Ich weiß nicht, ob es an der Hitze lag oder an diesem Urlaubsgefühl, das jeden Vorsatz wegwäscht – aber die Art, wie Maeve mich ansah, hatte etwas, das mich gleichzeitig nervös und geil machte. Mein Mann stand drei Meter entfernt am Grill, konzentriert über den Flammenwerfern, die er selbst gebastelt hatte, und ich spürte ihre Finger schon wieder an meinem Rücken. Nur eine Berührung. Kaum da. Aber genau da, wo sie vorhin schon war.
Die Gartenparty lief seit zwei Stunden. Unser Ferienhaus lag am Rand eines winzigen korsischen Dorfes, und wir hatten eigentlich nur ein entspanntes Essen geplant – nur wir zwei und das Schweigen der Berge. Dann kamen sie. Maeve und Siobhan, zwei Irinnen auf Radtour, die zufällig nach dem Weg fragten und plötzlich bei uns am Tisch saßen. Maeve war die, die redete. Schlank, olivgrüne Augen, Lachfalten um den Mund. Siobhan war leiser, dunkelhaarig, mit diesem ruhigen Blick, der mich das ganze Abendessen über verfolgte.
„Willst du mir vielleicht helfen?“, fragte Maeve jetzt, lächelnd. Sie stand neben dem Lichterkettenstrang, der von der Terrasse in den Kirschbaum führen sollte. Ich nickte, obwohl ich genau wusste, dass sie keine Hilfe brauchte. Während ich die Leiter hielt, kletterte sie nach oben, und ihr T-Shirt rutschte hoch. Keine Absicht. Oder doch?
„Dein Mann grillt wirklich leidenschaftlich“, sagte sie von oben herab. In ihrer Stimme lag etwas Spöttisches.
„Ja. Er liebt es.“
„Und du?“
„Was?“
„Liebst du es auch?“
Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Stattdessen hielt ich die Leiter fester. Maeve stieg herunter, langsam, und als sie vor mir stand, war da dieser Moment. Zu nah. Zu lange. Ihr Blick ruhte auf meinen Lippen.

„Ich glaube, du bist nicht der Typ, der einfach nur zuschaut“, flüsterte sie. Dann drehte sie sich um und ging zurück zu Siobhan, die am Tisch saß und Wein einschenkte.
Mein Herz hämmerte. Ich schaute rüber zu meinem Mann – Florin –, der gerade die Grillzange schwang wie ein Schwert und irgendetwas über die perfekte Kerntemperatur erzählte. Er merkte nichts. Oder wollte nichts merken.
„Komm, setz dich“, sagte Siobhan und klopfte auf den Stuhl neben sich. Ich gehorchte, wie in Trance. Sie schob mir ein Glas rüber. Maeve setzte sich auf die andere Seite.
„Ihr seid süß zusammen“, sagte Maeve plötzlich.
„Danke.“
„Aber ein bisschen… brav, oder?“
Ich lachte unsicher. „Wie meinst du das?“
„Na ja.“ Sie lehnte sich zurück, verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Ihr macht alles richtig. Ferienhaus, Gartenparty, Lichterketten. Aber du siehst nicht glücklich aus.“
„Ich bin glücklich.“
„Bist du das?“
Siobhan legte ihre Hand auf mein Knie. Ganz selbstverständlich. Warm. Ruhig. „Sie provoziert gerne“, sagte sie leise. „Ignorier sie.“

Aber ich wollte sie nicht ignorieren. Ich wollte… ich weiß nicht. Mehr.
Florin kam mit dem Fleisch. Stolz präsentierte er die perfekt gebräunten Koteletts. Wir aßen, tranken, und die Gespräche wurden lockerer. Irgendwann erzählten die beiden von ihrer Reise – Irland, Frankreich, Italien, immer mit dem Rad. Keine festen Pläne. Keine Regeln. Ich beneidete sie.
„Und ihr zwei seid…?“ Florin ließ die Frage offen.
Maeve grinste. „Wir zwei sind, was wir sind. Manchmal Freundinnen. Manchmal mehr.“
Florin nickte anerkennend, wie ein aufgeschlossener moderner Mann. Aber ich sah, wie sich etwas in seinem Blick veränderte. Neugier. Vielleicht auch Erregung. Ich kannte das.
Die Nacht wurde kühler. Maeve zündete die Kerzen an, und im flackernden Licht sahen ihre Hände aus wie die einer Zauberin. Siobhan schenkte nach. Florin lehnte sich zurück, entspannt, ein bisschen betrunken.
„Wir könnten ein Spiel spielen“, schlug Maeve vor.
„Was für ein Spiel?“
„Wahrheit oder Pflicht. Aber für Erwachsene.“
Florin lachte. „Klingt gefährlich.“
„Nur wenn du feige bist.“
Er schaute mich an. Ich zuckte mit den Schultern. „Warum nicht?“
Maeve fing an. Sie drehte eine leere Weinflasche, die auf Florin zeigte. „Wahrheit oder Pflicht?“
„Wahrheit.“
„Hast du je davon geträumt, deine Frau mit jemand anderem zu sehen?“
Stille. Die Frage hing in der Luft wie Rauch. Florin räusperte sich. „Ja.“
Mein Magen zog sich zusammen. Nicht vor Schock – ich hatte es geahnt. Aber dass er es zugab, hier, vor ihnen, das war neu. Diese Erfahrung erinnerte mich an jenen Moment auf dem Balkon, als plötzlich alles offen auf dem Tisch lag.
Maeve lächelte. „Ehrlich. Gefällt mir.“
Die Flasche drehte sich wieder. Diesmal zeigte sie auf mich.
„Wahrheit oder Pflicht?“, fragte Siobhan.
„Pflicht.“
Siobhans Augen funkelten. „Küss Maeve.“
Ich erstarrte. Florin sagte nichts. Er schaute nur zu, die Augen halb geschlossen, eine Zigarette in der Hand, die er eigentlich nicht rauchte.
Maeve stand auf. Sie kam um den Tisch herum, beugte sich zu mir. Ihre Lippen waren weich. Noch weicher als ich dachte. Der Kuss dauerte nur Sekunden, aber ich spürte alles – ihre Hand an meinem Nacken, ihren Atem, den Geschmack von Wein und Salz. Als sie sich zurückzog, brannte mein Gesicht.

