Die Flüstertaste an meiner Tastatur klemmte schon seit Wochen. Jedes Mal, wenn ich sie drückte, machte sie dieses leise, fast obszöne Geräusch — ein sanftes Klicken, das mich an etwas erinnerte, das ich nicht benennen wollte. Nicht hier. Nicht im Buchcafé, wo ich jeden Mittwoch meine Artikel schrieb, umgeben von Papier, Kaffeeduft und Menschen, die so taten, als würden sie lesen.
Aber Tamsin hörte es.
Sie stand hinter der Theke, wie immer, mit diesem Blick, der zu lange auf mir ruhte. Wir waren Kollegen — wenn man das so nennen konnte. Ich schrieb für das Stadtmagazin, sie kuratierte die Buchauswahl für das Café. Manchmal tauschten wir Notizen aus, manchmal ignorierten wir einander. Aber in letzter Zeit war da mehr. Etwas Unausgesprochenes, das zwischen uns schwebte wie die Staubpartikel im Sonnenlicht.
An diesem Mittwoch trug sie ein schwarzes Rollkragenshirt, eng, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgeschoben. Ihre Haare, dunkelrot und zu einem lockeren Knoten gebunden, fielen ihr immer wieder ins Gesicht, wenn sie sich über die Espressomaschine beugte. Ich versuchte, mich zu konzentrieren. Wirklich. Aber meine Finger glitten immer wieder zur Flüstertaste, drückten sie, hörten diesem Klicken zu.

„Störe ich?“
Ihre Stimme, direkt neben mir. Ich zuckte zusammen, schloss den Laptop halb. Sie stand da, zwei Tassen in der Hand, ein leises Lächeln auf den Lippen.
„Nein, alles gut. Danke.“
„Lügner.“ Sie stellte eine Tasse vor mir ab. „Du starrst seit einer halben Stunde auf denselben Absatz.“
Ich öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Sie hatte recht. Natürlich hatte sie recht.
„Komm mit.“ Nicht als Frage. Als Anweisung.
„Wohin?“
„Hinten. Ich will dir was zeigen.“
Das Buchcafé hatte einen hinteren Raum, den kaum jemand kannte. Lesesessel, hohe Regale, ein Fenster mit Blick auf den Innenhof. Tamsin führte mich dorthin, ihre Hand kurz an meinem Unterarm, fest genug, dass ich spürte, wie warm ihre Finger waren.
„Setz dich.“
Ich gehorchte. Der Sessel war aus Leder, abgewetzt, bequem. Sie schloss die Tür hinter uns, lehnte sich dagegen, verschränkte die Arme.
„Weißt du, was mich an dir nervt?“
„Was?“
„Dass du so tust, als würdest du mich nicht anschauen. Aber ich merke es. Jedes Mal.“
Mein Herz hämmerte. „Tamsin—“
„Still.“ Sie kam näher, stellte sich vor mich, die Hände auf den Armlehnen abgestützt. Ihr Gesicht war jetzt so nah, dass ich die goldenen Flecken in ihren braunen Augen sehen konnte. „Du willst was sagen? Dann sag es.“

