Die Kaffeetasse in meiner Hand war schon kalt geworden, aber ich stand immer noch auf meinem Balkon und starrte auf die gegenüberliegende Wohnungstür. Seit drei Wochen wohnte dieser Typ da drüben, und ich wusste nicht mal seinen Namen. Nur dass er jeden Morgen um sechs joggen ging, immer schwarze Shirts trug und einen Blick hatte, der mich jedes verdammte Mal traf, wenn unsere Wege sich kreuzten.
Heute Morgen war es passiert. Im Treppenhaus, beide mit Müllbeuteln in der Hand, diese absurde Situation. Er hatte gelächelt, dieses schiefe, arrogante Lächeln, das mir unter die Haut ging. „Du trinkst deinen Kaffee immer draußen“, hatte er gesagt. Keine Frage, eine Feststellung. Als hätte er mich beobachtet.
„Und du gehst immer joggen“, hatte ich zurückgegeben, trotziger als beabsichtigt.
„Nicht heute.“ Seine Augen hatten sich einen Moment zu lang auf meinem Mund festgesaugt. „Heute hab ich was anderes vor.“
Dann war er einfach weitergegangen. Kein Name, keine Erklärung. Nur diese Spannung, die zwischen uns vibriert hatte wie eine zu straff gespannte Schnur.
Jetzt, drei Stunden später, klopfte es an meiner Tür.
Ich wusste, wer es war, noch bevor ich durch den Spion schaute. Er stand da, in einem dieser schwarzen Shirts, die Hände in den Taschen seiner Jeans, als wäre das hier die selbstverständlichste Sache der Welt.

Ich öffnete. „Kann ich dir helfen?“
„Ich brauch Salz.“ Er grinste nicht mal. Einfach nur dieser intensive Blick, der mich durchschaute. „Hab vergessen welches zu kaufen.“
Salz. Klar. Die älteste Ausrede der Welt. Und trotzdem trat ich zur Seite und ließ ihn rein.
Er bewegte sich durch meine Wohnung, als würde er hier wohnen. Langsam, abschätzend, seine Augen wanderten über die Möbel, die Fotos an der Wand, den Stapel Bücher auf dem Couchtisch. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug, dieses nervöse Flattern in meiner Brust.
„Küche ist da hinten“, sagte ich und deutete auf die offene Tür.
Er folgte mir nicht sofort. Stattdessen blieb er vor meinem Bücherregal stehen, zog einen Band heraus, blätterte kurz drin. „Interessant“, murmelte er.
„Was?“
„Dass du so tust, als wärst du nur wegen des Salzes hier.“ Er stellte das Buch zurück, drehte sich zu mir um. „Dabei wissen wir beide, warum ich wirklich gekommen bin.“
Mein Atem stockte. Die Wohnung fühlte sich plötzlich zu klein an, zu warm, zu eng. „Ach ja? Und warum?“
Er kam näher, langsam, bedächtig, wie ein Raubtier, das seine Beute einkreist. „Weil du genauso neugierig bist wie ich. Weil du dich fragst, wie es wäre. Weil du die letzten drei Wochen genauso wenig geschlafen hast wie ich.“

Ich hätte ihn jetzt rauswerfen sollen. Hätte ihm sagen sollen, dass er sich irrt, dass er ein arrogantes Arschloch ist. Stattdessen blieb ich einfach stehen, spürte, wie die Hitze in meinem Körper aufstieg.
„Du kennst mich nicht mal“, flüsterte ich.
„Stimmt.“ Er war jetzt direkt vor mir, so nah, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüren konnte. „Aber ich kenne diesen Blick. Den Blick, den du mir jeden Morgen zuwirfst, wenn du denkst, ich würde es nicht merken.“
Seine Hand hob sich, Finger strichen über meine Wange, wanderten langsam zu meinem Kinn, hoben es an. Es erinnerte mich an diese Geschichten über Fremde, die sich einfach nehmen, was sie wollen, ohne Entschuldigung, ohne Reue.
„Wie heißt du überhaupt?“, fragte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Hauchen.
„Miro.“ Sein Daumen strich über meine Unterlippe. „Und du?“
„Janne.“
„Janne.“ Er wiederholte meinen Namen, als würde er ihn probieren, schmecken. „Sag mir, dass ich gehen soll, Janne. Sag es, und ich verschwinde. Aber wenn du es nicht sagst…“ Seine Stimme wurde tiefer, rauer. „Dann gehörst du mir für die nächsten Stunden.“
Ich hätte es sagen sollen. Das Wort lag mir auf der Zunge, bereit, ausgesprochen zu werden. Stattdessen schloss ich die Augen, spürte, wie sein Mund meinen fand, hart, fordernd, ohne jede Vorsicht.

