Ich wusste, dass es ein Fehler war. Wusste es in dem Moment, als Philomène mich ansah – über die Reben hinweg, Schweiß auf der Stirn, ihre Haare zu einem chaotischen Knoten gebunden. Aber manchmal ist das Wissen um einen Fehler nicht genug, um ihn zu verhindern.
Die Weinlese auf dem Gut von Herrn Bertrand war kein Zuckerschlecken. Seit drei Wochen buckelte ich mich zwischen den Rebstöcken, schnitt Trauben ab, schleppte Körbe, atmete den schweren Duft von gärendem Traubensaft. Die anderen Erntehelfer waren okay – ein paar Studenten wie ich, ein älterer Franzose namens Marcel, der mehr rauchte als arbeitete, und dann war da noch sie.
Philomène.
Sie war anders. Nicht die typische Backpackerin, die sich für drei Wochen als Erntehelfer verdingte, um danach weiterzuziehen. Sie gehörte hierher, irgendwie. Ihre Bewegungen zwischen den Reben waren fließend, ihre Hände schnell und präzise. Und sie redete nicht viel. Das mochte ich.

An diesem Tag war die Hitze brutal. Schon am Vormittag über dreißig Grad, und Bertrand trieb uns an wie immer. „Schneller, schneller! Die Trauben warten nicht!“ Seine Stimme hallte über die Hänge.
Ich arbeitete mich durch meine Reihe, als ich sie plötzlich neben mir spürte. Nicht sah – spürte. Diese Frau hatte eine Präsenz, die jeden Raum füllte, selbst hier draußen unter freiem Himmel.
„Du bist langsam“, sagte sie. Keine Frage, eine Feststellung.
„Bin ich nicht.“
„Doch, bist du.“ Sie lächelte nicht. „Du schneidest falsch. Zu vorsichtig.“
Ich richtete mich auf, wischte mir den Schweiß aus den Augen. „Wenn du meinst.“
„Zeig mir deine Hände.“
„Was?“
„Deine Hände. Zeig sie mir.“
Ich streckte sie ihr hin, verwirrt. Sie nahm sie, drehte sie um, betrachtete die Schwielen, die sich in den letzten Wochen gebildet hatten. Ihre Finger waren rau, aber ihr Griff war fest. Bestimmt.
„Gut“, sagte sie. „Du kannst also arbeiten. Aber du denkst zu viel nach.“
„Und das ist schlecht?“
„Hier schon.“ Sie ließ meine Hände los, aber nicht bevor ihre Daumen kurz über meine Handflächen strichen. „Bei der Lese musst du fühlen, nicht denken.“
Ich hätte irgendwas Cleveres sagen sollen, aber mir fiel nichts ein. Sie verschwand wieder in ihrer Reihe, und ich stand da wie ein Idiot.
Am Nachmittag wurde es noch heißer. Bertrand ließ uns eine Pause machen, und die meisten verkrochen sich im Schatten der alten Scheune. Ich nicht. Ich ging weiter nach oben, wo die Reben dichter wuchsen und der Blick über das Tal atemberaubend war. Es erinnerte mich an die Geschichten, die manche erzählten – vom besonderen Zauber zwischen Weinreben, wo die Hitze nicht nur von der Sonne kam.
Ich hatte gerade eine Flasche Wasser angesetzt, als sie auftauchte.
„Du suchst die Einsamkeit?“
Ich zuckte zusammen, verschluckte mich. „Verdammt, Philomène. Musst du so anschleichen?“
„Ich schleiche nicht. Du bist nur unaufmerksam.“ Sie setzte sich neben mich auf die Steinmauer, ohne zu fragen. „Warum bist du hier?“
„Bei der Weinlese? Brauche das Geld für—“
„Nicht das. Warum bist du hier oben? Allein?“
Ich zögerte. „Mag die Stille.“
„Lügner.“ Sie nahm mir die Flasche aus der Hand, trank, gab sie zurück. „Du magst die Kontrolle. Hier oben hat dich niemand im Blick. Du kannst aufhören zu funktionieren.“

