Buchstaub und ihre Finger im Regal – Sexgeschichte

Ich hätte Lenja nie für den Typ gehalten, der sich im Zwischengeschoss der Universitätsbibliothek an mich heranmacht. Ehrlich gesagt hätte ich sie für niemanden gehalten, der überhaupt irgendwas Spontanes tut. Die Frau sortierte Bücher nach einem System, das selbst die Bibliotheksleitung nicht verstand. Alles an ihr schrie Kontrolle. Bis zu jenem Donnerstagnachmittag.

„Kannst du mir kurz helfen?“ Ihre Stimme kam von irgendwo zwischen den Regalen der romanischen Philologie. Ich klappte meinen Laptop zu und schlängelte mich durch die engen Gänge. Das Zwischengeschoss war immer verlassen um diese Uhrzeit – zu dunkel, zu stickig, zu weit weg von den eigentlichen Arbeitsplätzen.

Sie stand auf einer Trittleiter, reckte sich nach einem Band ganz oben. Ihr Pullover rutschte hoch und gab einen Streifen blasser Haut frei. „Kannst du das Ding mal festhalten? Wackelt wie bescheuert.“

Ich griff nach der Leiter, stellte mich direkt dahinter. Sie roch nach diesem altmodischen Parfum, das meine Großmutter getragen hatte, und nach Papier. Nach tausend alten Seiten.

„Nicht die Leiter.“ Ihre Stimme klang anders. Tiefer. „Mich.“

Meine Hände fanden ihre Hüften wie von selbst. Sie lehnte sich weiter zurück, ihr Gewicht gegen meine Handflächen. „Besser.“

Das Buch interessierte sie überhaupt nicht mehr. Ich merkte es daran, wie sie innehielt, wie ihre Finger auf dem Regalrand lagen, ohne irgendetwas zu greifen. Wie ihr Atem schneller wurde.

„Lenja…“

„Halt einfach die Klappe.“ Sie drehte sich auf der Leiter um, jetzt stand ich zwischen ihren Beinen. Ihre Augen waren grüngrau, mit winzigen braunen Sprenkeln, die mir noch nie aufgefallen waren. „Ich hab dich jetzt drei Monate hier rumlaufen sehen. Mit deinem verdammten Kaffeebecher und deinem scheuen Blick.“

„Scheu?“

„Als wärst du hier im Praktikum für Unnahbarkeit.“ Sie beugte sich vor, ihre Lippen fast an meinem Ohr. „Dabei weiß ich genau, dass du mich anstarrst, wenn ich mich bücke.“

Mein Herz hämmerte. „Tue ich nicht.“

„Lügnerin.“ Sie biss mir ins Ohrläppchen, nicht sanft. Ich keuchte auf, meine Finger gruben sich in ihre Hüften. „Ich mag Lügnerinnen.“

Dann küsste sie mich, und es war überhaupt nicht, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nicht weich oder fragend. Es war fordernd, fast wütend, ihre Zunge in meinem Mund, ihre Hand in meinem Nacken. Ich schmeckte Kaffee und Minze und etwas Verzweifeltes.

Sie rutschte von der Leiter, drückte mich rückwärts gegen das Regal gegenüber. Bücher bohrten sich in meinen Rücken. Ihr Knie schob sich zwischen meine Oberschenkel, und ich musste mich zusammenreißen, nicht laut zu stöhnen.

„Hier?“ flüsterte ich. „Jemand könnte—“

„Das ist der Sinn.“ Ihre Hand wanderte unter meinen Pullover, Finger kalt auf meiner Haut. „Du willst mir doch nicht erzählen, dass dich das nicht anmacht.“

Es machte mich an. Verdammt. Ich war schon feucht, spürte es, und sie wusste es. Ihr Grinsen verriet alles.

„Dreh dich um.“

Ich gehorchte, meine Handflächen flach gegen das Regal gepresst. Sie trat hinter mich, ihr Körper hart gegen meinen Rücken. Ihre Lippen fanden meinen Nacken, saugten, bissen. Ihre Hände schoben sich um meine Taille, öffneten den Knopf meiner Jeans mit einer Sicherheit, die mich erzittern ließ.

„Lenja, warte—“

„Wozu?“ Der Reißverschluss glitt nach unten. „Du willst das. Ich will das. Und keiner kommt hier hoch.“

Ihre Hand rutschte in meine Hose, über den Stoff meines Slips. Ich biss mir auf die Lippe, meine Knie wurden weich. Sie rieb langsam, kreisend, durch den dünnen Baumwollstoff hindurch.