Der Kuss explodierte zwischen uns, all die Wochen voller Spannung entluden sich in diesem Moment. Seine Hände waren überall – in meinen Haaren, an meinem Rücken, zogen mich näher an ihn heran. Ich schmeckte Kaffee auf seiner Zunge, spürte, wie seine Zähne in meine Unterlippe bissen, gerade so fest, dass es wehtat.
„Schlafzimmer“, keuchte ich zwischen zwei Küssen.
„Nein.“ Er drehte mich herum, drückte mich gegen die Wand neben dem Bücherregal. „Hier. Jetzt.“
Seine Hände schoben mein Shirt hoch, warfen es achtlos zur Seite. Finger öffneten den Verschluss meiner Jeans, schoben den Stoff über meine Hüften. Ich hätte protestieren sollen, hätte sagen sollen, dass das zu schnell geht, zu intensiv. Aber mein Körper wollte genau das – diesen Kontrollverlust, diese rohe Intensität, die keinen Raum für Zweifel ließ.
„Du bist so verdammt schön“, murmelte er gegen meinen Nacken, während seine Hände über meinen Körper wanderten. „Ich hab mir vorgestellt, wie du unter mir aussiehst. Wie du meinen Namen stöhnst.“
Ich drehte meinen Kopf, fand seinen Mund wieder, biss zu. Hart genug, dass er aufstöhnte. „Dann hör auf zu reden“, zischte ich.
Ein dunkles Lachen vibrierte in seiner Kehle. „Frech.“ Seine Hand schloss sich um meinen Hals, nicht fest genug zum Würgen, aber fest genug, um mich spüren zu lassen, dass er die Kontrolle hatte. „Das gefällt mir.“
Er drehte mich zurück zur Wand, sein Körper presste sich gegen meinen Rücken. Ich spürte seine Härte durch den Stoff seiner Jeans, spürte, wie sehr er mich wollte. Seine freie Hand glitt zwischen meine Beine, Finger strichen über den dünnen Stoff meines Slips.

