Der Aufzug ruckelte in die Tiefgarage, und ich fluchte leise, weil ich schon wieder zu spät dran war. Donnerstagabend, kurz nach neun, und meine Frau wartete zu Hause auf mich – wartete darauf, dass ich endlich mal pünktlich zum Essen käme. Ich starrte auf mein Handy, tippte eine weitere Entschuldigung, als die Türen im fünften Stock aufglitten.
Sie stieg ein. Und plötzlich war die Zeit egal.
Dunkle Haare, die ihr über die Schultern fielen. Ein grauer Blazer, der ihre Figur nur andeutete, aber genug verriet, um meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Sie roch nach etwas Blumigem, Frischem – kein aufdringliches Parfüm, sondern etwas, das man erst bemerkte, wenn man aufmerksam wurde. Und ich wurde aufmerksam.

„Erdgeschoss?“, fragte sie, ohne mich anzusehen. Ihre Stimme war angenehm, ruhig.
„Tiefgarage“, sagte ich und drückte den schon leuchtenden Knopf.
Sie nickte nur, lehnte sich gegen die Seitenwand und scrollte durch ihr Handy. Ich tat so, als würde ich dasselbe tun, aber mein Blick wanderte. Die Art, wie sie dastand, entspannt und doch elegant. Die leichte Wölbung ihrer Lippen, als würde sie an etwas Angenehmes denken. Ich fragte mich, wie sie heißen mochte. Ob sie hier arbeitete. Ob sie verheiratet war.
Zwischen der dritten und zweiten Etage gab der Aufzug ein metallisches Stöhnen von sich und blieb stehen.
„Scheiße“, murmelte ich.
Sie sah hoch, und zum ersten Mal trafen sich unsere Blicke. Grüne Augen, die mich direkt erfassten, durchschauten. „Passiert das öfter?“
„Keine Ahnung. Ich bin neu in der Firma.“
„Ich auch.“ Sie lächelte, und es war kein höfliches Lächeln, sondern eines, das unter die Haut ging. „Mein dritter Tag.“
Ich drückte den Notknopf. Nichts. Dann den für Erdgeschoss. Nichts. Dann alle Knöpfe gleichzeitig, wie ein Idiot. Sie lachte leise, und ich spürte, wie sich meine Wangen erhitzten.
„Vielleicht sollten wir auf Hilfe warten“, schlug sie vor und lehnte sich wieder an die Wand. Aber diesmal sah sie mich weiter an.

„Ja. Wahrscheinlich klug.“ Ich lehnte mich auf die gegenüberliegende Seite und tat so, als wäre die Situation völlig normal. Aber mein Puls beschleunigte sich, und es hatte nichts mit dem kaputten Aufzug zu tun.
„Wie heißt du?“ Ihre Stimme durchschnitt die Stille wie eine Klinge.
„Matthias. Und du?“
„Joelle.“ Sie sprach es französisch aus, weich und sinnlich. „Mit zwei L.“
„Schön.“
„Der Name oder ich?“
Ich schluckte. „Beides.“
Sie lächelte wieder, und diesmal war es eindeutig. Keine Koketterie, kein Spiel – nur pure, unverhüllte Anziehung. „Du bist verheiratet.“
Es war keine Frage. Ich sah an meiner Hand herunter, auf den goldenen Ring. „Ja.“
„Ich nicht.“ Sie schob sich von der Wand ab und kam einen Schritt näher. Der Aufzug war klein, und plötzlich erschien er winzig. „Aber das ist okay. Ich mag kompliziert.“
„Joelle…“
„Sag mir, dass du nicht dasselbe fühlst.“ Sie war jetzt direkt vor mir, und ich konnte ihren Atem spüren, warm und gleichmäßig. „Sag mir, dass du nicht seit dem Moment, als ich eingestiegen bin, daran denkst, wie ich mich anfühle.“
Ich hätte lügen sollen. Ich hätte zurückweichen, den Abstand wahren sollen. Stattdessen flüsterte ich: „Ich denke daran.“
Ihre Hand berührte meine Brust, ganz leicht, nur die Fingerspitzen. Sie ließ sie dort, spürte meinen Herzschlag. „Wir stecken hier fest“, sagte sie. „Niemand weiß, wie lange es dauert. Niemand sieht uns.“
„Das ist—“
„Was? Falsch?“ Ihre andere Hand legte sich an meinen Nacken, und ich spürte, wie sich meine Knie weich anfühlten. „Oder nur das Risiko, das es braucht, um sich lebendig zu fühlen?“
Bevor ich antworten konnte, küsste sie mich. Weich, aber bestimmt. Ihre Lippen schmeckten nach Kaffee und etwas Süßem, und ich gab nach, öffnete meinen Mund für sie. Es war, als würde etwas in mir aufbrechen, das ich seit Jahren unterdrückt hatte – das Verlangen nach Intensität, nach Risiko, nach mehr als nur der Routine. Es war nicht wie jener Moment im Auto auf der Landstraße, als mich eine Fremde überrascht hatte – es war langsamer, bewusster, und genau deshalb gefährlicher.

