Ich hätte ahnen müssen, dass dieser Tag anders enden würde, als ich morgens das Weingut betrat. Die Luft war dick vom Duft reifer Trauben, und Herr Velaris stand bereits zwischen den Rebzeilen, die Ärmel hochgekrempelt, ein Bild von Macht und Entschlossenheit. Sein Name passte zu ihm – dunkel, fremdartig, wie aus einer anderen Zeit gefallen.
„Linnea“, rief er, ohne sich umzudrehen. „Wir haben viel vor heute.“
Seit drei Jahren arbeitete ich auf seinem Weingut, hatte mich vom einfachen Erntehelfer zur Kellermeisterin hochgearbeitet. Velaris war ein anspruchsvoller Chef, selten zufrieden, noch seltener großzügig mit Lob. Aber er war brilliant. Unter seiner Leitung hatte das Gut Auszeichnungen gewonnen, die vorher undenkbar gewesen wären.
„Die Südlagen sind reif“, sagte er, als ich zu ihm trat. „Heute ernten wir. Alles.“
Ich nickte. Das bedeutete einen Zwölfstundentag, mindestens. Aber die Trauben warteten nicht, und Velaris hatte ein Gespür für den perfekten Moment, das grenzenlos war.
Die Stunden vergingen in einem Rausch aus Arbeit. Meine Hände wurden klebrig vom Traubensaft, mein Rücken schmerzte, aber ich fühlte mich lebendig. Velaris arbeitete neben uns allen, nicht über uns. Das respektierte ich an ihm. Er forderte nichts, was er nicht selbst zu geben bereit war.
Als die Sonne unterging, waren die letzten Kisten gefüllt. Die anderen Helfer verabschiedeten sich, müde und zufrieden. Ich blieb, wie immer, um die Pressung vorzubereiten.
„Komm mit in den Keller“, sagte Velaris. Seine Stimme klang anders. Tiefer. „Ich will dir etwas zeigen.“

Der Weinkeller lag unter dem Haupthaus, eine Kathedrale aus Stein und Holz, wo hunderte Fässer in der kühlen Dunkelheit reiften. Velaris führte mich zu einem abgelegenen Bereich, den ich noch nie betreten hatte. Er schloss eine schwere Tür auf, und dahinter eröffnete sich ein Raum, der mich sprachlos machte.
Es war ein Labor. Aber nicht wie die übrigen Kellerräume. Hier standen Geräte, die ich nicht einordnen konnte – Apparaturen aus Glas und Metall, die in einem sanften Blau pulsierten, als würden sie atmen. An den Wänden schimmerten Displays mit Daten, die sich ständig veränderten.
„Was ist das?“, flüsterte ich.
„Die Zukunft“, antwortete Velaris. Er trat zu einem der Geräte, legte seine Hand auf eine Oberfläche, die sofort aufleuchtete. „Oder besser gesagt: die Gegenwart. Meine Gegenwart.“
Er drehte sich zu mir um, und in seinen Augen lag etwas, das ich noch nie gesehen hatte. Verletzlichkeit.
„Ich bin nicht von hier, Linnea. Nicht von dieser Zeit.“
Mein Verstand weigerte sich, die Worte zu verarbeiten. „Was meinst du?“
„Ich komme aus einer Zukunft, in der die Erde kein Wein mehr wächst. Keine Trauben. Nichts. Wir haben alles zerstört.“ Seine Stimme wurde brüchig. „Ich bin zurückgekommen, um zu bewahren, was wir verloren haben. Um zu verstehen, was wir falsch gemacht haben.“
Ich hätte lachen sollen. Hätte gehen sollen. Aber etwas in seiner Stimme, in der Art, wie er mich ansah, hielt mich fest. Diese intensive Nähe zwischen uns war nicht neu – sie hatte schon lange geschwelt, unausgesprochen, gefährlich.
„Zeig es mir“, sagte ich. „Beweise es.“
Er lächelte traurig und trat an eine Konsole. Seine Finger tanzten über Oberflächen, die auf seine Berührung reagierten. Plötzlich materialisierte sich ein Hologramm in der Luft – eine Erdkugel, braun und leblos.
„2247″, sagte er leise. „So sieht sie aus, wenn ich nicht erfolgreich bin.“
Mir wurde schwindelig. Das war zu viel. Zu real. Die Technologie, die hier vor mir lag, war nichts, was es in unserer Welt gab. Nichts, was existieren sollte.
„Warum erzählst du mir das?“
Er kam näher, so nah, dass ich seinen Atem spüren konnte, der nach Erde und Trauben roch. „Weil du die Einzige bist, die die Weinherstellung versteht wie ich. Weil ich dich brauche. Und…“ Er zögerte. „Weil ich dich will. Seit dem ersten Tag.“
Die Luft zwischen uns knisterte. Seine Hand hob sich, berührte meine Wange, und ich schmolz in diese Berührung hinein, als hätte ich mein ganzes Leben darauf gewartet.