Aber ich schwieg. Mein Atem ging flach, meine Hände zitterten leicht. Sie sah es, lächelte wieder, langsam, als hätte sie gerade einen Test bestanden.
„Gut. Dann rede ich.“
Sie richtete sich auf, ging um den Sessel herum, ihre Finger glitten über die Rückenlehne. Ich spürte, wie sich mein Nacken anspannte, als wüsste mein Körper schon, was kam, bevor mein Verstand es begreifen konnte.
„Ich will, dass du mir gehörst. Hier. Jetzt. Nur für eine Stunde.“
Meine Kehle war trocken. „Was meinst du damit?“
„Du weißt genau, was ich meine.“ Ihre Stimme war leise, aber schneidend. „Du willst es auch. Du bist nur zu feige, es zuzugeben.“
Sie hatte recht. Verdammt, sie hatte so recht. Seit Wochen fantasierte ich darüber, wie es wäre, wenn sie mich berührte, wenn sie mir sagte, was ich tun sollte. Es erinnerte mich an jene Geschichte, die ich gelesen hatte, in der jemand in einer Theaterloge die Kontrolle abgab — und nie wieder zurückwollte.
„Sag Ja.“
„Ja.“
Das Wort kam leiser heraus, als ich wollte. Aber es reichte.
Tamsin kam wieder nach vorn, kniete sich vor mich, ihre Hände auf meinen Oberschenkeln. „Dann hör mir zu. Du tust, was ich sage. Nichts anderes. Verstanden?“
Ich nickte.
„Laut.“
„Ja. Verstanden.“
„Gut.“ Ihre Finger wanderten höher, langsam, absichtlich. „Öffne deine Hose.“
Meine Hände zitterten, als ich den Gürtel löste, den Knopf, den Reißverschluss. Sie beobachtete mich, jede Bewegung, und in ihrem Blick lag etwas, das mir gleichzeitig Angst machte und mich härter werden ließ, als ich es je gewesen war.
„Weiter. Zieh sie runter.“
Ich gehorchte. Die Hose rutschte über meine Hüften, blieb auf halbem Weg zu meinen Knien hängen. Meine Boxershorts folgten. Die Luft im Raum fühlte sich plötzlich kühler an, oder vielleicht war es nur der Kontrast zu meiner Haut, die brannte.
„Schön.“ Tamsin lehnte sich zurück, betrachtete mich. „Du bist schon hart. Wie lange wartest du schon darauf?“
„Wochen.“
„Monate?“
„Ja.“
Sie lachte leise, ein Geräusch, das mir durch Mark und Bein ging. Dann griff sie in ihre Tasche, zog etwas heraus. Ein kleines Fläschchen. Gleitgel.

„Dreh dich um. Knie auf den Sessel.“
Mein Herz stolperte. „Tamsin—“
„Habe ich dich gefragt?“ Ihre Stimme wurde schärfer. „Dreh dich um.“
Ich tat es. Meine Hände umklammerten die Rückenlehne, meine Knie sanken ins Leder. Ich spürte, wie die Scham mich durchflutete, aber gleichzeitig diese irre Erregung, die alles andere übertönte. Es war ähnlich wie in diesen Momenten, in denen man sich völlig hingeben will — und es endlich darf.
„Brav.“ Ihre Hand strich über meinen Rücken, dann tiefer, über meinen Hintern. „Du hast so lange darauf gewartet, dass jemand dich nimmt. Nicht wahr?“
„Ja.“
„Dann entspann dich.“
Ich hörte das Klicken des Fläschchens, dann die Kälte des Gels auf meiner Haut. Ihr Finger kreiste langsam, prüfend, bevor er eindrang. Ich keuchte auf, presste meine Stirn gegen das Leder.
„Atme.“
Ich versuchte es. Ein Finger wurde zu zwei, ihre Bewegungen wurden sicherer, drängender. Sie wusste genau, was sie tat, wie sie mich öffnen musste, wie weit sie gehen konnte, bevor es zu viel wurde.
„Gefällt dir das?“
„Ja. Verdammt, ja.“
„Gut. Weil ich noch nicht fertig bin.“
Sie zog ihre Finger zurück, und für einen Moment war da nur die Leere, das Warten. Dann hörte ich, wie sie ihren Gürtel löste, etwas anderes hervorholte. Ich wagte nicht, mich umzudrehen, aber ich wusste es.
„Ich will, dass du dich erinnerst, wie das hier war.“ Ihre Stimme war jetzt direkt an meinem Ohr, ihr Atem heiß auf meiner Haut. „Jedes Mal, wenn du hier sitzt, wenn du an deinen verdammten Artikeln schreibst, wirst du daran denken.“
Das erste Eindringen war langsam, kontrolliert. Der Strap-on war nicht groß, aber es reichte, um mich zu füllen, um mich spüren zu lassen, dass ich ihr gehörte. Ihre Hände hielten meine Hüften fest, zogen mich zurück gegen sie.
„Beweg dich nicht.“
Ich biss mir auf die Lippe, versuchte, still zu bleiben, während sie tiefer eindrang. Dann begann sie sich zu bewegen, langsam zuerst, fast zärtlich. Aber das hielt nicht lange an.