Ihre Hände glitten unter mein Hemd, erkundeten meine Haut. Ich zog sie näher, presste sie gegen die Wand des Aufzugs. Sie stöhnte leise in meinen Mund, und das Geräusch jagte einen Schauer durch meinen Körper.
„Matthias“, flüsterte sie gegen meine Lippen. „Berühr mich.“
Ich zögerte nur einen Augenblick. Dann schob ich ihren Blazer über ihre Schultern, ließ ihn zu Boden gleiten. Darunter trug sie eine weiße Bluse, und ich öffnete die ersten Knöpfe, langsam, während sie mich ansah. Ihre Augen waren dunkel vor Verlangen, und ich wusste, dass meine es auch waren.
Meine Hände glitten über ihren Hals, ihre Schlüsselbeine, hinunter zu ihren Brüsten. Sie waren perfekt, nicht zu groß, fest unter dem Stoff ihres BHs. Ich strich mit den Daumen über die Spitzen, spürte, wie sie sich aufrichteten, und sie biss sich auf die Lippe.
„Mehr“, flüsterte sie.
Ich schob die Bluse weiter auf, küsste ihren Hals, ihre Schulter. Sie griff nach meinem Gürtel, öffnete ihn mit einer Geschicklichkeit, die mich überraschte. Ihre Hand glitt in meine Hose, umfasste mich, und ich keuchte gegen ihre Haut.
„Gott, Joelle…“
„Ich will dich fühlen.“ Sie drückte sich gegen mich, und ich spürte die Hitze zwischen ihren Beinen, selbst durch den Stoff ihrer Hose. „Ich will, dass du mich vergessen lässt, wo wir sind.“
Ich drehte sie um, presste sie mit dem Gesicht zur Wand. Sie stützte sich mit den Händen ab, wölbte ihren Rücken, und ich schob ihren Rock hoch. Sie trug einen schwarzen Slip, durchsichtig, der kaum etwas verbarg. Ich strich mit den Fingern darüber, spürte die Feuchtigkeit, und sie stöhnte leise.