„Das ist falsch“, flüsterte ich. „Du bist mein Chef.“
„Ich bin ein Fremder in einer fremden Zeit“, antwortete er. „Nichts hier folgt den Regeln, die du kennst. Auch das nicht.“
Er küsste mich, und es fühlte sich an wie fallen. Seine Lippen waren weich, aber fordernd, und ich erwiderte den Kuss mit einer Heftigkeit, die mich selbst überraschte. Alle unterdrückte Spannung der letzten Jahre brach aus mir heraus.
Seine Hände glitten über meinen Körper, hinterließen Spuren von Wärme auf meiner Haut. Er zog mich näher, presste mich gegen die kühle Wand des Kellers, und ich spürte seine Härte durch den Stoff unserer Kleidung.
„Ich habe davon geträumt“, murmelte er gegen meinen Hals. „So viele Nächte. Wie du dich anfühlen würdest. Wie du schmecken würdest.“
Seine Worte machten mich schwindelig vor Verlangen. Ich wollte mehr. Wollte alles.
„Dann nimm es“, keuchte ich.
Er löste sich von mir, nur um mein Shirt über meinen Kopf zu ziehen. Sein Blick auf meinem entblößten Oberkörper war so intensiv, dass ich mich nackt fühlte, obwohl ich noch immer Jeans trug. Er küsste meinen Hals, meine Schultern, arbeitete sich langsam nach unten, bis seine Lippen meine Brüste erreichten.
Ich stöhnte auf, als seine Zunge über meine Brustwarze strich. Meine Finger gruben sich in sein Haar, hielten ihn fest, als könnte er verschwinden, wenn ich ihn losließ.
„Hier nicht“, sagte ich atemlos. „Zu kalt.“
Er lachte leise, ein Klang, der durch meinen ganzen Körper vibrierte. Mit einer fließenden Bewegung hob er mich hoch, trug mich zu einem Raum nebenan. Dort stand ein breites Lager aus Pelzen und weichen Decken – offensichtlich hatte er hier unten gewohnt, in seiner geheimen Welt unter dem Weingut.
Er legte mich sanft ab, folgte mir sofort nach unten. Seine Hände öffneten meine Jeans, schoben sie zusammen mit meiner Unterwäsche nach unten, und dann war ich nackt vor ihm, exponiert und verletzlich und voller Verlangen.

„Du bist wunderschön“, sagte er mit einer Ehrfurcht in der Stimme, die mich zittern ließ. „Perfekt.“
Er entkleidete sich selbst, schnell und effizient, und dann lag er über mir, seine Haut heiß gegen meine. Ich spürte ihn, hart und bereit, und mein Körper öffnete sich in Erwartung.
„Bist du sicher?“, fragte er, seine Augen suchten meine.
„Ja“, antwortete ich ohne zu zögern. „Ja.“
Er drang in mich ein, langsam, kontrolliert, und ich spürte, wie ich mich um ihn schloss. Es fühlte sich richtig an, als hätten wir genau hierher gehört, in diesen Moment, in diese unmögliche Situation zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Wir bewegten uns zusammen, fanden einen Rhythmus, der älter war als die Zeit selbst. Seine Hände hielten meine Hüften fest, führten mich, während ich mich ihm entgegen bewegte. Die Welt außerhalb dieses Raumes existierte nicht mehr – es gab nur uns, unsere Körper, die Hitze zwischen uns.
„Linnea“, stöhnte er meinen Namen wie ein Gebet. „Gott, Linnea.“
Ich spürte, wie die Spannung in mir anstieg, sich aufbaute wie eine Welle. Seine Finger fanden meinen empfindlichsten Punkt, strichen darüber mit genau dem richtigen Druck, und ich explodierte. Der Orgasmus riss durch mich hindurch, ließ mich schreien, während mein Körper sich um ihn verkrampfte.
Sekunden später folgte er mir, stieß ein letztes Mal tief in mich hinein, und ich spürte, wie er in mir pulsierte, sich ergoss. Wir hielten einander fest, zitternd, atemlos, während die Wellen des Vergnügens langsam abebbten.