„Du willst mehr, oder?“
„Ja.“
„Dann bitte darum.“
„Bitte, Tamsin. Fick mich härter.“
Sie lachte wieder, dieses dunkle, gefährliche Lachen, und gab mir, was ich wollte. Ihre Stöße wurden schneller, fordernder, und ich konnte nichts tun außer mich festzuhalten und es zu nehmen. Das Leder knarrte unter uns, mein Atem kam in kurzen, harten Stößen, und irgendwo in meinem Kopf dachte ich daran, dass wir hier in einem Buchcafé waren, dass jemand reinkommen könnte, aber es war mir egal.
„Berühr dich nicht.“
„Tamsin, bitte—“
„Ich habe gesagt: Berühr dich nicht.“
Meine Finger krallten sich in die Rückenlehne. Ich war so hart, dass es schmerzte, und jeder Stoß von ihr brachte mich näher an den Rand, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Es war, als würde sie mich von innen heraus zerlegen, jede Kontrolle nehmen, die ich je hatte.
„Ich will, dass du kommst, während ich in dir bin. Ohne dass du dich anfasst.“
„Ich weiß nicht, ob ich—“
„Du kannst.“ Ihre Hand glitt nach vorn, umfasste meinen Hals, nicht fest, aber fest genug, dass ich spürte, wer hier bestimmte. „Ich gebe dir die Erlaubnis. Jetzt.“
Das war alles, was ich brauchte. Mein Körper gehorchte, als hätte er nur auf diesen Befehl gewartet. Ich kam hart, unkontrolliert, und alles, was ich hören konnte, war mein eigenes Stöhnen und Tamsins leises, zufriedenes Lachen hinter mir.
Sie zog sich langsam zurück, half mir, mich hinzusetzen, strich mir das verschwitzte Haar aus der Stirn. „Gut gemacht.“
Ich konnte nicht sprechen. Meine Beine zitterten, mein Atem ging immer noch unregelmäßig. Sie kniete sich wieder vor mich, ihre Hand auf meiner Wange.
„Das war erst der Anfang.“ Ihre Stimme war sanfter jetzt, aber immer noch mit diesem Unterton, der mir sagte, dass sie es ernst meinte. „Nächsten Mittwoch. Gleiche Zeit. Und diesmal will ich, dass du mir vorher eine Nachricht schickst. Sag mir, was du willst, was ich mit dir machen soll.“

Ich nickte, unfähig, Widerspruch zu leisten. Sie küsste mich kurz, fast zärtlich, dann stand sie auf, richtete ihre Kleidung, als wäre nichts geschehen.
„Ich mache uns noch einen Kaffee. Nimm dir Zeit.“
Als sie die Tür hinter sich schloss, saß ich noch immer da, nackt von der Hüfte abwärts, benommen und erfüllt zugleich. Draußen hörte ich das leise Summen der Espressomaschine, das Gemurmel der anderen Gäste. Alles war wie immer.
Aber ich wusste, dass nichts mehr wie vorher sein würde. Jedes Mal, wenn ich diesen Sessel sah, jedes Mal, wenn ich die Flüstertaste drückte, würde ich daran denken. An ihre Hände, ihre Stimme, an den Moment, in dem ich aufhörte zu kämpfen und einfach nur noch ihr gehörte.
Und verdammt, ich konnte es kaum erwarten, dass nächster Mittwoch kam.
Als ich später meinen Laptop wieder aufklappte, fiel mir auf, dass die Flüstertaste nicht mehr klemmte. Vielleicht hatte sie sich von selbst gelöst. Oder vielleicht war es ein Zeichen. Dass manche Dinge, wenn man sie endlich ausspricht, plötzlich ganz leicht werden.
Ich schrieb Tamsin eine Nachricht. Kurz, direkt.
„Nächsten Mittwoch will ich, dass du mich noch härter nimmst. Und ich will, dass du mir sagst, wie sehr ich dir gehöre.“
Die Antwort kam sofort.
„Das wirst du. Und noch viel mehr.“
Ich lehnte mich zurück, spürte das Leder unter mir, das mich an alles erinnerte. Draußen begann es zu regnen, ein leises Trommeln gegen die Fenster. Und ich wusste: Dies war erst der Anfang von etwas, das mich völlig verändern würde. Ähnlich wie jene Begegnungen, die einen für immer prägen, weil sie einen Teil von einem freilegen, den man nie zeigen wollte — bis jemand kommt, der genau danach sucht.
Und Tamsin hatte ihn gefunden.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.