„Bitte“, flüsterte sie.
Ich schob den Slip zur Seite, ließ meine Finger über sie gleiten. Sie war heiß, nass, bereit. Ich streichelte sie langsam, kreisend, und sie drückte sich gegen meine Hand, suchte mehr Druck, mehr Reibung. Ihre Atemzüge wurden schneller, unregelmäßiger.
„Nicht aufhören“, keuchte sie.
Ich ließ einen Finger in sie gleiten, dann einen zweiten. Sie war eng, und ihre Muskeln zogen sich um mich zusammen. Ich bewegte mich langsam, rhythmisch, während meine andere Hand ihren Bauch streichelte, nach oben zu ihren Brüsten wanderte.
„Ich will dich spüren“, sagte sie. „Richtig.“
Ich zögerte. „Joelle, wir sollten—“
„Sollten was?“ Sie drehte den Kopf, sah mich über die Schulter an. „Vernünftig sein? Moral haben?“ Sie lachte leise, atemlos. „Es ist zu spät dafür. Ich will dich. Jetzt.“
Ich befreite mich aus meiner Hose, positionierte mich hinter ihr. Sie spreizte ihre Beine ein wenig weiter, und ich spürte, wie sie sich gegen mich drückte, mich in sich führte. Als ich in sie glitt, stöhnten wir beide auf. Es war perfekt, diese Enge, diese Hitze, diese verbotene Intensität.
Ich begann mich zu bewegen, langsam zuerst, dann schneller. Ihre Hände pressten sich gegen die Wand, und sie drückte sich mir entgegen, traf jeden meiner Stöße. Das Metall des Aufzugs hallte leise unter unseren Bewegungen, aber es war uns egal. Nichts war uns egal außer diesem Moment.
„Härter“, flüsterte sie. „Bitte.“
Ich griff nach ihren Hüften, zog sie zu mir, stieß tiefer. Sie keuchte, dann stöhnte sie laut, ohne Hemmung. Meine Finger gruben sich in ihre Haut, und ich wusste, dass ich Spuren hinterlassen würde, aber auch das war mir egal. Es war, als würden wir beide etwas suchen, das wir lange vermisst hatten – diese rohe, ungefilterte Verbindung.
„Ich komme“, keuchte sie. „Matthias, ich—“
Sie kam mit einem leisen Schrei, und ich spürte, wie ihr Körper sich um mich zusammenzog, pulsierte. Das brachte mich an den Rand, und ich folgte ihr, ergoss mich in sie mit einem tiefen Stöhnen, das aus meinem Innersten kam. Es war intensiver als alles, was ich seit Jahren gefühlt hatte, und das machte es noch gefährlicher.
Wir blieben einen Moment so stehen, beide schwer atmend. Dann zog ich mich zurück, und sie drehte sich um. Ihre Wangen waren gerötet, ihre Augen glänzten. Sie sah nicht schuldig aus – im Gegenteil. Sie sah lebendig aus.

„Das war…“, begann ich.
„Notwendig“, beendete sie meinen Satz. „Für uns beide, glaube ich.“
Sie ordnete ihre Kleidung, strich sich die Haare aus dem Gesicht. Ich tat dasselbe, fühlte mich seltsam zerrissen zwischen Euphorie und beginnender Reue. Ich dachte an meine Frau, an den Ring an meiner Hand. Diese Geschichte gehörte eigentlich in die Kategorie Affären, auch wenn es nur ein Moment gewesen war, gestohlen zwischen zwei Etagen.
Der Aufzug ruckelte plötzlich, und wir beide zuckten zusammen. Dann setzte er sich in Bewegung, nach unten, als wäre nichts gewesen.
„Natürlich“, sagte sie und lachte leise. „Jetzt.“
Die Türen öffneten sich in der Tiefgarage. Sie nahm ihren Blazer, zog ihn über. Ich stand einfach nur da, unsicher, was ich sagen sollte.
„Joelle…“
Sie sah mich an, und wieder war da dieses Lächeln. „Du musst nichts sagen. Wir wissen beide, was das war.“ Sie trat näher, küsste mich kurz auf die Wange. „Aber falls du jemals wieder zwischen zwei Etagen festhängst – ich bin im sechsten Stock.“
Dann ging sie, ihre Schritte hallten durch das leere Parkhaus, und ich blieb zurück mit dem Duft ihres Parfüms und dem Wissen, dass ich etwas überschritten hatte, das sich nicht mehr zurücknehmen ließ.
Ich fuhr nach Hause, duschte lange, erzählte meiner Frau von einem Aufzug, der steckengeblieben war. Sie glaubte mir, warum auch nicht. Aber als ich im Bett lag, konnte ich nicht aufhören, an Joelles Hände zu denken, an ihren Atem, an die Art, wie sie meinen Namen gesagt hatte.
Und an den sechsten Stock.
Am nächsten Morgen nahm ich die Treppe. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder auf den Knopf drücken würde, bis die Türen sich öffneten und ich hoffte, sie würde darin stehen. Manche Momente bleiben real, auch wenn man sie gerne als Traum abtun würde. Und manche Begegnungen verändern etwas in einem, egal wie kurz sie waren.
Der Aufzug wartete. Und ich wusste, früher oder später würde ich wieder einsteigen.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.