Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet Frau Thorenfeld mich an diesem Abend nach dem Abiturkurs ansprechen würde. Aber da stand sie, die Kreide noch zwischen ihren schlanken Fingern, während die letzten meiner Klassenkameraden den Raum verließen.
„Janosch, einen Moment noch.“
Ihre Stimme hatte diesen Ton, den ich die letzten Monate immer öfter bemerkt hatte. Nicht unfreundlich, aber bestimmt. Als würde sie genau wissen, was sie wollte.
„Ja?“
Sie legte die Kreide ab und lehnte sich gegen ihren Schreibtisch. Die Jeans saß verdammt gut an ihr, das fiel mir nicht zum ersten Mal auf. Frau Thorenfeld war Mitte dreißig, hatte lange braune Haare, die sie heute offen trug, und dieses Lächeln, das ich nie richtig deuten konnte.

„Ich hab da was für dich. Ein kleines… Projekt.“ Sie griff in ihre Tasche und zog einen Zettel hervor. „Treff mich heute Abend, 22 Uhr. Hier steht wo.“
Ich nahm den Zettel entgegen und starrte auf die Adresse. Das war draußen, irgendwo am Waldrand.
„Was für ein Projekt?“
„Das wirst du sehen. Komm einfach. Und Janosch?“ Sie beugte sich etwas vor, ihre Augen fixierten mich. „Erzähl niemandem davon.“
Ich nickte nur. Was sollte ich auch sagen?
Um kurz vor zehn stand ich an der besagten Stelle. Der Waldrand war verlassen, nur das schwache Licht einer Straßenlaterne erhellte den schmalen Weg. Mein Herz hämmerte. Vielleicht war das bescheuert. Vielleicht sollte ich einfach wieder umkehren.
Dann sah ich sie.
Frau Thorenfeld stand ein paar Meter entfernt, eine Decke über dem Arm, das Haar zu einem lockeren Knoten gebunden. Sie trug ein dunkles Kleid, das im schwachen Licht fast mit der Nacht verschmolz.

„Du bist gekommen.“ Sie lächelte. „Gut.“
„Was machen wir hier?“
„Folge mir.“
Sie ging voraus, tiefer in den Wald hinein, bis wir eine kleine Lichtung erreichten. Der Nachthimmel öffnete sich über uns, Sterne leuchteten klar und hell. Es war still, nur das Rascheln der Blätter unter unseren Füßen und irgendwo in der Ferne ein Käuzchen.
Sie breitete die Decke aus und setzte sich. Dann klopfte sie neben sich auf den Stoff.
„Setz dich.“
Ich gehorchte. Mein Puls raste.
„Weißt du, warum ich dich hierher gebeten habe?“ Ihre Stimme war leise, aber jedes Wort saß.
„Nein.“
„Weil ich dich beobachtet habe. Die letzten Wochen. Die Art, wie du mich ansiehst.“ Sie drehte sich zu mir, ihr Gesicht war jetzt nah. „Du denkst, ich merke es nicht?“
Mein Mund wurde trocken. „Ich—“
„Schon gut.“ Sie legte einen Finger auf meine Lippen. „Ich mag es.“
Dann küsste sie mich. Langsam, kontrolliert, ihre Lippen weich und warm. Ich versuchte mitzuhalten, aber sie übernahm die Führung, ihre Hand in meinem Nacken, ihre Zunge, die sanft die meine suchte.