„Schon so nass,“ murmelte sie gegen meinen Hals. „Wie lange ist das schon so? Wie lange willst du das schon?“

„Seit…“ Ich konnte nicht klar denken. „Seit dem ersten Tag.“

„Gutes Mädchen.“ Sie schob den Slip zur Seite, ihre Finger fanden mich direkt, feucht und geschwollen. Ich presste meine Stirn gegen einen Buchrücken – irgendwas mit Dante – und versuchte, leise zu bleiben.

Sie nahm sich Zeit. Streichelte mich, erkundete jeden Winkel, als würde sie eine Landkarte studieren. Dann glitt ein Finger in mich hinein, langsam, und ich vergaß zu atmen.

„Mehr?“ Sie bewegte sich nicht, wartete auf eine Antwort.

„Ja. Bitte.“

Ein zweiter Finger gesellte sich dazu, dehnte mich, füllte mich aus. Sie begann einen Rhythmus, gleichmäßig, tief, ihr Daumen kreiste über meinen Kitzler. Ich spürte, wie ich mich um sie herum zusammenzog, wie mein ganzer Körper sich anspannte.

„Nicht so schnell.“ Sie verlangsamte, fast grausam. „Ich will dich dabei ansehen.“

Sie zog ihre Hand zurück, und ich hätte heulen können vor Frustration. Dann drehte sie mich um, drückte mich erneut gegen das Regal, diesmal mein Gesicht zu ihr gewandt. Unsere Blicke trafen sich, während ihre Hand zurückkehrte, noch entschiedener als zuvor.

„Augen offen,“ befahl sie.

Es war intensiver so. Zu intim. Ich sah jede Regung in ihrem Gesicht, die Konzentration, das Begehren, etwas das fast wie Zärtlichkeit aussah. Ihre Finger pumpten in mich hinein, ihr Daumen rieb fester, schneller.

„Lenja, ich—“

„Ich weiß.“ Sie küsste mich, schluckte mein Stöhnen, als die erste Welle mich überrollte. Mein ganzer Körper bebte, klammerte sich an sie, während sie weitermachte, mich durch den Orgasmus hindurchführte, bis ich zitternd und atemlos an ihr hing.

Sie zog ihre Hand zurück, leckte ihre Finger ab, ohne den Blickkontakt zu brechen. „Du schmeckst wie erwartet.“

„Und wie war das?“

„Nach schlechtem Gewissen und Lust.“ Sie grinste. „Meine Lieblingskombination.“

Ich griff nach ihr, wollte den Gefallen erwidern, aber sie wich zurück. „Nicht hier. Nicht jetzt.“

„Aber—“

„Bei mir zuhause.“ Sie richtete meine Kleidung, strich eine Haarsträhne aus meinem Gesicht. Die Geste war unerwartet sanft. „Wenn du das willst. Mit mehr Zeit. Und weniger Büchern.“

Ich nickte, noch immer benommen. Sie kramte einen Stift aus ihrer Tasche, schrieb etwas auf meinen Handrücken. Eine Adresse. Eine Uhrzeit – 20 Uhr.

„Komm vorbei.“ Sie küsste mich noch einmal, kurz, fast keusch. „Und erwarte nicht, dass ich nett bin.“

Dann war sie weg, verschwand zwischen den Regalen, als wäre nichts gewesen. Nur der pochende Rhythmus zwischen meinen Beinen und die verschmierte Tinte auf meiner Haut bewiesen, dass es real gewesen war.

Ich stand da, lehnte mich gegen das Regal, versuchte, meinen Herzschlag zu beruhigen. Über mir ragten die Bücher auf, stumme Zeugen. Irgendwo weiter hinten quietschte ein Stuhl. Die Bibliothek lebte weiter, als hätte sich die Welt nicht gerade verschoben.

Auf dem Rückweg zu meinem Platz fiel mir ein Buch auf, das Lenja liegengelassen hatte. Es war ein schmaler Band über mittelalterliche Fesselkunst. Ich schluckte trocken und fragte mich, ob sie das mit Absicht dort platziert hatte.

Ich schaffte es nicht, mich zu konzentrieren. Die Worte auf meinem Bildschirm verschwammen. Stattdessen starrte ich auf die Adresse auf meinem Handrücken, bis die Bibliothek um sieben Uhr schloss.

Die Straßenbahn brauchte eine Ewigkeit. Ich checkte dreimal die Adresse, ging an ihrem Haus zweimal vorbei, bevor ich den Mut fand zu klingeln. Es war ein Altbau, dritter Stock, eine rote Tür mit abblätternder Farbe.

Sie öffnete in einem Bademantel. Nichts drunter, soweit ich sehen konnte. Ihre Haare waren feucht.

