Ich hätte sie fast nicht erkannt, als sie aus dem Wasser stieg. Seegras im Haar, die Haut glänzend von Salzwasser — Rahel. Fünf Jahre waren vergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Damals noch Mitbewohnerinnen in München, heute stand sie vor mir an diesem verlassenen Strandabschnitt auf Sardinien, als wäre nie Zeit vergangen.
„Verdammt, bist du das wirklich?“ Ihre Stimme klang genau wie früher. Rau, direkt. Sie ließ sich neben mir ins Handtuch fallen, ohne zu fragen. Wassertropfen von ihrem Körper landeten auf meinem Arm.
„Was machst du hier?“ Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. Rahel hatte schon immer diesen Effekt auf mich gehabt. Diese Mischung aus Unberechenbarkeit und einer Intensität, die den Raum um sie herum elektrisierte.
„Urlaub. Allein. Sollte eigentlich romantisch werden, aber meine Ex hat zwei Wochen vorher Schluss gemacht.“ Sie zuckte mit den Schultern, als würde es sie nicht interessieren. Aber ich kannte diesen Blick. Der sagte mehr als ihre Worte. „Und du?“
„Ähnliche Geschichte.“ Ich versuchte zu lachen, aber es klang hohl. Die Wahrheit war: Ich war hierher gekommen, um zu vergessen. Um den Kopf frei zu bekommen von allem, was in Berlin schiefgelaufen war.
Sie musterte mich mit diesem typischen Rahel-Blick — direkt, ohne Umschweife. „Du siehst müde aus.“

„Danke, sehr charmant.“
„Ich meine das ernst.“ Ihre Hand landete auf meinem Oberschenkel. Einfach so. Als wäre es das Normalste der Welt. „Diese Anspannung hier…“ Sie drückte leicht zu. „Die kenne ich. Du bist verkrampft. Im ganzen Körper.“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Damals in München hatten wir manchmal stundenlang in der Küche gesessen, Wein getrunken, über alles Mögliche geredet. Aber es hatte immer diese Spannung zwischen uns gegeben. Diese Momente, in denen unsere Blicke zu lange hielten, in denen eine zufällige Berührung sich anfühlte wie ein elektrischer Schlag. Wir hatten es nie ausgesprochen. Nie wirklich…
„Komm.“ Sie stand auf und zog mich am Arm hoch. „Wir gehen weiter runter. Da, wo die Felsen sind. Ist noch verlassener.“
Ich folgte ihr. Was sollte ich auch sonst tun? Rahel hatte schon immer bestimmt, wo es langging. Nicht auf dominante Art — zumindest nicht offensichtlich. Sondern einfach, weil man ihr nicht widersprechen wollte. Weil man wissen wollte, was als Nächstes passiert.
Der Strand war menschenleer. Nur das Rauschen der Wellen, das Kreischen einzelner Möwen. Die Sonne brannte auf meine Schultern, während wir über den heißen Sand liefen. Rahel trug einen schwarzen Bikini, der fast zu klein war. Ich versuchte, nicht hinzusehen. Versuchte es wirklich.
„Hier.“ Sie ließ sich zwischen zwei großen Felsen fallen, die eine Art natürliche Wand bildeten. Von hier aus konnte uns niemand sehen. „Setz dich.“
Ich tat es. Mein Herz klopfte immer noch viel zu schnell.
„Du bist rot.“ Sie lachte leise. „Hast du dich überhaupt eingecremt?“
„Noch nicht.“
„Idiotin.“ Aber sie sagte es liebevoll. Dann griff sie in ihre Tasche und holte eine Tube Sonnencreme heraus. „Dreh dich um.“
„Das kann ich auch selbst—“
„Dreh dich um.“ Ihre Stimme ließ keinen Widerspruch zu.
Ich tat es. Spürte, wie sich mein Magen zusammenzog. Das war nur Sonnencreme. Nur zwei alte Bekannte am Strand. Nichts weiter. Aber als ihre Hände meinen Rücken berührten, kühl von der Creme, wusste ich, dass ich mich selbst belog.