Als sie sich zurückzog, sah sie mich mit diesem Blick an, der keine Widerrede duldete.
„Ich bestimme hier das Tempo. Verstanden?“
„Ja.“
„Sag meinen Namen.“
„Frau Thorenfeld.“
„Falsch. Heute Nacht bin ich Mirjana.“
„Mirjana.“
Sie lächelte zufrieden und schob mich sanft auf den Rücken. Ihre Hände glitten über meine Brust, öffneten langsam Knopf für Knopf mein Hemd. Sie nahm sich Zeit, genoss jeden Moment, während ich unter ihr lag und versuchte, meine Atmung unter Kontrolle zu bekommen.
„Du bist angespannt.“ Ihre Finger strichen über meine Haut. „Entspann dich. Ich pass auf dich auf.“
Ihr Kleid rutschte höher, als sie sich über mich beugte, ihre Lippen fanden meinen Hals. Sie küsste mich dort, saugte leicht, biss vorsichtig. Ich stöhnte leise auf.
„Gefällt dir das?“
„Ja.“
„Gut.“
Sie richtete sich auf, streifte das Kleid über den Kopf. Darunter trug sie nur Spitze, schwarz, fast unsichtbar im Sternenlicht. Ihr Körper war unfassbar, Kurven, die ich nur heimlich während des Unterrichts erahnt hatte.
„Du darfst mich anfassen. Aber nur wenn ich es sage.“
Sie nahm meine Hand und führte sie zu ihrer Hüfte. Ihre Haut war warm, weich. Ich zögerte.
„Weiter.“
Ich ließ meine Hand höher gleiten, über ihre Taille, bis ich die Rundung ihrer Brust spürte. Sie schloss die Augen, atmete tief.
„Genau so.“
Dann öffnete sie meinen Gürtel, zog ihn langsam aus der Schlaufe. Das Geräusch des Leders hallte seltsam laut in der Stille. Sie öffnete meine Hose, schob sie hinunter, ihre Augen ließen mich nicht los.
„Schön, dass du so aufgeregt bist.“ Ein spöttisches Lächeln spielte um ihre Lippen.
Ihre Hand schloss sich um mich, fest, aber sanft. Sie begann sich zu bewegen, langsam, rhythmisch, während sie mich beobachtete.
„Schau mich an. Die ganze Zeit.“
Ich konnte nicht wegschauen, selbst wenn ich gewollt hätte. Ihre Augen hielten mich gefangen, ihr Griff wurde fester, schneller. Die Empfindungen waren überwältigend, die kühle Nachtluft auf meiner Haut, ihre Wärme, die Sterne über uns.
Irgendwann hielt sie inne.
„Noch nicht. Ich will mehr von dir.“
Sie rutschte zurück, hakte ihre Finger in den Spitzenstoff und zog ihn langsam nach unten. Dann war sie nackt vor mir, ein Anblick, der mir fast den Atem raubte.
Sie setzte sich auf mich, ihre Wärme umschloss mich langsam, Zentimeter für Zentimeter. Wir stöhnten beide auf. Es erinnerte mich an jene Nacht bei Vollmond, von der ein Freund mir erzählt hatte – intensiv, unwirklich, wie ein Traum.
„Nicht bewegen“, befahl sie. „Ich mache das.“
Sie begann sich zu bewegen, langsam, kreisend, ihre Hände stützten sich auf meiner Brust ab. Ihr Atem wurde schneller, kleine Laute entwichen ihr. Ich kämpfte darum, still zu bleiben, aber es war fast unmöglich.
„Bitte“, presste ich hervor.
„Bitte was?“
„Ich will—“
„Du willst nichts. Du bekommst, was ich dir gebe.“
Sie beugte sich herab, ihre Brüste streiften meine Brust, und küsste mich wieder, diesmal fordernder, hungriger. Ihre Bewegungen wurden intensiver, ihr Rhythmus schneller.
Die Welt um uns herum verschwand. Es gab nur noch sie, mich, den Sternenhimmel und ihre Finger, die sich in meine Schultern krallten.
„Komm für mich“, flüsterte sie in mein Ohr. „Jetzt.“
Und ich konnte nicht anders. Die Welle rollte über mich hinweg, riss mich mit, während sie sich auf mir bewegte und kurz darauf selbst aufstöhnte, ihr Körper zuckte, ihre Nägel gruben sich in meine Haut.
Danach lagen wir nebeneinander auf der Decke, ihre Finger spielten mit meinem Haar.
„Das war unser Geheimnis“, sagte sie leise. „Nur deins und meins.“
„Ja.“
„Gut.“ Sie küsste meine Stirn. „Vielleicht gibt es bald ein weiteres Projekt für dich.“
Ich wusste, ich würde jedes Mal kommen, wenn sie rief. Diese Frau hatte eine Macht über mich, die ich nicht erklären konnte. Und ehrlich gesagt wollte ich es auch gar nicht.
Später, als wir uns wieder angezogen hatten und sie mir den Weg zurück zeigte, fühlte sich alles surreal an. Als wäre das nie passiert. Aber ihr Parfum hing noch an meiner Haut, und die Erinnerung an ihre Stimme, ihr Kommando, würde mich noch lange verfolgen.
Am nächsten Tag im Unterricht verhielt sie sich völlig normal. Keine besondere Aufmerksamkeit, kein heimliches Lächeln. Nur einmal, als sie an meinem Tisch vorbeiging, ließ sie einen kleinen Zettel fallen.
Darauf stand nur: „Freitag. Gleiche Zeit. Neuer Ort.“
Mein Puls beschleunigte sich sofort. Diese Frau würde mich noch wahnsinnig machen. Und ich konnte es kaum erwarten.
Was auch immer sie mit mir vorhatte – ich war bereit, mich darauf einzulassen. Vollkommen. Denn diese Nacht unter dem Nachthimmel hatte etwas in mir geweckt. Eine Sehnsucht, eine Gier nach mehr. Nach ihrer Kontrolle, ihrer Berührung, ihrer Art, mich anzusehen.
Die nächsten Tage zogen sich wie Kaugummi. Jede Stunde bei ihr war eine Qual – zu wissen, was unter dieser professionellen Fassade lag, und gleichzeitig so tun zu müssen, als wüsste ich es nicht.
Aber die Vorfreude war beinahe so intensiv wie die Nacht selbst. Und als Freitag endlich kam, war ich bereit für alles, was Mirjana mit mir vorhatte.
Denn eines hatte ich in dieser Nacht gelernt: Manchmal ist es befreiend, die Kontrolle abzugeben. Sich fallen zu lassen. Und jemandem zu vertrauen, der genau weiß, was er will.
Und Mirjana wusste verdammt genau, was sie wollte.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.