Das traf näher, als mir lieb war. „Psychologin in deiner Freizeit?“
„Menschenkennerin.“ Sie sah mich an, und zum ersten Mal bemerkte ich die Farbe ihrer Augen. Grau-grün, wie Olivenblätter im Morgenlicht. „Du bist verkrampft. Die ganze Zeit. Als hättest du Angst, einen Fehler zu machen.“
„Vielleicht hab ich die auch.“
„Wovor?“
„Weiß nicht. Vor allem?“
Sie lachte. Nicht freundlich, eher spöttisch. „Das ist ermüdend. Für dich selbst am meisten.“
„Danke für die Lebensberatung.“
„Keine Ursache.“ Sie rutschte näher. Nicht viel, aber genug, dass ich die Hitze ihrer Haut spürte. „Du brauchst jemanden, der dir zeigt, dass Kontrollverlust nicht das Ende bedeutet.“
Mein Herzschlag beschleunigte sich. „Und du willst diese Jemand sein?“
„Vielleicht.“ Ihre Hand lag plötzlich auf meinem Oberschenkel. Nicht zaghaft, nicht fragend. Einfach da. „Wenn du den Mut hast.“
Ich hätte Nein sagen können. Hätte aufstehen, zurück zu den anderen gehen können. Stattdessen blieb ich sitzen und sah zu, wie ihre Finger langsam höher wanderten.
„Hier?“, flüsterte ich. „Jeder könnte—“
„Macht es dich an?“ Sie beugte sich vor, ihre Lippen fast an meinem Ohr. „Der Gedanke, dass jemand uns sehen könnte?“
Meine Antwort war ein Stöhnen, als ihre Hand über meinen Schritt strich. Ich war schon hart, peinlich schnell.
„Siehst du“, murmelte sie. „Du willst es. Du willst loslassen.“
Sie öffnete meinen Gürtel, den Knopf meiner Jeans. Ihre Bewegungen waren effizient, fast geschäftsmäßig, aber in ihren Augen lag etwas anderes. Hunger. Macht.
„Philomène—“
„Still.“ Sie schob meine Jeans herunter, gerade genug. Ihre Hand umfasste mich, fest und warm, und ich keuchte auf. „Du redest zu viel. Hör auf zu denken.“
Sie begann, mich zu wichsen. Langsam erst, fast quälend, dann schneller. Ich krallte mich an der Steinmauer fest, mein Kopf fiel nach hinten. Die Hitze, der Duft der Reben, ihre Hand – es verschmolz zu einer Welle, die mich mitzureißen drohte.
„Schau mich an“, befahl sie.
Ich tat es. Ihre Augen bohrten sich in meine, während ihre Hand weitermachte. Unbarmherzig. Perfekt.

