Ich hatte Thessa und Davin schon hundertmal gegrüßt, beim Briefkasten, beim Raustragen der Mülltonnen, im Treppenhaus. Nette Nachbarn, dachte ich immer. Hübsches Paar. Mehr nicht. Bis zu diesem Samstag, als wir alle vier – Thessa, Davin, meine Freundin Marlou und ich – zufällig denselben Strandabschnitt ansteuerten und uns in den Dünen wiederfanden.
„Na, ihr auch hier?“, rief Davin und winkte uns schon von weitem zu. Sein Grinsen hatte etwas Entwaffnendes, und Thessa neben ihm strahlte in ihrem türkisfarbenen Bikini wie eine dieser Frauen, die nicht wissen, wie verdammt gut sie aussehen. Oder es doch wissen. Genau wissen.
Marlou zog mich sofort zu ihnen rüber. „Wie cool, dann können wir zusammen den Tag verbringen!“ Sie war schon immer unkompliziert gewesen, gesellig, offen. Ich mochte das an ihr. Meistens jedenfalls.
Wir breiteten unsere Decken nebeneinander aus, und ich merkte schnell, dass die Stimmung anders war als sonst zwischen uns. Lockerer. Vielleicht lag es an der Sonne, am Salz in der Luft, am Bier, das Davin aus seiner Kühltasche zauberte. Vielleicht auch an der Art, wie Thessa mich ansah, als sie sich die Haare aus dem Gesicht strich.
„Du bist ganz schön rot geworden“, sagte sie irgendwann und deutete auf meine Schultern. „Hast du Sonnencreme dabei?“
„Vergessen“, gab ich zu.
Ohne zu zögern griff sie nach ihrer Tube. „Komm her, ich mach das.“
Marlou lag neben Davin im Sand und scrollte durch ihr Handy. Sie hob kurz den Blick, lächelte, wandte sich dann wieder ab. Mir wurde heiß, aber das lag nicht an der Sonne. Thessa kniete sich hinter mich, und ihre Hände glitten über meine Schultern, langsam, gründlich. Ihre Finger waren kühl von der Creme, aber ihre Berührung fühlte sich an wie mehr.

„Du bist verspannt“, murmelte sie dicht an meinem Ohr. „Arbeitest du zu viel?“
„Wahrscheinlich.“
Ihre Hände wanderten tiefer, massierten meinen Rücken mit einer Selbstverständlichkeit, die mich irritierte. Oder erregte. Beides. Ich wagte kaum zu atmen. Als sie fertig war, klopfte sie mir leicht auf die Hüfte. „Fertig. Jetzt bist du geschützt.“
Aber ich fühlte mich alles andere als geschützt.
Der Nachmittag zog sich in dieser trägen Art dahin, die nur am Strand möglich ist. Wir schwammen, tranken, lachten. Doch irgendwann, als die Sonne tiefer stand, schlug Davin vor, hinter die Dünen zu gehen. „Da ist es windgeschützter. Und privater.“
Marlou war sofort dabei. Thessa auch. Ich folgte einfach, weil alle gingen, aber ein Kribbeln in meinem Bauch sagte mir, dass dieser Vorschlag nicht nur wegen des Windes kam.
Hinter den Dünen war es tatsächlich ruhiger. Kein Mensch in Sicht. Nur das Rauschen der Wellen in der Ferne und das gelegentliche Kreischen einer Möwe. Wir ließen uns im warmen Sand nieder, und die Stimmung kippte unmerklich. Wurde dichter. Aufgeladener.