Danach lagen wir still, verschlungen, während unsere Atemzüge sich normalisierten. Seine Finger strichen sanft über meinen Rücken, zeichneten unsichtbare Muster auf meine Haut.
„Was passiert jetzt?“, fragte ich leise.
„Ich weiß es nicht“, antwortete er ehrlich. „Ich weiß nicht, wie lange ich bleiben kann. Oder ob ich überhaupt erfolgreich sein werde mit meiner Mission.“
„Und wenn du gehen musst?“
Er küsste meine Stirn. „Dann werde ich diese Nacht mit mir tragen. In welche Zukunft auch immer.“
Ich wusste nicht, ob ich ihm glauben sollte. Ob irgendwas davon real war oder nur ein wahnsinniger Traum. Aber in diesem Moment, in der Wärme seiner Arme, im Nachglühen dessen, was wir geteilt hatten, war es mir egal.
„Zeig mir mehr“, sagte ich schließlich. „Von deiner Technologie. Von dem, was du tust.“
Er lächelte, und zum ersten Mal sah ich echte Hoffnung in seinen Augen. „Wirklich?“
„Wenn du schon die Regeln brichst„, sagte ich mit einem schiefen Grinsen, „dann will ich dabei sein. Ganz oder gar nicht.“
Wir standen auf, kleideten uns an, und er führte mich durch sein Labor, erklärte mir Dinge, die mein Verstand kaum fassen konnte. Genetische Konservierung. Temporale Stabilisatoren. Methoden, die Essenz eines Weines über Jahrhunderte zu bewahren.
Ich verstand nicht alles, aber ich verstand genug. Genug, um zu wissen, dass das, was hier geschah, wichtiger war als alles, was ich je getan hatte. Und dass der Mann neben mir, dieser mysteriöse Velaris aus einer anderen Zeit, vielleicht tatsächlich die Welt retten konnte.
„Ich helfe dir“, sagte ich. „Bei allem.“
Er zog mich an sich, küsste mich sanft. „Danke.“
In dieser Nacht veränderte sich alles. Meine Arbeit wurde zu einer Mission. Mein Chef wurde zu meinem Geliebten. Und die Zukunft, die vorher so klar erschienen war, wurde zu einem Rätsel voller Möglichkeiten.
Manchmal, wenn wir spät abends im Keller arbeiten, umgeben von surrenden Maschinen und dem Duft reifenden Weins, fragt er mich, ob ich meine Entscheidung bereue. Ob ich zurück möchte zu dem einfachen Leben, das ich vorher hatte.
Dann ziehe ich ihn zu mir, küsse ihn, und erinnere ihn daran, dass manche Dinge keine Wahl sind. Sie passieren einfach, so intensiv und unvermeidlich wie die Weinlese selbst.

Und wenn die Welt da draußen zusammenbricht, wie er sagt, dann wenigstens nicht, ohne dass wir alles versucht haben. Nicht ohne dass wir jeden Moment gelebt haben, jede Berührung, jeden gestohlenen Augenblick in diesem unmöglichen Keller, wo Vergangenheit und Zukunft sich treffen.
Der Traubensaft an jenem Tag war süßer als je zuvor. Oder vielleicht lag es nur daran, dass ich ihn von seinen Lippen schmeckte, in der Dunkelheit unter dem Weingut, wo ein Mann aus der Zukunft mir zeigte, dass manche Grenzen nur dafür da sind, überschritten zu werden.
Seine Forderung war einfach gewesen: Vertrauen. Und ich hatte es ihm gegeben, vollständig und ohne Vorbehalt. Was daraus geworden ist? Das ist eine Geschichte, die noch geschrieben wird. Vielleicht in einer Zukunft, die wir gemeinsam retten. Oder in Erinnerungen, die selbst die Zeit nicht auslöschen kann.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.