Die Zimmerkarte lag auf meiner Handfläche wie ein kleines Stück Macht. Zimmer 817. Achte Etage. Suite. Ich stand in der Lobby des Grand Hotels am Gendarmenmarkt und wusste, dass ich nicht allein hochfahren würde.
„Niko.“ Ihre Stimme. Ich drehte mich um.
Frau Soraya. Meine Literaturprofessorin. Fünfundvierzig, schätzte ich. Dunkle Augen, die einen durchschauten. Das schwarze Kostüm saß perfekt, darunter ahnte man mehr, als man sah. Sie trug ihre Haare heute offen, was selten vorkam. In der Uni hatte sie sie immer streng zusammengebunden.

„Sie haben die Karte bekommen?“ fragte sie.
„Ja.“
„Gut. Fünf Minuten. Dann kommen Sie hoch.“
Sie ging zum Fahrstuhl, ohne sich umzudrehen. Die Leute in der Lobby bemerkten sie. Natürlich taten sie das. Soraya war eine Frau, die Räume veränderte, sobald sie sie betrat.
Fünf Minuten. Ich setzte mich in einen der Ledersessel, versuchte, nicht an die letzte Vorlesung zu denken. An ihren Blick, als sie mir die Karte zugesteckt hatte, zwischen zwei Buchseiten. „Heute Abend. Zwanzig Uhr. Wenn Sie wollen.“
Wenn ich wollte. Als ob ich eine Wahl gehabt hätte.
Seit Semesterbeginn spielten wir dieses Spiel. Ihre Kommentare zu meinen Essays waren nie nur akademisch. „Ihre Sprache ist noch zu zaghaft, Niko. Sie müssen sich trauen, tiefer zu gehen.“ Oder: „Sie halten sich zurück. Warum?“ Immer dieser Blick dabei. Immer dieses Lächeln, das mehr war als höflich.
Die fünf Minuten waren um.
Der Fahrstuhl brachte mich nach oben. Achte Etage. Der Flur war leer, gedämpftes Licht, dicker Teppich. Ich fand die 817. Die Karte glitt in den Schlitz. Grünes Licht.
Drinnen roch es nach ihrem Parfüm. Die Suite war groß, hohe Decken, ein Bett, das man eher Landeplatz nennen sollte. Durch die Fenster sah man auf die beleuchteten Kuppeln der Stadt. Soraya stand am Fenster, noch immer im Kostüm. Sie hatte sich ein Glas Wein eingeschenkt.
„Schließen Sie die Tür, Niko.“
Ich tat es. Das Klicken des Schlosses hallte nach.
Sie drehte sich zu mir um. „Haben Sie Angst?“
„Nein.“
„Sollten Sie aber.“ Sie lächelte. „Setzen Sie sich.“
Ich setzte mich auf die Kante des Betts. Sie kam näher, stellte das Weinglas ab, blieb vor mir stehen. So nah, dass ich die Wärme ihres Körpers spüren konnte.

„Wissen Sie, warum Sie hier sind?“
„Nein.“
„Lügen Sie nicht.“ Ihre Hand berührte mein Kinn, hob meinen Kopf, zwang mich, sie anzusehen. „Sie wissen es genau. Sie wissen es seit Wochen.“
Mein Herz hämmerte. „Ja.“
„Sagen Sie es.“
„Weil Sie es wollen.“
„Und Sie?“
„Ich auch.“
„Gut.“ Sie ließ mich los, trat einen Schritt zurück. „Dann gelten ab jetzt meine Regeln. Verstanden?“
„Ja.“
„Ja, was?“
Ich schluckte. „Ja, Frau Soraya.“
Ihr Lächeln wurde breiter. „Besser. Ziehen Sie Ihr Hemd aus.“
Ich gehorchte. Knopf für Knopf. Meine Finger zitterten leicht, aber ich schaffte es. Das Hemd landete auf dem Bett neben mir.