„Wir haben letztens über etwas gesprochen“, begann Marlou plötzlich, und mein Herz stolperte. „Darüber, dass es spannend sein könnte, mal… andere Erfahrungen zu machen. Zu zweit, aber nicht nur zu zweit. Du weißt schon.“
Ich starrte sie an. „Was?“
Davin grinste. „Sie meint, dass wir alle vier ziemlich offen sind. Und dass wir uns gut verstehen.“
Thessa lehnte sich zurück, stützte sich auf ihre Ellbogen und sah mich direkt an. „Und dass du ziemlich heiß bist.“
Mir stockte der Atem. Das konnte nicht real sein. Aber es war real. Marlou nickte Thessa zu, als hätten sie das längst abgesprochen. Vielleicht hatten sie das ja auch.
„Du kannst Nein sagen“, sagte Marlou leise, aber ihr Blick war herausfordernd. „Aber ich glaube nicht, dass du das willst.“
Sie hatte recht.
Thessa kam näher, kniete sich vor mich hin. Ihre Hand legte sich auf meine Brust, ihre Lippen fanden meinen Hals. Ich hörte Marlou neben mir leise stöhnen, hörte Davins tiefes Lachen, aber alles verschwamm, als Thessa mich küsste. Langsam. Fordernd.

„Entspann dich“, flüsterte sie. „Es ist nur Spaß.“
Aber so fühlte sich das nicht an.
Ihre Finger glitten über meine Haut, öffneten die Badehose, schoben sie langsam nach unten. Ich wagte einen Blick zu Marlou. Sie lag im Sand, Davin über ihr, und sie sah zu mir herüber, lächelte. Nickte. Erlaubte es mir. Genoss es sogar.
Thessa nahm mich in den Mund, ohne Vorwarnung, ohne Zögern. Ihre Zunge spielte mit mir, und ich schloss die Augen, ließ mich fallen. Die Wärme, die Feuchtigkeit, der Rhythmus – alles verschwamm in dieser einen Empfindung.
„Du schmeckst gut“, murmelte sie, als sie kurz innehielt. Dann nahm sie mich wieder in sich auf, tiefer diesmal.
Ich hörte Marlous Stimme, gedämpft, zwischen Stöhnen und Keuchen. „Fick mich härter.“ Davin gehorchte. Ich hörte das Klatschen ihrer Körper, hörte ihre Laute, und es machte mich noch härter.
Thessa merkte es, grinste. „Gefällt dir, was du hörst?“
„Ja.“
„Gut.“ Sie richtete sich auf, drehte sich um und drückte ihren Hintern gegen mich. „Dann nimm mich. Aber nicht da, wo du denkst.“
Mein Herz raste. Ich verstand sofort, was sie meinte. Sie griff nach der Sonnencreme, drückte mir die Tube in die Hand. „Mach mich bereit.“
Ich zögerte nur eine Sekunde, dann tat ich, was sie wollte. Verteilte die Creme zwischen ihren Pobacken, ließ meine Finger langsam eindringen, erst einen, dann zwei. Sie stöhnte leise, drückte sich gegen meine Hand.
„Mehr.“
Ich gehorchte. Dehnte sie vorsichtig, spürte, wie sie sich entspannte, öffnete. Als ich schließlich in sie eindrang – langsam, zentimeterweise –, biss sie sich auf die Lippe. Ihr Stöhnen mischte sich mit dem von Marlou, und ich konnte nicht anders, als zu ihr hinüberzuschauen. Sie hatte sich aufgerichtet, ritt Davin im Sand, ihre Brüste wippten, ihr Mund stand offen.
„Schau sie an“, flüsterte Thessa. „Schau, wie sehr sie es genießt.“
Ich sah zu. Und ich bewegte mich in Thessa, tiefer, schneller, spürte den Widerstand, die Enge, die Hitze. Es war so anders, so intensiv. Sie schrie leise auf, krallte ihre Finger in den Sand.

