Die Popcorntüte war eigentlich nur eine Ausrede.
Ich wusste das. Jannik wusste das. Und wahrscheinlich wusste es auch die Kassiererin, die uns mit einem wissenden Lächeln die Tickets für die letzte Vorstellung verkauft hatte. Mittwochsabend, 22:30 Uhr, irgendein Indie-Film, den niemand sehen wollte. Perfekt.
Wir arbeiteten seit fast zwei Jahren im selben Büro. Marketing. Er saß drei Schreibtische weiter, und manchmal, wenn ich von meinem Bildschirm aufblickte, ertappte ich ihn dabei, wie er mich beobachtete. Nie lang genug, um unangenehm zu sein. Aber lang genug, dass sich etwas in meinem Bauch zusammenzog.

Das Kino war fast leer. Ein älteres Paar weiter vorne, sonst niemand. Jannik steuerte direkt auf die letzte Reihe zu, und ich folgte ihm, mein Herz hämmerte bereits. Wir hatten nie darüber gesprochen, was das hier war. Diese „spontane“ Idee nach Feierabend. Aber seine Hand in meinem Rücken, als wir die Treppe hochgingen, fühlte sich an wie eine Antwort auf eine Frage, die ich nie laut gestellt hatte.
Wir setzten uns. Der Sitz quietschte leise. Die Werbung lief noch, grelle Farben flackerten über die Leinwand. Jannik stellte die Popcorntüte zwischen uns auf die Armlehne, und als seine Finger die meinen streiften, war es kein Zufall.
„Nervös?“, flüsterte er.
„Wieso sollte ich?“
„Weil du seit zehn Minuten nicht geatmet hast.“
Ich lachte leise, zu laut für den leeren Saal, und er grinste. Dieses verdammte Grinsen. Schief, selbstsicher, als wüsste er genau, was er mit mir machte.
Der Film begann. Ich hätte nicht sagen können, worum es ging. Irgendwas mit Meer und Einsamkeit und melancholischer Musik. Meine ganze Aufmerksamkeit war auf seine Hand gerichtet, die jetzt offen auf der Armlehne lag, Handfläche nach oben. Eine Einladung.
Ich nahm sie an.
Seine Finger schlossen sich um meine, warm und fest, und für einen Moment passierte nichts weiter. Wir saßen einfach da, Hand in Hand wie Teenager, und schauten auf eine Leinwand, die wir beide nicht wirklich sahen. Aber dann begann sein Daumen, kleine Kreise auf meinen Handrücken zu malen. Langsam. Absichtlich.
Ich spürte, wie sich meine Atmung veränderte. Flacher. Schneller.
„Jannik“, flüsterte ich.
„Hmm?“
„Was machen wir hier?“
Er drehte den Kopf zu mir, sein Gesicht zur Hälfte im Schatten, zur Hälfte im bläulichen Licht der Leinwand. „Was willst du denn, dass wir machen?“

Ich gab keine Antwort. Stattdessen beugte ich mich zu ihm, und dann küssten wir uns. Weich zuerst, vorsichtig, als wäre da noch eine unsichtbare Grenze zwischen uns, die wir nicht überschreiten sollten. Aber die Grenze war längst gefallen. Seine Hand löste sich aus meiner und legte sich in meinen Nacken, zog mich näher, und der Kuss wurde tiefer, hungriger.
Das Popcorn kippte um.
Wir bemerkten es kaum. Seine Zunge glitt an meine, und ich stöhnte leise gegen seine Lippen. Es fühlte sich verboten an, hier zu sitzen, in diesem öffentlichen Raum, auch wenn wir praktisch allein waren. Wie damals bei der Geschichte auf der Dachterrasse nach Feierabend, von der mir eine Kollegin erzählt hatte.
Jannik löste sich von mir, atemlos. „Komm her.“
Er zog mich auf seinen Schoß, und ich ließ es geschehen, kletterte über die Armlehne, mein Kleid rutschte dabei hoch. Seine Hände fanden sofort meine Hüften, hielten mich fest, während ich mich auf ihm niederließ. Ich spürte ihn sofort — hart, durch den Stoff seiner Jeans.
„Fuck“, murmelte er gegen meinen Hals. „Du machst mich verrückt.“
„Seit wann?“
„Seit dem ersten Tag.“
Seine Lippen wanderten an meinem Hals hinab, seine Zähne streiften meine Haut, und ich krallte meine Finger in sein Shirt. Auf der Leinwand passierte irgendwas Dramatisches, Musik schwoll an, aber alles, was ich hörte, war mein eigener Herzschlag und sein Atem an meiner Haut.
Meine Hüften bewegten sich von selbst, rieben sich gegen ihn, und er stöhnte leise. Seine Hände glitten unter mein Kleid, fanden die nackte Haut meiner Oberschenkel, strichen höher. Ich hätte stoppen sollen. Wir hätten stoppen sollen. Aber ich wollte nicht.