Sie betrachtete mich. Lange. Prüfend. Wie sie auch meine Essays las, Zeile für Zeile, jedes Detail erfassend.
„Sie sind jünger, als ich gedacht hatte,“ murmelte sie. „Wie alt? Dreiundzwanzig?“
„Vierundzwanzig.“
„Mhm.“ Sie trat wieder näher, ihre Finger berührten meine Schulter, glitten langsam nach unten, über meine Brust. „Haben Sie schon einmal einer Frau die Kontrolle überlassen, Niko?“
„Nicht so.“
„Nicht so wie?“
„Nicht so vollständig.“
„Ah.“ Ihre Hand blieb auf meinem Bauch liegen. „Dann wird das lehrreich für Sie.“
Sie beugte sich vor, ihre Lippen an meinem Ohr. „Ich werde Ihnen sagen, was Sie tun sollen. Und Sie werden gehorchen. Wenn es Ihnen zu viel wird, sagen Sie Rot. Dann hören wir auf. Verstanden?“
„Verstanden.“
„Gut.“ Sie richtete sich auf. „Legen Sie sich hin. Auf den Rücken.“
Ich rutschte zur Mitte des Betts, legte mich hin. Die Decke war kühl unter mir. Soraya stand neben dem Bett und öffnete langsam ihr Kostüm. Knopf für Knopf. Erst die Jacke. Darunter trug sie eine schwarze Seidenbluse. Dann der Rock. Sie ließ ihn zu Boden gleiten. Strümpfe, Strapse, schwarze Spitze.
Mein Atem ging schneller.
„Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“ fragte sie.
„Ja.“
„Dann schauen Sie weiter zu.“
Die Bluse folgte. Ihr BH war aus derselben schwarzen Spitze. Sie öffnete ihn, ließ ihn fallen. Ihre Brüste waren voll, die Brustwarzen dunkel. Sie kam aufs Bett, kniete neben mir.

„Hände über den Kopf.“
Ich hob sie. Sie nahm etwas vom Nachttisch – ich hatte es nicht bemerkt – und band meine Handgelenke zusammen. Keine Handschellen. Etwas Weiches, vielleicht ein Schal. Sie befestigte das andere Ende am Kopfteil.
„Nicht zu fest?“
„Nein.“
„Gut.“ Sie beugte sich über mich, ihre Brüste streiften meine Brust. „Jetzt gehören Sie mir, Niko. Für heute Nacht.“
Ihre Lippen fanden meinen Hals. Sanft zuerst, dann fordernder. Sie biss leicht zu, gerade so, dass es wehtat, aber nicht zu sehr. Ihre Hände wanderten über meinen Körper, erkundeten, prüften jede Reaktion.
„Sie sind so angespannt,“ flüsterte sie. „Entspannen Sie sich. Ich bin nicht in Eile.“
Leichter gesagt als getan. Jede Berührung war wie ein elektrischer Schlag. Sie küsste sich nach unten, über meine Brust, meinen Bauch. Ihre Finger öffneten meinen Gürtel, den Knopf meiner Hose.
„Heben Sie die Hüften.“
Ich tat es. Sie zog die Hose herunter, zusammen mit der Unterwäsche. Jetzt war ich vollständig nackt, gebunden, ihr ausgeliefert.
„Schön,“ murmelte sie. Ihre Hand umfasste mich, langsam, fest. „Sehr schön.“
Ich stöhnte leise.
„Psst. Noch nicht.“ Sie ließ los, und ich hätte fast protestiert, aber ihr Blick hielt mich zurück.
Sie stand auf, streifte den Slip ab. Dann kniete sie sich wieder aufs Bett, aber diesmal über mein Gesicht. Ihre Knie links und rechts von meinem Kopf.
„Zeigen Sie mir, was Sie gelernt haben,“ sagte sie.