„Ja, genau so.“
Ich verlor mich in dem Rhythmus, in den Geräuschen, in dem Gefühl. Marlou kam laut, zitternd, während Davin in sie stieß. Thessa folgte kurz darauf, ihr Körper spannte sich an, und ich spürte, wie ihre Muskeln mich noch enger umschlossen. Ich hielt nicht mehr lange durch. Kam tief in ihr, keuchend, erschöpft.
Wir lagen im Sand, nebeneinander, verschwitzt, stumm. Die Sonne stand tiefer, tauchte alles in goldenes Licht. Niemand sagte etwas. Es musste auch nichts gesagt werden.
Irgendwann stand Marlou auf, streckte sich. „Wir sollten langsam los.“
Thessa lächelte mich an, müde, zufrieden. „Das war schön.“
„Ja.“
„Vielleicht machen wir das wieder mal.“
Ich nickte, obwohl ich nicht wusste, ob ich das wirklich wollte. Oder ob ich genau das wollte. Auf dem Rückweg zum Parkplatz hielt Marlou meine Hand. „War okay für dich?“
„Ja. Für dich auch?“
„Mehr als das.“
Am Abend lagen wir in unserer Wohnung auf dem Sofa, und ich dachte an die Nachbarn über uns, die jetzt vermutlich genauso erschöpft in ihrem Bett lagen. Dachten sie auch an uns?
„Das war verrückt“, sagte Marlou leise.
„Ja.“
„Aber gut verrückt.“
„Ja.“
Sie küsste mich auf die Stirn. „Ich liebe dich.“
„Ich dich auch.“
Und trotzdem spürte ich, dass sich etwas verändert hatte. Nicht zwischen uns, nicht wirklich. Aber in mir. Eine Tür war aufgegangen, durch die ich vorher nie geblickt hatte. Und ich wusste nicht, ob ich sie wieder schließen konnte. Oder wollte.
In den nächsten Tagen grüßten wir Thessa und Davin wie immer – freundlich, höflich, distanziert. Niemand sprach über jenen Nachmittag. Aber wenn ich Thessa im Treppenhaus begegnete, lag ein Lächeln in ihren Augen, das mehr sagte als jedes Wort.

Und manchmal, wenn ich nachts neben Marlou lag, hörte ich von oben gedämpfte Geräusche. Stöhnen. Lachen. Und ich fragte mich, ob sie gerade an uns dachten. So wie ich an sie dachte.
Marlou erwähnte es nicht mehr, bis zu jenem Abend, an dem wir wieder auf dem Balkon saßen, Wein tranken und der Sommer langsam in den Herbst überging. „Sie haben uns zu sich eingeladen“, sagte sie beiläufig. „Nächstes Wochenende. Nur zum Essen, haben sie gesagt.“
Ich sah sie an. „Nur zum Essen?“
Sie grinste. „Wahrscheinlich nicht.“
Und ich wusste, dass wir hingehen würden. Dass sich die Tür, die sich an jenem Tag am Strand geöffnet hatte, nicht mehr schließen würde. Dass es erst der Anfang gewesen war. Ähnlich wie bei anderen Paaren, die den Reiz des Teilens entdeckt hatten, waren auch wir längst Teil von etwas geworden, das sich nicht mehr zurückdrehen ließ.
Als ich später im Bett lag, dachte ich an Thessas Flüstern hinter den Dünen, an ihre Hände, ihren Körper, an das Gefühl, sie zu nehmen, während Marlou nur wenige Meter entfernt war. Ich dachte an die Intensität jener besonderen Intimität, die ich nie vergessen würde. Und ich fragte mich, was als Nächstes kommen würde.
Vielleicht würde es sanft bleiben, wie dieser erste Tag. Vielleicht würde es auch anders werden – fordernder, extremer. Ich wusste es nicht. Aber ich wusste, dass ich neugierig war. Dass wir alle neugierig waren.
Und dass die Sonne, die uns an jenem Tag am Strand gebrannt hatte, nicht nur unsere Haut verändert hatte. Sie hatte etwas in uns geweckt. Etwas, das jetzt lebendig war und auf mehr wartete.
Das nächste Wochenende würde zeigen, wie weit wir wirklich gehen würden. Und ob wir jemals wieder zurückkönnen würden zu dem, was wir vorher waren. Ich hatte da meine Zweifel.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.