„Bitte“, stieß ich hervor.
„Bitte was?“
„Ich—“
„Sag es.“
„Ich komme gleich—“
„Dann komm.“ Sie beschleunigte, ihre freie Hand packte meinen Nacken, hielt meinen Kopf fest. „Zeig mir, wie sehr du die Kontrolle verlierst.“
Ich explodierte. Mein ganzer Körper spannte sich an, und ich kam so heftig, dass mir die Sicht verschwamm. Sie hörte nicht auf, melkte jeden letzten Tropfen aus mir heraus, während ich zitternd auf der Mauer zusammensackte.
Als ich wieder klar denken konnte, säuberte sie ihre Hand an einem Taschentuch, als wäre nichts gewesen. „Besser?“
„Ich—ja.“
„Gut.“ Sie stand auf, klopfte sich den Staub von der Hose. „Dann kannst du jetzt vielleicht vernünftig arbeiten.“
„Warte.“ Ich fasste nach ihrem Handgelenk. „Und du?“
Sie lächelte. Zum ersten Mal richtig. „Ich habe, was ich wollte.“
„Was?“
„Dich außer Kontrolle sehen.“ Sie beugte sich herunter, küsste mich kurz. Hart. „Aber wenn du dich revanchieren willst… heute Abend. Nach Feierabend. Der alte Weinkeller hinter der Scheune.“
Bevor ich antworten konnte, war sie weg.
Den Rest des Tages arbeitete ich wie im Rausch. Nicht müde, nicht erschöpft. Elektrisiert. Die anderen bemerkten es.
„Du strahlst ja richtig“, meinte Marcel grinsend. „Hast wohl gut geschlafen?“
„Irgendetwas in der Art.“
Als die Sonne endlich unterging und Bertrand uns entließ, wartete ich, bis die anderen verschwunden waren. Diese Spannung zwischen Kollegen war mir nicht fremd – aber noch nie hatte ich mich so auf eine Verabredung gefreut. Dann schlich ich zum Weinkeller. Die Tür stand einen Spalt offen.
Drinnen war es kühl, dunkel. Der Geruch von altem Holz und vergorenem Wein hing in der Luft. Ich sah sie erst nicht.
„Schließ die Tür“, sagte ihre Stimme aus dem Schatten.
Ich tat es. Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnten, erkannte ich sie. Sie lehnte an einem der großen Holzfässer, die Arme verschränkt.
„Ich dachte schon, du kommst nicht.“
„Würde ich das riskieren?“
„Manche Männer haben Angst vor Frauen wie mir.“
„Ich nicht.“
„Das werden wir sehen.“ Sie kam auf mich zu, langsam. Wie eine Raubkatze. „Ausziehen.“
„Was?“
„Du hast mich verstanden.“
Ich zögerte nur kurz, dann zog ich mein Shirt über den Kopf. Die Jeans. Unterwäsche. Stand nackt vor ihr, während sie vollständig angezogen blieb.
„Gut“, murmelte sie. „Sehr gut.“ Ihre Finger glitten über meine Brust, meinen Bauch. „Du gibst gern ab, oder? Die Verantwortung. Die Entscheidungen.“

„Vielleicht.“
„Nicht vielleicht.“ Sie packte mich an den Haaren, nicht brutal, aber bestimmt. „Heute Nachmittag hast du mir alles gegeben. Und jetzt willst du mehr.“
„Ja.“
„Dann knie dich hin.“
Ich tat es. Der Boden war kalt unter meinen Knien, aber ich spürte es kaum. Sie trat vor mich, öffnete ihre Jeans. Was folgte, war kein sanftes Spiel – es war fordernd, intensiv, genau das, wonach ich mich gesehnt hatte.
„Zeig mir, wie dankbar du bist“, sagte sie.
Ich zog ihre Jeans herunter, küsste ihre Oberschenkel. Sie schmeckte nach Salz und Sommer. Meine Zunge fand ihren Weg, und sie stöhnte leise auf, ihre Finger vergruben sich in meinen Haaren.
„Genau so“, flüsterte sie. „Nicht aufhören.“
Ich machte weiter, ließ mich von ihren Geräuschen leiten. Als sie kam, zitterten ihre Beine, und sie stützte sich am Fass ab.
„Verdammt“, keuchte sie. Dann zog sie mich hoch, küsste mich wild. „Du lernst schnell.“
„Gute Lehrerin.“
Sie drehte mich um, drückte mich gegen das Fass. „Noch nicht fertig mit dir.“
Was dann folgte, war ein verschwommener Rausch aus Hitze und Berührungen. Ihre Hand um meinen Schwanz, ihre Zähne in meiner Schulter, ihr Flüstern in meinem Ohr. Es fühlte sich verboten an, falsch und gleichzeitig so verdammt richtig – diese Art von Affäre, die man nicht plant.

Als wir beide erschöpft auf dem Boden lagen, die Kleider halb wieder angezogen, lachte sie leise.
„Was?“, fragte ich.
„Nichts. Nur… du bist nicht mehr so verkrampft.“
„Danke, nehme ich an.“
„Keine Ursache.“ Sie stand auf, streckte mir die Hand hin. „Komm. Bevor jemand uns sucht.“
Draußen war die Nacht hereingebrochen. Die Sterne funkelten über den Reben, und die Luft war endlich kühl.
„Philomène?“
„Ja?“
„Das war… das war nicht nur eine einmalige Sache, oder?“
Sie sah mich an, und in ihrem Lächeln lag alles und nichts. „Was denkst du?“
Dann verschwand sie in der Dunkelheit, und ich blieb zurück mit dem Wissen, dass die nächsten Wochen interessant werden würden. Sehr interessant.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.