„Pünktlich.“ Sie trat zur Seite. „Das mag ich.“

Die Wohnung war überraschend. Keine Bücherregale bis unter die Decke, wie ich erwartet hatte. Stattdessen minimalistisch, fast karg. Ein großes Bett dominierte den einzigen Raum, daneben ein Regal mit Dingen, die mich gleichzeitig faszinierten und nervös machten.

„Trink was?“ Sie reichte mir ein Glas Wein, ohne auf eine Antwort zu warten.

„Was… was genau machen wir hier?“ Meine Stimme klang dünner als beabsichtigt.

Sie trat näher, nahm mir das Glas wieder ab, stellte es weg. „Was willst du, dass wir machen?“

„Ich weiß nicht.“ Ehrliche Antwort. „Ich hab so was noch nie…“

„Mit einer Frau?“

„Auch. Aber ich meine… so. So intensiv. So schnell.“

Sie lächelte, aber es war nicht spöttisch. „Wir können es langsam angehen. Oder schnell. Oder gar nicht.“ Ihre Finger strichen über meine Wange. „Du bestimmst das Tempo.“

„Ich dachte, du bestimmst.“

„Nur wenn du es willst.“ Sie küsste mich, diesmal sanfter. „Sag mir, was du willst, und ich geb’s dir.“

Ich schluckte. „Ich will… ich will, dass du die Kontrolle übernimmst. Wie heute. Aber mehr.“

Ihr Lächeln vertiefte sich. „Okay. Dann zieh dich aus.“

Ich gehorchte, meine Finger zitterten an den Knöpfen. Sie sah zu, regungslos, bis ich nackt vor ihr stand. Dann ging sie zum Regal, kam mit etwas Seidigem zurück.

„Hände.“

Sie band meine Handgelenke zusammen, nicht zu fest, aber fest genug. Die Seide fühlte sich kühl an auf meiner Haut. Dann führte sie mich zum Bett, drückte mich sanft nach unten.

„Wenn es zu viel wird, sagst du Rot. Verstanden?“

Ich nickte.

„Sag es.“

„Rot. Ich sage Rot, wenn es zu viel wird.“

„Braves Mädchen.“

Der Bademantel fiel zu Boden. Sie war atemberaubend – bleiche Haut, kleine feste Brüste, eine schmale Narbe über ihrer Hüfte. Sie kniete sich über mich, ihre Oberschenkel zu beiden Seiten meines Kopfes.

„Jetzt machst du mich fertig,“ sagte sie leise. „Mit deiner Zunge.“

Ich hatte das noch nie gemacht. Aber als sie sich senkte, als ich sie das erste Mal schmeckte – salzig, süß, komplett Lenja – wusste ich genau, was zu tun war. Ich leckte sie, erkundete sie, fand heraus, welche Bewegungen sie zum Stöhnen brachten, welche ihren Griff in meinen Haaren fester werden ließen.

Sie kam auf meinem Gesicht, bebend, meinen Namen keuchend. Dann ließ sie sich neben mich fallen, ihre Hand wanderte zwischen meine Beine, und wir begannen von vorn. Langsamer diesmal. Sie nahm sich Zeit, erkundete jeden Zentimeter meines Körpers, fand Stellen, von denen ich nicht wusste, dass sie existierten.

Als ich zum dritten Mal kam, war es schon nach Mitternacht. Wir lagen verschwitzt und erschöpft ineinander verknäult. Sie löste die Fesseln, massierte meine Handgelenke.

„Alles okay?“

„Mehr als okay.“ Ich drehte mich zu ihr. „Das war…“

„Spontan?“

Ich lachte. „Das auch.“

Sie strich mir eine Strähne aus der Stirn. „Bleibst du?“

„Sollte ich nicht?“

„Doch. Solltest du.“ Sie küsste mich, sanft diesmal. „Ich mag dich, Neela. Nicht nur für das. Auch so.“

Etwas in meiner Brust wurde warm. „Ich dich auch.“

Wir schliefen ein, ihre Hand auf meiner Hüfte, und zum ersten Mal seit Monaten fühlte ich mich vollständig. Am nächsten Morgen wachte ich auf, und sie brachte mir Kaffee ans Bett. Wir redeten. Über alles und nichts. Über die Bibliothek und was wir beide dort gesucht hatten, bevor wir einander fanden.

„Kommst du wieder?“ fragte sie, als ich mich anzog.

„Heute Abend?“

Sie grinste. „Zu gierig?“

„Vielleicht.“ Ich küsste sie. „Aber du hast mich ja verdorben.“

„Noch lange nicht.“ Sie zog mich zurück aufs Bett. „Aber wir haben Zeit.“

Und das hatten wir. Alle Zeit der Welt.

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