„Entspann dich mal.“ Ihre Finger massierten die Creme in meine Haut. Fest, gezielt. Sie fand jeden verspannten Muskel, jeden Knoten. „Du bist ja hart wie Stein.“
Ich schloss die Augen. Versuchte, normal zu atmen. Aber ihre Hände wanderten tiefer, zum unteren Rücken, zur Hüfte. Ihre Daumen drückten in das Fleisch über meinem Bikini-Höschen.
„Das hier…“ Sie drückte fester zu. „…tut dir weh, oder?“
„Ja.“ Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Dachte ich mir.“ Ihre Hände glitten weiter nach unten. Zu meinen Oberschenkeln. Die Creme war fast aufgebraucht, aber sie hörte nicht auf. Ihre Berührungen wurden langsamer. Intensiver. „Weißt du, was ich damals bereut habe?“
„Was?“ Ich traute mich nicht, mich umzudrehen.
„Dass ich es nicht getan habe.“ Ihre Lippen waren plötzlich ganz nah an meinem Ohr. „Dich zu küssen. In der Küche. An dem Abend, bevor ich ausgezogen bin.“
Mein Atem stockte. Ich erinnerte mich genau an diesen Abend. Wir hatten zu viel getrunken, zu nah nebeneinander auf dem Sofa gesessen. Es war ein versauter Gedanke gewesen, den ich danach nie mehr losgeworden war.
„Ich wollte es auch.“ Die Worte rutschten einfach raus.
„Dann dreh dich jetzt um.“
Ich tat es. Langsam. Ihr Gesicht war so nah, dass ich die kleinen grünen Flecken in ihren braunen Augen sehen konnte. Ihre Lippen leicht geöffnet. Sie sah mich an, als würde sie eine Frage stellen, ohne Worte.
Ich gab ihr die Antwort.
Als unsere Münder sich trafen, war es, als würde etwas in mir explodieren. Fünf Jahre aufgestauter Spannung, Sehnsucht, Was-wäre-wenn. Sie schmeckte nach Salz und Sonne. Ihre Lippen waren weich, ihre Zunge fordernd. Rahel küsste nicht sanft. Sie küsste, als würde sie Besitz ergreifen.
Ihre Hände wanderten in mein Haar, zogen meinen Kopf näher. Ich stöhnte gegen ihren Mund, und sie lächelte. Dieses verdammte, selbstsichere Lächeln, das mich schon immer verrückt gemacht hatte.
„Leg dich hin.“ Sie schob mich sanft zurück ins Handtuch. Der Sand war heiß unter mir, aber ich spürte es kaum. Ihr Körper war über mir, ihre Haut glänzte vom Salzwasser. „Ich will dich schmecken.“
Mein Verstand versuchte noch einmal zu protestieren — wir waren am Strand, auch wenn niemand in der Nähe war — aber mein Körper hatte schon längst aufgegeben. Ich nickte.
Sie küsste sich an meinem Hals entlang nach unten. Ihre Zunge fuhr über mein Schlüsselbein, zwischen meine Brüste. Sie schob den Bikini-Oberteil zur Seite, ohne zu zögern. Ihre Lippen schlossen sich um meine Brustwarze, saugten, bissen leicht zu.
„Fuck, Rahel…“
„Ich hab noch nicht mal angefangen.“ Ihre Stimme war dunkel, voller Versprechen. Sie küsste weiter nach unten. Über meinen Bauch, zur Hüfte. Ihre Finger hakten sich in den Bund meines Bikinihöschens. „Kann ich?“
„Ja. Bitte.“
Sie zog es langsam nach unten. Ließ sich Zeit damit. Ihre Augen fixierten mich, während sie es tat. Als ich nackt vor ihr lag, in diesem kleinen Versteck zwischen den Felsen, fühlte ich mich nicht bloßgestellt. Ich fühlte mich gewollt.
Rahel legte ihre Hände auf meine Oberschenkel, drückte sie auseinander. Sie betrachtete mich einen Moment lang, dann beugte sie sich vor. Ihr Atem war heiß auf meiner Haut.