„Gut gemacht“, flüsterte sie.
Die Flasche drehte sich weiter. Die Fragen wurden intimer. Florins Hand lag plötzlich auf meinem Oberschenkel. Siobhans Finger streichelten meinen Arm. Maeve saß mir gegenüber und sah mich an, wie man ein Tier anschaut, das man zähmen will.
„Lass uns reingehen“, sagte sie irgendwann.
Niemand widersprach.
Drinnen war es warm. Die Luft roch nach Holz und Lavendel. Maeve zündete eine Kerze an, und wir setzten uns aufs Sofa. Florin saß in einem Sessel, beobachtete uns. Siobhan nahm meine Hand. Maeve kniete sich vor mich.
„Darf ich?“, fragte sie.
Ich nickte. Ich wusste nicht, worauf ich mich einließ. Aber ich wollte es wissen.
Sie schob mein Kleid hoch, langsam, fast zärtlich. Ihre Hände glitten über meine Schenkel. Siobhan küsste meinen Hals, sanft, mit geschlossenen Augen. Florin schaute zu, seine Hose spannte. Ich sah die Lust in seinem Gesicht, und statt Eifersucht fühlte ich nur… Macht. Ich genoss es, dass er zusah. Dass er nicht teilnahm. Dass er mein Vergnügen beobachtete, ohne es zu kontrollieren. Es war ein bisschen so wie in jenen Geschichten, die ich heimlich gelesen hatte – nur dass ich jetzt mittendrin war.
Maeves Mund fand seinen Weg zwischen meine Beine. Ihre Zunge war präzise, fast grausam in ihrer Geduld. Ich keuchte. Siobhan hielt mein Gesicht, küsste mich, während Maeve arbeitete. Ich verlor das Zeitgefühl. Alles verschwamm. Nur das Gefühl blieb – heiß, pulsierend, überwältigend.

„Ich will, dass du kommst“, flüsterte Maeve gegen meine Haut. Und ich tat es. Laut. Unkontrolliert. Vor meinem Mann. Vor zwei Fremden.
Danach lagen wir einfach nur da. Maeves Kopf auf meinem Bauch. Siobhans Hand in meinen Haaren. Florin saß noch immer im Sessel, schwer atmend, aber er rührte sich nicht. Er wagte es nicht.
„Das war schön“, sagte Maeve nach einer Weile.
„Ja.“
„Wir sollten es wiederholen.“
Ich lachte leise. „Vielleicht.“
Sie stand auf, zog sich an, als wäre nichts geschehen. Siobhan küsste mich ein letztes Mal auf die Stirn. „Danke“, flüsterte sie. Dann waren sie weg, einfach so, in die Nacht hinaus auf ihren Rädern.
Florin und ich blieben allein zurück. Er kam zu mir, setzte sich neben mich aufs Sofa. Sagte nichts. Ich spürte seine Hand auf meiner.
„Geht es dir gut?“, fragte er schließlich.
„Ja.“
„Ich…“ Er stockte. „Ich fand es…“
„Ich weiß.“
Er zog mich an sich. Wir blieben so sitzen, bis die Kerze heruntergebrannt war und das erste Morgenlicht durch die Fenster fiel. Und ich wusste, dass sich etwas verändert hatte. Nicht zum Schlechten. Nur… anders. Diese Nacht hatte etwas in mir geweckt, das ich nicht mehr zurückdrängen konnte – ähnlich wie all jene Momente, in denen ich zum ersten Mal wirklich gespürt hatte, was es bedeutet, begehrt zu werden. Nicht nur von einem Mann. Sondern von jemandem, der wusste, wie mein Körper funktioniert.

Am nächsten Morgen fand ich eine Notiz unter der Grillzange. „Danke für den Abend. Falls ihr je nach Dublin kommt – meldet euch. – M & S“
Florin las sie mit mir. Wir schauten uns an. Lächelten. Sagten nichts.
Aber ich wusste: Wir würden nach Dublin fahren.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.