Das Seil lag zusammengerollt auf meinem Küchentisch, als Vian klingelte. Ich hatte es zwei Tage zuvor gekauft, ohne genau zu wissen warum. Es war nicht das erste Mal, dass mich solche Impulse überfielen – dieses Ziehen im Bauch, wenn ich an bestimmte Dinge dachte. An bestimmte Menschen.
„Hast du Lust auf eine Wanderung?“ Vian stand in der Tür, die Augen leuchtend wie immer, wenn er einen seiner spontanen Pläne hatte. „Die alte Berghütte am Grat – ich war seit Jahren nicht mehr da.“
Wir wohnten seit acht Monaten Tür an Tür. Er machte was mit Grafikdesign, arbeitete nachts, schlief tagsüber. Ich hatte ihn anfangs kaum wahrgenommen – bis zu jenem Abend im Treppenhaus, als seine Hand meinen Arm streifte und etwas in mir aufflackerte wie Zunder an einer Flamme.
„Klar“, sagte ich. „Gib mir fünf Minuten.“
Ohne nachzudenken stopfte ich das Seil in meinen Rucksack.
Der Weg nach oben war steiler, als ich in Erinnerung hatte. Vian ging voraus, seine Bewegungen geschmeidig und selbstsicher. Die Herbstsonne wärmte uns den Rücken, aber je höher wir kamen, desto kühler wurde die Luft. Als wir die Hütte erreichten, war der Himmel bereits grau angelaufen.
„Sieht nach Regen aus“, murmelte Vian und drückte die knarrende Tür auf.
Drinnen roch es nach altem Holz und kaltem Rauch. Ein Kamin stand in der Ecke, daneben lagen noch ein paar trockene Scheite. Vian machte sich sofort daran, Feuer zu machen, während ich mich umschaute. Es gab nicht viel: einen wackeligen Tisch, zwei Stühle, eine Pritsche mit einer verstaubten Decke.
„Gemütlich“, sagte ich ironisch.
„Kommt drauf an, mit wem man hier ist.“ Er sah mich nicht an, als er das sagte, aber sein Ton hatte etwas Spielerisches.
Die ersten Flammen fraßen sich ins Holz. Ich setzte mich auf den Boden und lehnte mich gegen die Wand. Vian ließ sich neben mich sinken, nah genug, dass ich die Wärme seines Körpers spürte.

„Warum hast du ein Seil dabei?“, fragte er plötzlich.
Mein Magen verkrampfte sich. Ich hatte nicht gemerkt, dass er in meinen Rucksack geschaut hatte – oder dass die Tasche offen war.
„Ich… weiß nicht.“ Das war gelogen und wir beide wussten es.
Vian drehte sich zu mir. Seine Augen hatten diese Intensität, die mich immer aus dem Konzept brachte. „Du weißt es schon.“
Das Feuer knisterte. Draußen begann es zu regnen, erst sanft, dann stärker.
„Ich hab manchmal Gedanken“, sagte ich leise. „Über… Dinge.“
„Was für Dinge?“
Meine Kehle war trocken. „Über Kontrolle. Darüber, sie abzugeben.“
Seine Hand landete auf meinem Oberschenkel, ganz leicht, fast vorsichtig. „Zeig’s mir.“
Ich holte das Seil aus dem Rucksack. Es war aus weicher Baumwolle, dick genug, um nicht zu schneiden, aber fest genug, um zu halten. Vian nahm es mir aus der Hand, ließ es durch seine Finger gleiten.
„Hast du das schon mal gemacht?“, fragte er.
„Nein.“
„Willst du?“
Mein Herz hämmerte. „Mit dir?“
„Ja. Mit mir.“
Ich nickte, unfähig zu sprechen.
Vian stand auf und zog mich mit sich. „Dann leg die Arme auf den Rücken.“

Ich gehorchte. Es fühlte sich seltsam an, ihm so ausgeliefert zu sein, und gleichzeitig genau richtig. Seine Finger waren geschickt, während er das Seil um meine Handgelenke schlang, nicht zu fest, aber fest genug, dass ich spürte: Ich konnte mich nicht mehr befreien, selbst wenn ich wollte.
„Wie fühlt sich das an?“, fragte er, sein Atem warm an meinem Ohr.
„Gut.“ Meine Stimme zitterte.
„Nur gut?“
„Verdammt gut.“
Er lachte leise, ein dunkles, zufriedenes Geräusch. „Dann lass uns weitermachen.“
Er führte mich zur Pritsche, drückte mich sanft auf den Rücken. Das Seil um meine Handgelenke zwang mich in eine Position, die mich hilflos machte, aber genau das entfachte etwas in mir, das ich nicht in Worte fassen konnte.
Vian kniete sich zwischen meine Beine, seine Hände glitten über meine Brust, meinen Bauch, spielten mit dem Bund meiner Hose. „Ich mach nur, was du willst“, sagte er. „Aber du musst mir sagen, wenn’s zu viel wird.“
„Tu’s einfach“, flüsterte ich.
Er öffnete meine Hose, zog sie nach unten, zusammen mit meiner Unterwäsche. Die kühle Luft auf meiner Haut ließ mich erschauern, aber gleich darauf spürte ich seine Wärme, als er sich über mich beugte.
„Du bist so verdammt schön“, murmelte er, und bevor ich antworten konnte, hatte er mich im Mund.
Ich stöhnte auf, mein Körper wölbte sich ihm entgegen. Seine Zunge war geschickt, seine Lippen fest, und die Art, wie er mich anschaute – als wäre ich das Einzige, was in diesem Moment existierte –, brachte mich fast um den Verstand.