„Zieh es aus“, flüsterte ich.
„Was?“
„Das Höschen. Zieh es aus.“
Seine Augen weiteten sich, funkelten im Halbdunkel. „Hier?“
„Hier.“
Für einen Moment zögerte er. Dann grinste er wieder, dieses selbstsichere, verfluchte Grinsen, und seine Hände schoben sich weiter nach oben. Ich hob mich leicht an, und er zog den Spitzenstoff über meine Hüften, über meine Schenkel, bis er ihn ganz ausgezogen hatte. Er steckte ihn in seine Tasche.
„Das behalte ich“, murmelte er.
„Arschloch.“
„Dein Arschloch.“
Ich lachte leise, dann küsste er mich wieder, und seine Hand glitt zwischen meine Beine. Sein erster Finger fand mich nass, bereit, und ich zuckte zusammen bei der Berührung. Er streichelte mich langsam, kreiste um meinen Kitzler, ohne ihn direkt zu berühren, und ich hätte schreien können vor Frustration.
„Bitte“, keuchte ich gegen seinen Mund.
„Was bitte?“
„Hör auf zu spielen.“
„Aber das macht doch Spaß.“
Er glitt mit einem Finger in mich hinein, dann mit einem zweiten, und mein Kopf fiel nach hinten. Seine andere Hand hielt mich fest an der Hüfte, bewegte mich gegen seine Finger, im Rhythmus der Musik, die aus den Lautsprechern dröhnte. Es war zu viel und nicht genug zugleich.
„Jannik, ich—“
„Ich weiß.“
Seine Finger bewegten sich schneller, sein Daumen fand meinen Kitzler, und ich biss mir auf die Lippe, um nicht laut zu schreien. Das alte Paar saß immer noch ein paar Reihen weiter vorne, ahnungslos, und der Gedanke, dass wir jeden Moment erwischt werden könnten, machte alles nur intensiver.
Ich kam heftig, stumm, mein ganzer Körper zitterte auf seinem Schoß, während seine Finger mich durch den Orgasmus führten. Und dann, als ich langsam wieder zu mir kam, flüsterte er in mein Ohr: „Jetzt bin ich dran.“
Ich glitt von seinem Schoß, kniete mich zwischen seine Beine auf den klebrigen Kinoboden. Meine Hände öffneten seine Jeans, zogen sie hinunter, gerade genug. Er war hart, die Spitze bereits feucht, und ich leckte einmal darüber, bevor ich ihn in den Mund nahm.
„Scheiße“, stöhnte er, seine Hand vergrub sich in meinen Haaren.
Ich saugte langsam, genoss das Gewicht von ihm auf meiner Zunge, die Art, wie seine Hüften sich unwillkürlich hoben. Seine Finger zitterten in meinen Haaren, hielten mich aber nicht fest — er überließ mir die Kontrolle. Ich beschleunigte, nahm ihn tiefer, und sein Atem wurde rau.
„Ich komme gleich“, warnte er.
Ich ließ nicht locker. Ich wollte es. Wollte ihn spüren, schmecken. Und als er kam, mit einem unterdrückten Stöhnen, schluckte ich, bis er aufhörte zu zucken.
Langsam richtete ich mich auf, wischte mir über den Mund. Auf der Leinwand liefen die Credits. Wir hatten das Ende verpasst.