Ich verstand. Meine Zunge fand sie, kostete sie. Sie schmeckte salzig, warm, lebendig. Ich spürte, wie sie sich bewegte, wie sie sich an meinem Mund rieb, kontrolliert, rhythmisch.
„Ja,“ stöhnte sie. „Genau so. Nicht aufhören.“
Ihre Hand griff in meine Haare, hielt meinen Kopf fest. Ich leckte tiefer, meine Zunge kreiste, drang ein. Sie begann zu zittern, ihre Oberschenkel pressten sich gegen meine Wangen.
„Oh Gott, ja.“
Sie kam mit einem leisen Schrei, ihre Hüften bebten. Dann ließ sie sich nach vorne fallen, stützte sich über mir ab, atmete schwer.
„Gut gemacht,“ keuchte sie. „Sehr gut.“
Sie rutschte nach unten, küsste mich, schmeckte sich selbst auf meinen Lippen. Dann richtete sie sich auf, positionierte sich über mir.
„Jetzt Sie.“
Sie senkte sich auf mich herab. Langsam. Zentimeter für Zentimeter. Heiß, eng, perfekt. Ich schloss die Augen, versuchte, mich zu beherrschen.
„Sehen Sie mich an,“ befahl sie.
Ich öffnete die Augen. Sie bewegte sich jetzt, langsam, wiegend, ihre Hände auf meiner Brust. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht, ihre Brüste bewegten sich im Rhythmus.

„Kommen Sie nicht, bevor ich es erlaube,“ sagte sie. „Verstanden?“
„Ja.“
Sie beschleunigte. Meine Hände zerrten an den Fesseln, ich wollte sie berühren, festhalten, aber ich konnte nicht. Ich war hilflos, konnte nur da liegen und es geschehen lassen. Es war quälend. Es war perfekt.
„Bitte,“ stöhnte ich.
„Bitte was?“
„Bitte, lassen Sie mich—“
„Noch nicht.“ Sie beugte sich vor, ihre Brüste an meiner Brust, ihre Lippen an meinem Ohr. „Halten Sie durch. Für mich.“
Sie bewegte sich schneller jetzt, härter. Ich spürte, wie sie wieder kam, wie ihr Körper sich um mich zusammenzog. Sie biss in meine Schulter, ihr Stöhnen war laut, ungezügelt.
„Jetzt,“ keuchte sie. „Jetzt dürfen Sie.“
Ich ließ los. Alles löste sich auf in einem Moment purer Intensität. Ich hörte mich selbst schreien, spürte, wie mein Körper sich spannte, wie ich in sie pulsierte, wieder und wieder.
Dann war es still. Nur noch unsere Atemzüge. Sie lag auf mir, ihr Herzschlag gegen meinen. Nach einer Weile löste sie die Fesseln, massierte sanft meine Handgelenke.
„Alles gut?“ fragte sie leise.
„Ja.“
Sie rollte sich neben mich, zog die Decke über uns beide. Draußen glitzerte Berlin in der Nacht.
„Das war…“ Ich suchte nach Worten.
„Ich weiß.“ Sie lächelte. „Das war erst der Anfang, Niko.“
„Der Anfang?“
„Mhm. Ich habe die Suite für das ganze Wochenende gebucht.“ Sie fuhr mit einem Finger über meine Brust. „Und Sie haben morgen keine Vorlesungen, soweit ich weiß.“
Ich schluckte. „Nein.“
„Gut.“ Sie küsste meine Schulter. „Denn ich bin noch nicht fertig mit Ihnen. Es gibt noch so viel, was ich Ihnen beibringen muss.“
Ihr Blick wurde dunkel, verspielt. „Haben Sie schon einmal eine Nacht im Hotelbett erlebt, die alle Grenzen sprengte?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Dann wird das eine sehr lehrreiche Nacht.“ Sie stand auf, ging zum Minibar. „Champagner?“
„Gerne.“
Sie öffnete die Flasche, goss zwei Gläser ein, kam zurück. Wir tranken schweigend, ihre Hand lag auf meinem Oberschenkel, wanderte langsam höher.