„Schon so feucht“, stellte er fest, seine Stimme ein tiefes Grollen. „Du willst das genauso sehr wie ich.“
Ich biss mir auf die Lippe, wollte ihm nicht die Genugtuung geben, es zuzugeben. Aber mein Körper verriet mich, bewegte sich gegen seine Hand, suchte mehr Druck, mehr Berührung.
„Sag es“, forderte er. „Sag mir, was du willst.“
„Dich.“ Das Wort kam heraus, bevor ich es zurückhalten konnte. „Ich will dich. Jetzt.“
Er zog meinen Slip zur Seite, seine Finger glitten durch meine Nässe, fanden meinen Kitzler, kreisten, drückten. Ich stöhnte auf, meine Handflächen pressten sich gegen die Wand, suchten Halt.
„So gefällst du mir“, murmelte er. „Ehrlich. Ungefiltert.“
Ich hörte, wie er seine Jeans öffnete, das Rascheln von Stoff, dann spürte ich ihn – heiß, hart, genau da, wo ich ihn haben wollte. Er rieb sich an mir, ein kleines Spiel, eine Folter, die mich fast wahnsinnig machte.
„Bitte“, flüsterte ich, und mir war egal, wie verzweifelt ich klang.
„Bitte was?“
„Fick mich.“ Die Worte kamen raus wie ein Gebet. „Bitte, Miro.“
Er stieß zu, hart und tief, füllte mich aus, bis ich glaubte, ich könnte nicht mehr atmen. Ich schrie auf, halb Schmerz, halb pure Lust. Seine Hand um meinen Hals zog mich zurück, sein Mund fand mein Ohr.
„Genau so“, knurrte er. „Lass es raus. Ich will dich hören.“
Er bewegte sich, langsam zuerst, jeden Stoß spürte ich bis in meine Zehenspitzen. Seine freie Hand wanderte zu meiner Brust, knetete, zwirbelte meine Brustwarze zwischen seinen Fingern. Der Mix aus Schmerz und Lust ließ mich erzittern.
Dann wurde er schneller, härter, kompromissloser. Die Wand unter meinen Händen war kühl, ein krasser Gegensatz zu der Hitze, die zwischen unseren Körpern entstand. Jeder Stoß trieb mich näher an den Rand, näher an diesen Punkt, wo alles andere unwichtig wurde.
„Du bist so eng“, keuchte er. „So perfekt.“
Ich konnte nicht mehr antworten, konnte nur noch fühlen – seine Hände auf meinem Körper, seinen Atem in meinem Nacken, die Art, wie er mich füllte, wieder und wieder. Es war versaut und intensiv und genau das, was ich gebraucht hatte, ohne es zu wissen.
Mein Orgasmus baute sich auf, diese Welle, die von irgendwo tief in mir aufstieg. Meine Beine zitterten, meine Finger krallten sich in die raue Tapete.
„Komm für mich“, befahl er. „Jetzt.“
Als würde mein Körper nur auf diese Erlaubnis gewartet haben, brach ich auseinander. Die Welle überrollte mich, ließ mich schreien, seinen Namen, irgendwelche Worte, die keinen Sinn ergaben. Er hielt mich fest, fickte mich durch meinen Höhepunkt hindurch, unerbittlich, bis er selbst mit einem tiefen Stöhnen kam, sich in mir ergoss, seine Finger so fest in meine Hüften gruben, dass sie Abdrücke hinterlassen würden.
Wir blieben so stehen, beide keuchend, verschwitzt, seine Stirn gegen meinen Rücken gepresst. Die Welt um uns herum kam langsam zurück – das Ticken der Uhr, das Rauschen der Straße draußen, mein eigener rasender Herzschlag.
„Fuck“, flüsterte ich schließlich.
Er lachte leise, zog sich zurück, drehte mich um. Seine Augen waren dunkel, satt, aber da war noch etwas anderes – eine Verletzlichkeit, die ich nicht erwartet hatte.

„Das Salz kannst du behalten“, sagte er und strich eine verschwitzte Strähne aus meinem Gesicht.
„Ich hab kein Salz geholt.“
„Ich weiß.“ Sein Grinsen war zurück, dieses arrogante, wissende Grinsen. „War auch nie der Plan.“
Er küsste mich wieder, diesmal sanfter, als hätten wir alle Zeit der Welt. Und vielleicht hatten wir das ja. Vielleicht war das hier nicht nur eine einmalige Sache zwischen Fremden, nicht nur eine dieser intensiven Begegnungen im Flur, die man vergisst, sobald man die Tür schließt.
„Du solltest öfter klingeln“, murmelte ich gegen seine Lippen.
„Und du solltest öfter deine Vorhänge zuziehen.“ Er zwinkerte. „Nicht dass ich mich beschweren würde.“
Ich schlug ihm spielerisch gegen die Brust. „Du Perverser.“
„Sagt die Frau, die mich grade eben gegen ihre Wand ficken lassen hat.“ Er fing meine Hand ein, verschränkte seine Finger mit meinen. „Aber ja, guilty as charged.“
Wir standen da, immer noch halb nackt, immer noch atemlos, und ich fragte mich, ob das der Anfang von etwas war oder nur ein wunderschöner, chaotischer Moment zwischen zwei Menschen, die sich nicht kannten und es vielleicht auch nie würden.
Aber als er mich wieder küsste, als seine Hände langsam über meinen Körper wanderten, als wollten sie sich jede Kurve einprägen, wusste ich: Es war mir egal. In diesem Moment war es mir komplett egal. Manchmal braucht man genau das – keine Pläne, keine Versprechen, nur diese rohe, ungefilterte Verbindung zwischen zwei Körpern, die sich endlich das nehmen, was sie wollen.
„Bleib“, sagte ich leise.
Er sah mich an, überrascht, dann nickte er langsam. „Okay.“
Und als wir uns zum Sofa bewegten, unsere Kleider noch immer überall verstreut, wusste ich, dass die Kaffeetassen auf dem Balkon kalt bleiben würden. Heute würde niemand joggen gehen. Heute hatten wir andere Pläne.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.