„Vian…“
„Ja?“
„Ich… ich will mehr.“
Er hob den Kopf, seine Augen dunkel vor Verlangen. „Was willst du?“
„Dich. Ich will dich.“
Er zögerte nicht. Er zog sich aus, seine Bewegungen eilig, ungeduldig. Als er sich wieder über mich beugte, spürte ich seine Härte gegen meinen Oberschenkel, heiß und fordernd.
„Sag mir, wenn’s wehtut“, flüsterte er, während er sich vorsichtig positionierte.
Ich nickte, unfähig zu sprechen. Als er in mich eindrang, langsam, beinahe zärtlich, vergaß ich alles andere. Es gab nur noch ihn, mich, das Feuer, das in der Ecke knisterte, und den Regen, der gegen die Fenster prasselte.
„Scheiße, du fühlst dich so gut an“, keuchte er.
Ich wollte ihn berühren, meine Hände auf seinen Rücken legen, aber das Seil hielt mich zurück. Diese Hilflosigkeit machte alles noch intensiver. Ich konnte nur spüren, nur empfangen, während er das Tempo bestimmte, mal schneller, mal langsamer, als wolle er mich bewusst an den Rand treiben und dann wieder zurückholen.
„Bitte“, stöhnte ich. „Ich kann nicht mehr…“
„Noch nicht.“ Seine Stimme war fest, aber voller Zuneigung. Er beugte sich vor, küsste meinen Hals, meinen Kiefer, meine Lippen. „Ich will, dass du dich komplett fallen lässt.“
Und das tat ich. Ich ließ los, ließ mich von ihm tragen, von jedem Stoß, jeder Berührung. Es war, als würde ich aus meinem Körper heraustreten und gleichzeitig tiefer in ihn hineinsinken als je zuvor.
Als ich kam, war es wie eine Explosion. Mein ganzer Körper spannte sich an, dann löste sich alles in Wellen purer Lust auf. Ich schrie seinen Namen, unkontrolliert, und er folgte mir kurz darauf, sein Körper zuckte, während er sich in mir ergoss.
Danach blieb er auf mir liegen, sein Gewicht warm und beruhigend. Ich spürte seinen Herzschlag gegen meine Brust, schnell und kräftig, im Einklang mit meinem eigenen.
„Willst du… willst du das Seil abnehmen?“, fragte er nach einer Weile, seine Stimme heiser.
„Noch nicht.“
Er lachte leise und küsste meine Schulter. „Du bist verrückt.“
„Du auch.“
Wir blieben so liegen, während der Regen draußen weiterfiel und das Feuer langsam herunterbrannte. Irgendwann löste er das Seil, massierte sanft meine Handgelenke, wo sich leichte rote Abdrücke gebildet hatten.
„Tut’s weh?“
„Ein bisschen. Aber auf gute Art.“
Er zog mich an sich, und wir lagen einfach nur da, eng aneinander geschmiegt in dieser verlassenen Hütte, die plötzlich der intimste Ort der Welt war.
„Das war nicht das erste Mal, dass du an sowas gedacht hast, oder?“, fragte ich irgendwann.
„Nein.“ Seine Finger strichen durch mein Haar. „Aber ich dachte, du würdest mich für verrückt halten.“
„Ich halt dich für vieles. Verrückt gehört definitiv dazu.“
Er lachte und drückte mich fester an sich. „Dann sind wir ja ein perfektes Match.“
Der Regen ließ nach, als wir schließlich aufbrachen. Die Luft draußen war frisch und klar, und der Wald roch nach nassem Moos und Erde. Wir sprachen nicht viel auf dem Rückweg, aber das mussten wir auch nicht. Manchmal sagten die Blicke, die wir uns zuwarfen, mehr als tausend Worte.
Als wir vor unseren Wohnungen standen, zögerte Vian. „Willst du… bei mir bleiben heute Nacht?“
„Dachte, du fragst nie.“
In seiner Wohnung war es warm und unordentlich, genau wie ich es erwartet hatte. Er machte uns Tee, und wir setzten uns aufs Sofa, das Seil immer noch in meinem Rucksack, aber diesmal fühlte es sich an wie ein Versprechen, nicht wie ein Geheimnis.
„Was machen wir jetzt?“, fragte ich.
Er nahm meine Hand. „Was immer du willst.“
Ich lehnte mich an ihn, spürte seine Wärme, seinen Atem. „Dann lass uns einfach… sehen, wo es hinführt.“
Und so saßen wir da, während die Nacht hereinbrach, zwei Nachbarn, die plötzlich so viel mehr füreinander waren. Das Seil, ein stiller Zeuge dessen, was zwischen uns entstanden war, würde noch viele weitere Geschichten schreiben. Aber das… das war erst der Anfang.

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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.