Die Spiegelwand zieht sich über die gesamte Länge der Umkleidekabine. Ich stehe davor, noch im schwarzen Kleid, das ich für heute Abend ausgesucht hatte – zu eng, zu kurz, genau richtig für einen Abend im Swingerclub. Mein Spiegelbild schaut mich an, und ich sehe die Nervosität in meinen Augen. Es ist nicht mein erstes Mal hier, aber heute fühlt sich alles anders an.
Hinter mir öffnet sich die Tür.
Ich wirbele herum. Ein Mann steht dort – groß, breite Schultern unter einem anthrazitfarbenen Hemd, die obersten Knöpfe offen. Sein Blick trifft meinen, und ich spüre, wie sich etwas in meinem Bauch zusammenzieht. Er ist nicht zufällig hier.
„Verzeihung“, sage ich reflexartig. „Ich dachte, die Kabine wäre abgeschlossen.“
„War sie nicht.“ Seine Stimme ist tief, ruhig. Er lehnt sich gegen den Türrahmen, verschränkt die Arme. „Ich bin Yorick.“
„Elara“, antworte ich und mein Name klingt fremd in meinem eigenen Mund.
„Elara.“ Er wiederholt ihn langsam, als würde er ihn schmecken. „Du bist zum ersten Mal allein hier, oder?“
Ich nicke. Mein Ex hatte mich hierher gebracht, zweimal. Aber heute bin ich allein gekommen, weil ich wissen wollte, wie es sich anfühlt, ohne seine Hand in meinem Nacken, ohne seine Worte, die mir sagen, was ich tun soll.
„Du siehst aus, als würdest du gleich weglaufen“, sagt Yorick und ein leichtes Lächeln spielt um seine Lippen.
„Vielleicht tu ich das auch.“
„Das wirst du nicht.“ Es ist keine Frage. Es ist eine Feststellung, die mich an Ort und Stelle festhält.
Er tritt einen Schritt näher. Die Tür fällt hinter ihm ins Schloss, nicht laut, aber endgültig. Mein Herzschlag beschleunigt sich.
„Dreh dich um“, sagt er leise.
Ich zögere nur eine Sekunde, bevor ich es tue. Mein Blick fällt wieder auf die Spiegelwand, und jetzt sehe ich uns beide – mich in meinem schwarzen Kleid, ihn direkt hinter mir, noch einen halben Meter Abstand zwischen uns.

„Sieh dich an“, sagt er. „Was siehst du?“
„Mich“, flüstere ich.
„Falsch.“ Er kommt näher, bis ich seine Wärme an meinem Rücken spüre. „Du siehst eine Frau, die weiß, was sie will. Die hierher gekommen ist, weil sie etwas sucht.“
Seine Hände gleiten über meine Oberarme, ganz sanft. Ich sehe im Spiegel, wie sich meine Lippen öffnen, wie meine Pupillen sich weiten.
„Du hast schon mal jemandem gehorcht“, sagt er, mehr eine Feststellung als eine Frage. „Aber das hat sich nicht richtig angefühlt, oder?“
Ich schüttle den Kopf. Meine Stimme versagt mir.
„Weil er genommen hat, ohne zu fragen.“ Seine Lippen sind jetzt nah an meinem Ohr. „Weil er dachte, dominant sein bedeutet, dich zu ignorieren.“
Wie kann er das wissen? Wir haben uns gerade erst getroffen.
„Ich frage dich jetzt etwas, Elara.“ Seine Hände wandern zu meiner Taille. „Willst du, dass ich hier bleibe?“

„Ja“, hauche ich.
„Lauter.“
„Ja.“
„Gut.“ Ich spüre sein Lächeln an meiner Haut. „Dann sag mir, wenn du willst, dass ich aufhöre. Jederzeit. Verstanden?“
„Verstanden.“
Seine Hände gleiten höher, über meine Rippen, knapp unter meinen Brüsten. Im Spiegel sehe ich, wie ich mich gegen ihn lehne, wie mein Kopf an seine Schulter sinkt.
„Heb deine Arme“, sagt er.
Ich gehorche. Er streift das Kleid langsam nach oben, über meinen Kopf, und plötzlich stehe ich nur noch in schwarzer Spitzenunterwäsche vor ihm – vor uns beiden, denn der Spiegel zeigt alles.
„Schau nicht weg“, befiehlt er sanft. „Ich möchte, dass du siehst, was ich sehe.“
Seine Finger zeichnen die Linie meiner Wirbelsäule nach, so langsam, dass ich zittere. Dann wandern sie nach vorn, über meinen Bauch, kreisen um meinen Bauchnabel.
„Du bist wunderschön“, murmelt er. „Und du glaubst es nicht mal.“
Ich will widersprechen, aber seine Hand schiebt sich unter den Rand meines Slips, nicht weiter, nur dort, wo mein Venushügel beginnt. Ich atme scharf ein.
„Bitte“, flüstere ich.
„Was bitte?“
„Mehr.“
„Mehr wovon?“ Er lächelt, und ich sehe es im Spiegel. „Sag es mir.“
„Berühr mich.“
„Wo?“
Die Hitze steigt mir in die Wangen. „Zwischen meinen Beinen.“
„Braves Mädchen.“ Seine Finger gleiten tiefer, finden mich feucht und bereit. Ich stöhne auf, und der Spiegel zeigt mir mein eigenes Gesicht, erhitzt und voller Verlangen.