„Wissen Sie, was das Beste am Unterrichten ist?“ fragte sie.
„Nein.“
„Das Beste ist, wenn ein Schüler wirklich lernen will. Wenn er bereit ist, sich ganz hinzugeben.“ Ihre Finger umfassten mich wieder, fest. „Sind Sie bereit, Niko?“
„Ja.“
„Dann zeigen Sie es mir.“
Die zweite Runde war anders. Langsamer, intensiver. Sie nahm sich Zeit, erkundete jeden Zentimeter meines Körpers, fand Stellen, von denen ich nicht wusste, dass sie so empfindlich waren. Sie lehrte mich, wie man wartet, wie man die Spannung aushält, wie man den Moment hinauszögert, bis er unerträglich wird.
Gegen Mitternacht lagen wir erschöpft nebeneinander. Mein Körper fühlte sich an wie neu verdrahtet, jede Nervenbahn summte nach.
„Morgen,“ murmelte sie schläfrig, „morgen zeige ich Ihnen, was passiert, wenn man wirklich gehorsam ist.“
„Ich freue mich drauf.“
Sie lachte leise. „Das sollten Sie. Ich habe Pläne mit Ihnen.“
Ich schlief ein mit ihrer Hand in meiner, ihrem Atem an meinem Hals, und dem Wissen, dass manche Lektionen weit über den Hörsaal hinausgehen.
Am nächsten Morgen weckte sie mich mit Küssen. Das Frühstück hatte sie schon bestellt, es stand auf einem Tablett am Fenster. Croissants, Kaffee, frische Erdbeeren.
„Essen Sie erst,“ sagte sie. „Sie werden Ihre Kraft brauchen.“
Ich aß, beobachtete sie dabei. Sie trug jetzt einen weißen Bademantel, locker gebunden, darunter nichts. Ihre Haare waren zerwühlt, ihre Lippen noch leicht geschwollen von der Nacht.
„Was denken Sie gerade?“ fragte sie.
„Dass ich das nicht für real halte.“
„Oh, es ist sehr real.“ Sie kam zu mir, setzte sich auf meinen Schoß. „Und es ist erst vorbei, wenn ich sage, dass es vorbei ist.“
Ihre Hände öffneten den Gürtel ihres Bademantels. „Bereit für die nächste Lektion?“
„Immer.“
„Gut.“ Sie stand auf, zog mich mit sich. „Dann kommen Sie mit mir.“
Sie führte mich ins Bad. Die Badewanne war riesig, sie ließ Wasser einlaufen, gab Öl dazu. Dampf stieg auf, der Raum füllte sich mit dem Duft von Jasmin.
„Steigen Sie ein.“
Das Wasser war heiß, aber nicht zu heiß. Sie stieg hinter mir ein, zog mich zwischen ihre Beine, ihren Rücken gegen die Wanne gelehnt.
„Lehnen Sie sich an mich,“ sagte sie.
Ich tat es. Ihre Hände begannen, meinen Körper zu waschen. Langsam, sorgfältig. Es war intim auf eine Art, die fast zärtlich war. Ihre Finger glitten über meine Brust, meinen Bauch, zwischen meine Beine.
„Entspannen Sie sich,“ flüsterte sie. „Genießen Sie es einfach.“
Und das tat ich. Ich ließ mich fallen, gab mich hin, und zum ersten Mal in meinem Leben verstand ich, was es bedeutet, jemandem wirklich zu vertrauen. Nicht nur körperlich, sondern mit allem.

Die Zimmerkarte hatte nicht nur eine Tür geöffnet. Sie hatte mich selbst geöffnet. Und während Sorayas Hände weiter über meinen Körper wanderten und ihr Atem warm an meinem Ohr war, wusste ich: Das hier war mehr als eine Nacht. Das hier war der Beginn von etwas, das mich für immer verändern würde.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.