„Du bist so feucht.“ Sie klang zufrieden. „Schon die ganze Zeit?“
„Ja.“
„Gut.“ Dann berührte ihre Zunge mich. Langsam, prüfend. Sie fuhr über meine Schamlippen, kreiste um meinen Kitzler, ohne ihn direkt zu berühren. Es war Folter. Wunderbare, qualvolle Folter.
Ich stöhnte auf, meine Hände gruben sich in den Sand. Sie hob den Kopf, grinste mich an. „Nicht zu laut. Wir wollen ja keine Aufmerksamkeit.“
Aber dann senkte sie ihren Kopf wieder, und dieses Mal gab es keine Zurückhaltung mehr. Ihre Zunge war überall — fest und fordernd, dann wieder sanft und neckend. Sie wusste genau, was sie tat. Jeder Strich, jedes Saugen war kalkuliert, um mich näher an den Rand zu bringen.
Ihre Finger drangen in mich ein, zwei auf einmal, und ich wölbte mich ihr entgegen. Sie bewegte sie im perfekten Rhythmus zu ihrer Zunge, fand diesen einen Punkt in mir, der mich sehen ließ. Meine Hand fand ihren Kopf, hielt sie fest, als wäre sie der einzige Halt in einem Sturm.
„Komm für mich.“ Ihre Worte vibrierten gegen meine Haut. „Ich will dich spüren.“
Und ich tat es. Der Orgasmus traf mich wie eine Welle — hart, unerbittlich. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht zu schreien, während sich mein ganzer Körper um ihre Finger zusammenzog. Sie hörte nicht auf. Leckte mich durch die Wellen hindurch, bis ich sie wegschieben musste, überempfindlich und zitternd.
Sie kroch zu mir hoch, küsste mich. Ich schmeckte mich selbst auf ihren Lippen. Es war intim auf eine Weise, die ich noch nie erlebt hatte.
„Besser?“ Sie lächelte gegen meinen Mund.
„Viel besser.“
Wir lagen eine Weile einfach so da, unsere Körper verschlungen, das Rauschen des Meeres um uns herum. Die Sonne brannte immer noch, aber ich spürte sie kaum.
„Wie lange bleibst du noch?“ Ihre Stimme klang fast schüchtern. Das war neu.
„Zehn Tage.“
„Ich auch.“ Sie strich eine Haarsträhne aus meinem Gesicht. „Wir sollten die Zeit nutzen.“
Ich drehte mich zu ihr, küsste sie. Sanfter dieses Mal. „Das sollten wir.“

Später, als wir zurück zu unseren Sachen gingen, Hand in Hand wie Teenager, dachte ich an all die Jahre, die wir verschwendet hatten. An die Chancen, die wir nicht ergriffen hatten. Aber jetzt, hier, auf diesem verlassenen Strand, fühlte es sich an wie ein Neuanfang.
„Deine Wohnung oder meine?“, fragte Rahel, als wir wieder angezogen waren.
„Mir egal. Hauptsache ein Bett.“
Sie lachte. „Wer sagt, dass wir ein Bett brauchen?“
Und ich wusste: Die nächsten zehn Tage würden unvergesslich werden. Vielleicht sogar mehr als das. Vielleicht war dies keine Geschichte von verpassten Gelegenheiten, sondern von einer zweiten Chance. Einer, die wir dieses Mal nicht verschwenden würden.
Als wir den Strand verließen, drehte ich mich noch einmal um. Die Felsen, zwischen denen wir gelegen hatten, sahen aus wie immer. Aber für mich würde dieser Ort für immer besonders sein. Der Ort, an dem ich endlich begriffen hatte, dass manche Dinge es wert sind, darauf zu warten — und dass es nie zu spät ist, den Mut zu finden, danach zu greifen.
Rahels Hand in meiner fühlte sich richtig an. Wie etwas, das schon immer hätte sein sollen. Und während wir zurück zu ihrem Auto liefen, die Sonne langsam tiefer am Himmel, wusste ich: Das hier war erst der Anfang. Der Anfang von etwas, das ich mir fünf Jahre lang nicht getraut hatte zu wollen — aber das nun endlich meins war.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.