben neu geschrieben – und ich war bereit, jede einzelne Zeile davon zu leben.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.