„Wir sollten gehen“, flüsterte ich.
„Warte.“
Er zog mich zurück auf den Sitz neben sich, küsste mich, weich und zärtlich, ganz anders als vorhin. „Komm mit zu mir“, murmelte er gegen meine Lippen.
„Jannik, wir sind Kollegen.“
„Ich weiß.“
„Das wird kompliziert.“
„Ich weiß.“
„Und morgen sehen wir uns im Büro.“
„Ich. Weiß.“ Er küsste mich nach jedem Wort. „Komm trotzdem mit.“
Ich hätte nein sagen sollen. Hätte die Vernunft walten lassen sollen, wie immer. Aber vernünftig war ich schon lange genug gewesen. Also nickte ich.
Wir verließen das Kino Hand in Hand. Die Kassiererin zwinkerte uns zu, als wir an ihr vorbeigingen. Draußen regnete es leicht, und die Straßen glänzten im Licht der Laternen. Jannik hielt mir die Beifahrertür seines Wagens auf, und als ich einstieg, küsste er mich noch einmal, heftig, als könnte er nicht genug bekommen.
Die Fahrt zu seiner Wohnung war kurz. Wir sprachen kein Wort. Seine Hand lag auf meinem Oberschenkel, streichelte gedankenverloren meine Haut, und ich lehnte den Kopf gegen die Scheibe, beobachtete die verschwommenen Lichter, die an uns vorbeizogen. Es fühlte sich surreal an, wie eine dieser Geschichten, die man nicht glaubt, bis sie einem selbst passieren.
Seine Wohnung war überraschend aufgeräumt. Bücher überall, eine Pflanze auf der Fensterbank, die tatsächlich lebte. Er schaltete das Licht nicht an, führte mich stattdessen direkt ins Badezimmer, drehte die Dusche auf.
„Wir sind voller Popcorn“, sagte er grinsend.
Ich lachte. „Du bist unmöglich.“
„Ich weiß.“
Wir zogen uns gegenseitig aus, langsamer diesmal, genossen jeden Moment. Unter dem warmen Wasser küssten wir uns wieder, seine Hände seiften mich ein, glitten über meine Brüste, meinen Bauch, zwischen meine Beine. Ich streichelte ihn, fühlte, wie er wieder hart wurde.
„Schon wieder?“, flüsterte ich.
„Du hast da so eine Wirkung auf mich.“
Er drehte mich um, drückte mich sanft gegen die kalten Fliesen, und ich spürte ihn an meinem Eingang. „Okay?“, murmelte er.
„Ja.“
Er glitt langsam in mich hinein, und ich stöhnte auf, meine Handflächen flach gegen die Wand. Das heiße Wasser prasselte auf unsere Körper, während er sich bewegte, langsam erst, dann schneller. Seine Lippen küssten meinen Nacken, meinen Rücken, und seine Hand glitt um meinen Körper, fand meinen Kitzler.
„Noch einmal“, flüsterte er. „Komm noch einmal für mich.“
Und ich tat es. Kam zum zweiten Mal an diesem Abend, während er in mir stöhnte und sich kurz darauf ebenfalls fallen ließ.
Danach standen wir einfach da, unter dem warmen Wasser, seine Arme um mich geschlungen, mein Kopf an seiner Schulter. Es fühlte sich richtig an. Erschreckend richtig.

„Was machen wir jetzt?“, flüsterte ich.
„Ich weiß es nicht“, gab er ehrlich zu. „Aber ich will es herausfinden.“
Wir trockneten uns ab, zogen seine T-Shirts an, und er führte mich ins Bett. Wir schliefen nicht sofort. Stattdessen lagen wir da, meine Finger malten Muster auf seine Brust, während er mit meinen Haaren spielte.
„Bereust du es?“, fragte er irgendwann.
„Nein. Du?“
„Auf keinen Fall.“
Ich lächelte im Dunkeln. Morgen würde kompliziert werden. Das Büro, die Kollegen, die unvermeidlichen Fragen. Aber im Moment, in seinen Armen, in diesem Bett, das nach ihm roch, war alles einfach. Einfach und perfekt.
„Jannik?“
„Hmm?“
„Nächstes Mal such ich den Film aus.“
Er lachte leise, zog mich enger an sich. „Deal.“
Und während ich langsam in den Schlaf glitt, dachte ich daran, wie alles mit einer simplen Popcorntüte begonnen hatte. Manchmal brauchte es nicht viel. Nur ein bisschen Mut, die richtige Person und die letzte Reihe im Kino. Der Rest ergab sich von selbst, ähnlich wie bei all den anderen Geschichten über verbotene Momente, die man sich nachts erzählt.
Am nächsten Morgen wachte ich von seinem Kuss auf. Die Sonne schien durchs Fenster, und er stand bereits angezogen neben dem Bett, zwei Kaffeetassen in der Hand.
„Guten Morgen, Kollegin“, sagte er grinsend.
„Guten Morgen, Kollege.“
Es war seltsam. Seltsam gut. Wir tranken Kaffee, als wäre es das Normalste der Welt. Als hätten wir nicht vor wenigen Stunden im Kino die Kontrolle verloren und später unter seiner Dusche noch einmal. Als wäre das alles nicht ein wunderbarer, riskanter, perfekter Fehler gewesen.
Auf dem Weg ins Büro fuhren wir getrennt. Vernünftig. Aber als ich an seinem Schreibtisch vorbeikam und er mir zuzwinkerte, wusste ich: Das war erst der Anfang. Was immer das auch bedeutete.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.