Er bewegt seine Finger in langsamen Kreisen, findet meinen Kitzler, streichelt ihn sanft. Meine Knie werden weich.
„Schau hin“, sagt er wieder. „Sieh, wie schön du bist, wenn du dich fallen lässt.“
Ich kann nicht wegschauen. Ich sehe mich selbst, wie ich mich an ihn presse, wie seine andere Hand meinen BH öffnet, wie meine Brüste sich in seine Handfläche schmiegen. Die Spiegel zeigen mir alles, jede Bewegung, jede Berührung.
„Yorick“, keuche ich.
„Ich weiß.“ Seine Finger beschleunigen sich, sein Daumen drückt fester. „Aber noch nicht. Halt es aus für mich.“
Es ist fast unmöglich. Die Lust baut sich auf wie eine Welle, die jeden Moment brechen will. Seine Lippen finden meinen Nacken, küssen, knabbern, saugen.
„Ich kann nicht—“
„Doch. Du kannst.“ Seine Stimme ist ruhig, bestimmt. „Atme durch. Halt es aus.“
Ich gehorche, atme tief ein und wieder aus. Die Welle zieht sich zurück, nur um noch stärker wiederzukommen.
„Du machst das so gut“, flüstert er. „Siehst du, wie stark du bist?“
Im Spiegel sehe ich uns beide, wie wir zusammengehören, wie sein Körper meinen umfängt, wie seine Hand zwischen meinen Schenkeln arbeitet. Es ist obszön und wunderschön zugleich.
„Jetzt“, sagt er plötzlich. „Jetzt darfst du kommen.“
Als hätte mein Körper nur auf seine Erlaubnis gewartet, explodiert die Lust in mir. Ich schreie auf, meine Beine geben nach, aber er hält mich fest, lässt mich nicht fallen. Seine Finger arbeiten weiter, mildern die Wellen, begleiten mich durch den Orgasmus.
Ich sehe mich selbst im Spiegel, das Gesicht verzückt, die Augen geschlossen, völlig hingegeben. Und ich sehe ihn, wie er mich ansieht mit einem Ausdruck, der fast zärtlich ist.

Als ich wieder Luft bekomme, drehe ich mich in seinen Armen um.
„Du—“ beginne ich, aber er legt einen Finger auf meine Lippen.
„Nicht heute“, sagt er leise. „Heute war nur für dich.“
„Aber—“
„Ich komme wieder.“ Er streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Nächste Woche. Gleiche Zeit. Gleicher Ort. Wenn du willst.“
Ich nicke, sprachlos.
Er küsst mich, sanft und kurz, dann tritt er zurück. Seine Hand gleitet von meiner Wange, und er wendet sich zur Tür.
„Yorick?“
Er dreht sich um.
„Ich will.“
Sein Lächeln trifft mich wie ein Blitz. „Ich weiß.“
Dann ist er weg, und ich stehe allein vor der Spiegelwand, nackt bis auf den Slip, den er mir nie ganz ausgezogen hat. Mein Körper summt noch nach, und ich kann mein eigenes Spiegelbild kaum wiedererkennen. Diese Frau, die mich ansieht, sieht erfüllt aus. Glücklich. Lebendig.

Ich sammle langsam meine Kleidung ein, ziehe mich an. Die Kabine riecht noch nach ihm, nach uns. Meine Hände zittern leicht, als ich den Reißverschluss meines Kleides schließe.
Draußen, in dem großen Raum mit den vielen Menschen, dem gedämpften Licht und der leisen Musik, suche ich nach ihm. Aber Yorick ist nirgendwo zu sehen. Vielleicht ist er schon gegangen. Vielleicht beobachtet er mich gerade.
Eine Frau an der Bar lächelt mir zu, eine Einladung in ihren Augen. Früher wäre ich vielleicht hingegangen, hätte mich ablenken lassen. Aber heute schüttle ich den Kopf, lächle zurück und gehe zur Tür.
Draußen empfängt mich die kühle Nachtluft. Ich atme tief ein und spüre immer noch seine Hände auf meiner Haut, seine Stimme in meinem Ohr. Diese Art der Intimität hatte ich nie erlebt – nicht das wilde, anonyme Treiben, sondern diese Konzentration, diese Achtsamkeit.
Nächste Woche, denke ich. Gleiche Zeit. Gleicher Ort.
Ich werde da sein.
Und diesmal werde ich nicht wegrennen.
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Ich bin eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und Wortakrobatin. Meine Reise als Autorin begann in meiner Kindheit, umgeben von Büchern und inspiriert von den unzähligen Welten, die sie enthüllten. Meine Werke sind ein Spiegelbild meiner Fantasie – eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der die Charaktere zum Leben erwachen und Leser auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.